Andorra ist besser als der Weltmeister

Sie waren einmal das schlechteste Team in Europa – jetzt haben die Fussballzwerge aus Andorra einen beeindruckenden Lauf.

Haben sich ans Jubeln gewöhnt: Die Nationalspieler von Andorra. Bild: Getty

Haben sich ans Jubeln gewöhnt: Die Nationalspieler von Andorra. Bild: Getty

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Was ist der Unterschied zwischen den Nationalspielern von Andorra und denjenigen von Ländern wie Frankreich, England, Deutschland, Brasilien oder Argentinien? Nun, die einen verloren im Jahr 2018 mindestens ein Länderspiel – und die anderen spielen für Andorra.

In einem Monat, kurz bevor die Amateurfussballer gegen Georgien ihre nächste Nations-League-Partie austragen, werden sie eine magische Marke geknackt haben: Ein ganzes Jahr ohne Niederlage. Ein Riesenerfolg für das Land mit rund 72'500 Einwohnern. Das Land, das im November 1996 sein erstes Länderspiel bestritt (1:6-Niederlage zu Hause gegen Estland). Das Land, das von Oktober 2004 bis Februar 2017 13 Jahre lang auf einen Sieg warten musste. 86 Spiele dauerte die Durststrecke an – keines der 211 Fifa-Mitglieder blieb so lange erfolglos.

Jetzt sind es immerhin fünf Partien, die Spaniens kleiner Nachbar nicht mehr verlor. Auch wenn bei den vier Unentschieden gegen Lettland, Kasachstan, Kapverden, die Vereinigten Arabischen Emirate und beim Sieg gegen Liechtenstein nicht die ganz grosse Topnation dabei war – die Andorraner sind mächtig stolz auf ihre Leistung. «Wir bleiben auf dem Boden und wollen einfach den Moment geniessen», sagt Ildefons Lima gegenüber der spanischen Sportzeitung «Marca». Worte, die von Weltmeister Antoine Griezmann stammen könnten.

Der 38-jährige Lima weiss aber genau einzuschätzen, was diese Serie für sein Land bedeutet. Schliesslich spielt er seit 1997 für die Nationalmannschaft, stand bei 115 von 151 Länderspielen in Andorras Geschichte auf dem Platz – damit ist er natürlich Rekordnationalspieler. Nebenbei ist der Innenverteidiger mit elf Treffern auch noch Rekordtorschütze seines Landes. «Früher war es ein Erfolg, zwei Spiele hintereinander nicht unterzugehen. Ein Jahr ohne Niederlage war bis vor kurzem undenkbar.»

Nahezu hellseherische Fähigkeiten bewies Lima am 22. Februar 2017. Damals war Andorra bei San Marino zu Gast, es spielten die zwei schlechtesten Mannschaften gegeneinander. «Wir hatte unglaublich grossen Druck», erinnert sich Lima. Der Rekordspieler übernahm Verantwortung, schoss beim 2:0-Sieg den ersten Treffer. «Das wird ein Wendepunkt», prophezeite er – und sollte recht behalten. Seither blieb Andorra in acht von dreizehn Spielen ungeschlagen, in dieser Zeit resultierte auch der grösste Erfolg der Geschichte: ein 1:0 gegen Ungarn.

Wird das Märchen vollendet?

Dabei habe das Team an sich in den letzten anderthalb Jahren wenig verändert – ausser den Sprung in der Fifa-Weltrangliste vom 203. auf den 130. Platz. «Wir haben nun halt das Glück, das vorher gefehlt hat», erklärt Lima. Obwohl, ein bisschen professioneller wurde es schon: «Vor dem Spiel in Liechtenstein hatten wir einen kleinen Zusammenzug in unserem Stadion La Linea. Das förderte den Teamgeist.»

Gemeinsam hat die aus Amateuren bestehende Nationalmannschaft noch ein kleines Ziel vor Augen. Sollten sie auch am 13. Oktober in Georgien ohne Niederlage bleiben, wäre es sogar möglich, die Ungeschlagenheit länger zu wahren als der grosse Nachbar: Spanien spielt zwei Tage später gegen England. Es wäre das perfekte Ende eines kleinen Fussballmärchens. (fas)

Erstellt: 12.09.2018, 13:48 Uhr

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