Am Samstag im Berner Derby gibt es einen 3:1-Sieg

Die beiden Sportchefs Fredy Bickel (YB) und Andres Gerber (FC Thun) nehmen Stellung zu den zehn gleichen Fragen rund um ihre Arbeit.

Fredy Bickel und Andres Gerber.

Fredy Bickel und Andres Gerber.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Warum wären Sie gerne Sportchef beim anderen Berner Super-League-Team?Fredy Bickel:Diese Frage stellt sich mir nicht. Aber wäre ich in Thun tätig, wäre es positiv, weil ich Andy Gerber mehr als nur gelegentlich sehen würde.

Andres Gerber: Wie viele Joker habe ich? (schmunzelt)

Was macht der FC Thun besser als die Young Boys?Bickel:Das kann ich nicht beurteilen. Aber der FC Thun kann ruhiger arbeiten, weil er weniger im Fokus steht. Die Thuner machen ihre Arbeit ausgezeichnet.

Gerber: Es ist heikel, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht. Deshalb kann man nicht davon sprechen, dass Thun etwas besser macht. Die Arbeit beim FC Thun ist komplett anders als bei YB. Es ist zudem sicher einfacher, mit einem kleineren Budget die Erwartungen zu erfüllen. Bei uns ist es meistens ruhig, wir versuchen, auf Kontinuität zu setzen.

Wann gewinnt YB endlich wieder einen Titel?Bickel:In den nächsten Jahren.

Gerber: Sicher nicht 2016. Wenn die Young Boys ihren Weg weitergehen und nicht alles über den Haufen werfen, können sie in den nächsten drei bis fünf Jahren einen Titel gewinnen. Der FC Basel ist derzeit übermächtig, deshalb wäre es wohl hilfreich, würde man in Bern die Erwartungen ein wenig herunterschrauben. Am wichtigsten ist dabei, dass man geduldig bleibt.

Welchen Spieler des Gegners hätten Sie gerne in Ihrem Team?Bickel: Mit Sven Joss und Marco Bürki erhalten wir ja bald zwei Akteure von Thun zurück, die uns gehören und die sehr entwicklungsfähig sind.

Gerber: Ehrlich gesagt keinen, weil wir sehr zufrieden mit unserem Kader sind und ich auch keinen unserer Spieler vor den Kopf stossen will. Selbstverständlich hat YB ausgezeichnete Fussballer. Muss ich mich für einen entscheiden, dann ist das Sékou Sanogo. Er war ja schon bei uns.

Welcher Thun-Spieler hätte bei YB einen Stammplatz?Bickel: Wir wissen um die Qualität unserer Spieler und brauchen keine Verstärkung aus Thun.

Gerber:Auf dem Papier mag das anders aussehen, aber ich sehe bei uns einige Akteure, die sich bei den Young Boys durchsetzen könnten. Ich bin aber auch realistisch genug, um zu wissen, dass einer, der konstant so stark ist, wohl schon lange bei YB wäre. Aktuell würde ich aber zum Beispiel Nicolas Schindelholz schon auch im YB-Team sehen.

Der FC Thun kämpft jedes Jahr um die Lizenz, die Young Boys machen seit Jahren Verluste. Ist es überhaupt möglich, dass neben dem FC Basel noch einanderer Super-League-Verein langfristig profitabel arbeitet?Bickel:Klar, vier, fünf Vereine in der Liga besitzen die Voraussetzungen, YB gehört ganz sicher dazu. Strukturen und Stabilität müssen passen, das geht nicht von heute auf morgen.

Gerber:Auf jeden Fall. Es ist nicht einfach, aber auch wir sind ja nicht meilenweit davon entfernt. Uns fehlt am Ende einer Saison jeweils nicht viel, wir haben halt keinen Mäzen, der die Defizite deckt. Wenn man bei den ausserordentlichen Einnahmen wie Europacup und Spielerverkäufe gute Saisons hat, ist eine ausgeglichene Rechnung machbar.

Welches Ziel haben Sie in dieser Saison?Bickel:Rang 2.

Gerber: Unser erstes Ziel ist immer, die Liga zu halten. Das klingt langweilig, ich weiss, aber es ist so. Schaffen wir das, wäre es sinnlos, Rang 6 als Ziel zu nennen. Dann wollen wir wie letzte Saison den Europacup erreichen. Das ist nicht unrealistisch, aber es kann in dieser ausgeglichenen Liga in beide Richtungen schnell gehen.

Wo arbeiten Sie in fünf Jahren?Bickel: Bei YB. Aber ich bin kein Hellseher.

Gerber:Beim FC Thun. Ich weiss, Sie hätten jetzt gerne YB oder so gehört. Aber ich ticke anders als 90 Prozent der Menschen. Ich halte wenig von Mottos wie «Man darf nie zufrieden sein», «Es muss immer weiter gehen» und so weiter. Das ist für mich Quatsch. Ich fühle mich wohl bei Thun und darf mithelfen, diesen Klub weiterzuentwickeln. Ich halte mich an die Devise: Der Weg ist das Ziel. Und wenn ich in fünf Jahren bei Bayern München arbeite, ist das auch okay (lacht).

Wer ist der beste Sportchef in der Super League?Bickel: Andy Gerber! Das sage ich nicht nur, weil wir uns freundschaftlich verbunden sind. Er leistet grossartige Arbeit und ist auch vom Auftreten her immer eine positive Erscheinung.

Gerber:Die klassische Antwort wäre Fredy Bickel, weil er schon so lange dabei ist, viel erreicht und bewiesen hat und für die anderen eine Art Wegbereiter war. Er macht das gut. Aber es gibt auch andere gute Sportchefs, etwa Gege Heitz vom FCB. Doch man kann zum Beispiel die Arbeit von Heitz überhaupt nicht mit meiner vergleichen. Ich bin viel näher beim Team in der täglichen Arbeit, während Heitz in Basel bei einem deutlich grösseren Klub andere Aufgaben hat. Die Strukturen sind total verschieden. Was für mich klar ist: Klubs, die wie Zürich und Sion die Sportchefarbeiten von einem Präsidenten ausführen lassen, haben es schwerer.

Wie endet das Derby am Samstag?Bickel: 3:1.

Gerber: 1:3.

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