Als YB am Tiefpunkt angelangt war

Der frühere Berner Sportredaktor Peter Lerch erinnert sich an ein YB-Spiel im November 1999, das kaum jemanden ins Wankdorf lockte.

Der Rasen gefroren, die Tribünen schneebedeckt: Keine 2000 YB-Fans taten sich das Spiel gegen Carouge an.

Der Rasen gefroren, die Tribünen schneebedeckt: Keine 2000 YB-Fans taten sich das Spiel gegen Carouge an.

(Bild: Andreas Blatter)

Heute fällt es mir leicht, von den Ereignissen des 21. November 1999 zu schreiben. Damals wettete ich mit mir, dass dieser Sonntag für immer der Tiefpunkt in der YB-Geschichte gewesen sein musste. Bis jetzt bin ich dabei, die Wette zu gewinnen. Die Affiche im Wankdorf hiess YB gegen Etoile Carouge, das Duell zweier als Teilnehmer an der ­Abstiegsrunde NLB/1. Liga feststehender Teams.

Es ging um nichts mehr, aber die 3 Grad unter 0 und die Bise liessen alle 1761 Leute schlottern. In der ersten Halbzeit war so gut wie nichts los. Torschütze war Thierry Ebe von Carouge. Ich hörte keinen Fan, dafür jeden Ruf der Trainer. Ich fragte mich, ob dies der Ort war, wo ich 1986 den Meister hatte aufspielen sehen.

In der Pause nahm ich einen Augenschein. Das Wankdorf, das ich als Bub für das grösste, schönste und einzige Stadion ­gehalten hatte, erschreckte mich mit seinem Zustand. Das Merchandising fand auf einem etwa zwei Quadratmeter grossen Tisch statt. Die wenigen Fanartikel waren verstreut. Als Preisschilder dienten Fetzen, die jemand aus einer Kartonschachtel herausgerissen haben musste. Die Inspektion des Pissoirs war ein Fehler, denn sie verunmöglichte mir den gewohnten Bratwurstgenuss.

Die Schiedsrichterin hiess Mouidi-Petignat und verweigerte YB in der zweiten Halbzeit einen für mich unstrittigen Penalty. Die Spieler lehnten sich für ein paar Minuten gegen das Unrecht auf. Doch Schütze des zweiten und letzten Tores war abermals Ebe.

Meine Theorie des Tiefpunkts lässt sich erhärten. YB gewann in Wil das letzte Spiel 1999 4:0, wurde Erster der Abstiegsrunde (Absteiger: Carouge) und stieg 2001 auf. Und ist seither oben. Heute wohl ganz oben.

Berner Zeitung

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