Applaus für Shaqiri

Der Schweizer überzeugt bei Liverpools 5:1-Sieg gegen Arsenal, ohne ein Tor zu schiessen. Er und Mohamed Salah verströmen Magie.

Big Shaq sagen sie in Liverpool Xherdan Shaqiri. Grosse Dinge vollbringt er zur Zeit auch auf dem Fussballplatz.

Big Shaq sagen sie in Liverpool Xherdan Shaqiri. Grosse Dinge vollbringt er zur Zeit auch auf dem Fussballplatz.

(Bild: Keystone)

Christian Zürcher@suertscher

Vielleicht hat ja tatsächlich der göttliche Beistand dem kleinen Mann aus dem Baselbiet geholfen. Matt Le Tissier nennen sie in England wegen seiner früheren Taten als Fussballer auch Le God. Er empfahl kraft seines Amtes als Fernsehexperte, Xherdan Shaqiri von Anfang an spielen zu lassen. Etwas, das Shaqiri für Liverpool gegen die Topteams Englands noch nie durfte. Und tatsächlich, Le Tissiers Botschaft wird gestern Samstag erhört. Shaqiri steht gegen Arsenal in der Startformation, zusammen mit den bewährten Überkräften Salah, Firmino und Mané.

Xherdan Shaqiri wird an diesem rauschenden Liverpooler Abend bei allen Toren keinen triftigen Anteil haben, so viel sei gesagt, doch er ist beim 5:1-Triumph mehr als nur ein Gratulant. Er ist im Angriff der Mann zwischen den Linien, er lenkt das Liverpooler Spiel und erlöst es immer wieder geschickt von Arsenals Pressing. Die Zuschauer im Stadion mögen ihn, Mal für Mal erhält der Schweizer kleine Liebesbekundungen in Form von Szenenapplaus. Shaqiri spielt Doppelpass. Klatschen. Shaqiri macht Seitenwechsel. Beifall. Shaqiri spielt Ball in die Tiefe. Ahhhhhh. Und Applaus.

Ein Auskick übertölpelt acht Arsenal-Spieler

Und weil auch seine Kollegen gut aufgelegt sind – im Gegensatz zu Arsenal –, zieht der englische Tabellenführer seinem direkten Konkurrenten schnell davon. Liverpool besticht in diesen Tagen durch seine Komplettheit. Der Angriff schiesst gegen Arsenal alle fünf Tore, das Mittelfeld herrscht über die Räume, die Abwehr macht bis zum Gegentreffer keinen Fehler und löst immer wieder raffiniert das Spiel aus. Ein Beispiel dafür ist die Entstehung des vierten Tors. Goalie Alisson fängt einen Ball ab und spielt ihn schnell nach vorne. Ein Auskick, 50 Meter lang, 1 Meter über den Boden, punktgenau auf Firmino. Acht (!) Gegenspieler überspielt er damit, aus der Szene resultiert ein Penalty, Salah trifft und legt damit das Spiel schlafen. Liverpool führt zur Pause 4:1.

Mit der Klarheit kommt die Lockerheit. Dadurch häufen sich die Momente, in denen sich die Harmonie zwischen Shaqiri und Salah offenbart. In Basel haben sie sich 2012 während eines einwöchigen Probetrainings des Ägypters kennengelernt, und am gestrigen Abend scheint es immer wieder, als wären ihre Kommandozentralen im Kopf miteinander verbunden. Shaqiri und Salah finden sich blind und machen sich mit ihren Kombinationen über Arsenals Abwehr lustig. Wenn bisher von der Magie zwischen Salah, Firmino und Mané die Rede war, dann wird man bald auch den Schweizer dazuzählen müssen.

Xhaka ohne Einfluss, Lichtsteiner mit Fehlern

Shaqiri erlebt also einen prächtigen Abend ohne grosse Sorgen. Seinen Kollegen aus der Nationalmannschaft, Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner, ergeht es schlechter. Xhaka bleibt ohne Einfluss, Lichtsteiner sieht bei zwei Gegentoren schlecht aus. Einmal schiesst er den Kollegen an und legt damit für Firminos ersten von drei Treffern auf. Dann hebt er die Abseitsfalle auf und vergisst im Rücken Salah. Tor durch Mané.

Es ist ein Spiel, bei dem zu Beginn mehr Schweizer (3) auf dem Platz stehen als Engländer (2). Ein Spiel auch, das durch die Taktik der beiden Trainer geprägt ist. Arsenal attackiert Liverpool früh, doch die Nordengländer lassen die Londoner ins Leere laufen. Überhaupt scheitert Arsenal immer wieder am gepflegten Spielaufbau.

Der klare Sieg zeigt die Kräfteverhältnisse im englischen Fussball. Liverpool schwebt derzeit über allen Teams. Es scheint, als würde Jürgen Klopp seine Spieler täglich mit Stimmungsaufhellern versorgen. Die Mannschaft verströmt Spiel für Spiel unverschämt gute Laune. Sie ist seit 30 Ligaheimpielen ungeschlagen und hat in dieser Saison noch nie verloren. Ihr kommt entgegen, dass gestern Konkurrent Tottenham gegen Wolverhampton strauchelte. Am Donnerstag wartet mit Manchester City der Hauptrivale. Es soll ein weiterer Meilenstein werden auf dem Liverpooler Sehnsuchtsweg. Der Club hofft seit 28 Jahren auf den Meistertitel.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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