Als der YB-Assistent im Kabinengang «Ja, bitte» stammelte

Adi Hütter und Christian Peintinger sprechen über die Helden ihrer Kindheit – und über die aktuelle Nationalmannschaft Österreichs.

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Fabian Ruch

Matthias Sindelar ist der Stéphane Chapuisat Österreichs. Mehrfach wurde Sindelar als bester Fussballer der Geschichte seines Landes ausgezeichnet. Der 1939 zu Beginn des 2. Weltkriegs im Alter von nur 35 Jahren unter mysteriösen Umständen verstorbene Ausnahmekönner verkörperte zu seiner Zeit Weltklasseniveau.

Adi Hütter und Christian Peintinger kennen die Geschichte Sindelars, aber sie nennen zwei andere Fussballer als Helden ihrer Jugend. «Krankl», sagt YB-Trainer Hütter sofort, während sein Assistent «Prohaska» als Vorbild nennt. Hütter, Jahrgang 1970, schwärmt von Hans Krankl, der bei Barcelona Titel gewann und Torschützenkönig wurde, der ­48-jährige Peintinger erzählt in höchsten Tönen von seinem­ ­früheren Mitspieler Herbert «Schneckerl» Prohaska.

Beide gehörten zur «goldenen Generation» Österreichs und überzeugten an der WM 1978 sowie an der WM 1982. Das «Wunder von Córdoba» (Österreich schlug Deutschland 1978 mit 3:2) und «die Schmach von Gijón» (Nichtangriffspakt 1982 zwischen Österreich und Deutschland, damit beide weiterkommen) kennt in Österreich jedes Kind.

Happels Ausstrahlung

Jahrzehntelang war Österreichs Fussball aber vor allem für zwei Trainerexporte bekannt. Max Merkel und Ernst Happel gehörten weltweit zu den besten ihrer Zunft, sie waren Kettenraucher, bärbeissig und «alte Schule», wie man sagt. Hütter nennt sie «unglaubliche Persönlichkeiten», vor allem Happel habe einen Raum sofort mit seiner Aura besetzt, sagt Peintinger. Hütter wiederum weiss nicht, ob Happel im heutigen Fussball funktionieren würde («dieses Urteil traue ich mir nicht zu»), sicher sei aber, dass er Generationen von Trainern inspiriert habe.

Assistenztrainer Peintinger sagt, er erinnere sich noch heute an eine Szene vor bald 30 Jahren, als sei es gestern gewesen. Nach einem Spiel gegen Happels Team sei er von einem Funktionär in einen schummrigen Kabinengang gelotst worden, dort sei plötzlich er, Ernst Happel, vor ihm gestanden und habe gesagt: «Zauberer, willst du nach Innsbruck kommen?» Er habe, sagt Peintinger, bloss leise «Ja, bitte» stammeln können.

Kollers tolle Arbeit

Nach der WM 1982 gelang Österreichs Nationalteam lange wenig, immerhin sorgten ab und zu Individualisten wie Andreas Herzog oder Toni Polster für Unterhaltung. «Heute haben wir aber eine Mannschaft, die wieder als goldene Generation zu bezeichnen ist», sagt Hütter, «mit David Alaba von den Bayern als Leader.» Die Auswahl habe sich in kurzer Zeit in der Fifa-Weltrangliste von Rang 60 auf Rang 10 gespielt und sei heute mit dem Schweizer Team zu vergleichen. «Aber natürlich erreichte die Schweiz in den letzten Jahren an Turnieren viel mehr», sagt Peintinger.

Zudem sei der Schweizer Fussball in Österreich ein Vorbild, ergänzt Hütter. «In der Trainerausbildung wurde uns von der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit und der Trainerphilosophie in der Schweiz vorgeschwärmt.»

Und mit Marcel Koller, den ­die heutigen Medienexperten Krankl und Prohaska anfänglich scharf kritisierten, sei ja ein Schweizer als Nationaltrainer für den Aufschwung mitverantwortlich. «Da hat sich nicht nur Prohaska für sein Fehlurteil entschuldigt», sagt Peintinger. Aber er habe in der Schweiz kürzlich gelesen, dass es hier auch Kritik am Umstand gebe, würden so wenig einheimische Trainer in der Super League arbeiten.

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