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YB plant nicht mit Sanogo und Co.

YB-Sportchef Christoph Spycher hat in den letzten Tagen geprüft, das ausgedünnte Kader zu verstärken. Die Young Boys sehen davon ab – nicht nur aus Mangel an valablen Kandidaten.

Torschütze Jean-Pierre Nsame jubelt nach dem 3:2-Sieg gegen Sion mit dem Trikot des verletzten Teamkollegen Vincent Sierro.
Torschütze Jean-Pierre Nsame jubelt nach dem 3:2-Sieg gegen Sion mit dem Trikot des verletzten Teamkollegen Vincent Sierro.
Anthony Anex/Keystone

Vincent Sierro geht an Krücken durch die Katakomben. Es ist Samstagabend, der Moment nach dem 3:2 gegen den FC Sion, dem ersten Ligasieg der Young Boys nach drei Unentschieden. Der Mittelfeldspieler ist der achte und vorerst letzte Verletzte. Der 23-jährige Zugang, im Nachwuchs der Sittener ausgebildet, zog sich am Mittwoch in Thun einen Innenbandriss im rechten Knie zu. Er könnte bis zur Winterpause ausfallen. Und dementsprechend niedergeschlagen sein.

Doch als er dem Walliser Regionalfernsehen ein Interview gibt, überzieht immer wieder ein Lächeln sein Gesicht. «Natürlich ist es nicht leicht zu akzeptieren, insbesondere weil wir europäisch spielen», sagt er. «Aber Verletzungen gehören zum Fussballerdasein dazu.» Und als Fabian Lustenberger nebenan über Sierro und dessen Leid spricht, da kommt dieser herangehinkt und gibt dem Captain mit den Krücken einen Klaps auf den Hintern.

Man kann es Galgenhumor nennen. Oder: Teamspirit.

Über dieses Team und sein Gefüge hat sich Sportchef Christoph Spycher in den letzten Tagen intensiv Gedanken gemacht. Darüber, ob es sich lohnt, bei all den Verletzten einen weiteren Spieler zu holen. Oder: Ob diese Handlung nicht die Stabilität gefährden könnte.

Einerseits ist das breite YB-Kader, zusammengestellt für die englischen Wochen im Herbst, derart ausgedünnt, dass gegen den FC Sion gleich vier Nachwuchskräfte auf der Ersatzbank Platz nahmen. Von den fünf zentralen Mittelfeldspielern standen die zwei gesunden, Michel Aebischer und Gianluca Gaudino, in der Startaufstellung. Wobei der Deutsche im linken Mittelfeld auf ungewohnter Position agierte, weil auch dort Personalnot herrscht. Lustenberger, eigentlich als Innenverteidiger eingeplant, rückte wie schon in Freienbach, Porto und Thun eine Reihe nach vorn.

Andererseits bringt ein neuer Spieler Bedürfnisse und An­sprüche mit. Er kann Hierarchien und Abläufe gefährden – gerade wenn sich das Lazarett lichtet – und deshalb mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Nachdem er etliche Optionen geprüft habe, sagt Spycher am Samstagabend, könne man davon aus­gehen, dass YB keinen weiteren Spieler verpflichten werde.

Sanogo, Abdi, Buff

Weil das Schweizer Transferfenster seit einem Monat geschlossen ist, hätten die Young Boys auf dem Arbeitslosenmarkt fündig werden müssen. Auf diesem tummeln sich ein paar hierzulande bekannte Namen:

Sékou Sanogo spielte mit YB in der Champions League, wechselte danach in die Wüste. Mittlerweile steht er ohne Verein da.
Sékou Sanogo spielte mit YB in der Champions League, wechselte danach in die Wüste. Mittlerweile steht er ohne Verein da.
Christian Pfander
Almen Abdi (rechts) spielte zuletzt in England bei Sheffield und Watford. Seit dem Sommer ist der 32-Jährige vereinslos.
Almen Abdi (rechts) spielte zuletzt in England bei Sheffield und Watford. Seit dem Sommer ist der 32-Jährige vereinslos.
Michael Zemanek/APImages
Im Sommer 2017 wechselte Oliver Buff vom FCZ nach Saragossa. Im Januar zog er weiter nach Zypern – der Vertrag wurde Ende der letzten Saison aber aufgelöst.
Im Sommer 2017 wechselte Oliver Buff vom FCZ nach Saragossa. Im Januar zog er weiter nach Zypern – der Vertrag wurde Ende der letzten Saison aber aufgelöst.
Toni Galan/EQ Images
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Natürlich gilt es zuallererst Sékou Sanogo zu erwähnen, Vorkämpfer bei eineinhalb Meistertiteln, seit einem Monat nicht mehr in Saudiarabien engagiert. Oder Almen Abdi, einst bei YB im Halbjahresrhythmus im Gespräch, und Oliver Buff, lange Stammkraft beim FCZ, immer noch erst 27-jährig. Beide waren bis zum Sommer im Ausland engagiert.

Ein Spieler, der über Monate nicht zum Einsatz gekommen sei, könne nicht sofort weiter­helfen, sagt Spycher, ohne auf konkrete Namen einzugehen. «Aber klar ist: Wäre August und wir dürften Transfers machen, dann wären wir sehr wahrscheinlich tätig geworden.»

Im Teufelskreis

Spycher spricht nun davon, dass dies nicht bedeute, dass er den verbliebenen Spielern nicht vertraue. Doch gegen Sion sei ge­rade in der Schlussphase augenfällig geworden, «dass wir auf dem Zahnfleisch gehen». Es sei ein Teufelskreis, in dem sich die Young Boys seit Wochen befänden. Weil mit jedem Verletzten mehr die Belastung für die gesunden Spieler zunehme. Der Sportchef denkt an Roger Assalé und Nicolas Ngamaleu, die oft zum Einsatz gekommen waren und dann mit muskulären Beschwerden ausfielen.

Immerhin: Wenn YB am Donnerstag die Glasgow Rangers in der Europa League zum sechsten Spiel innerhalb von zwanzig Tagen empfangen, dürften die beiden Offensivkräfte wieder mittun können.

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