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Almen Abdi: Die Traumwoche des einst Schüchternen

Im Schatten des Meisterteams 2007 reifte Almen Abdi zu dem, was er heute ist: Nationalspieler und unverzichtbar für den FCZ vor dem 214. Stadtderby morgen Sonntag gegen die Grasshoppers.

Unbeirrt pflanzt er die roten Plastikmännchen um. Wieder und wieder nimmt er sie unter den Arm, steckt sie ein paar Meter weiter in den Rasen der Allmend Brunau. Läuft wieder an. Auf der andern Platzhälfte lässt das Gros der Mannschaft die Trainingseinheit locker ausklingen, entweder jonglierend oder mit wenig motivierten Schüssen aufs Tor.

Almen Abdi dagegen dreht Freistoss um Freistoss möglichst platziert an der statischen Mauer vorbei. Sucht vor dem Tor den Kopf von jemandem aus dem Offensivgrüppchen, das von Trainer Bernard Challandes zur Trainingsverlängerung zitiert worden war. Der Drill scheint nötig: Aus einem stehenden Ball hat der FCZ in dieser Saison noch kein Tor erzielt. Abdi ist zusammen mit Dusan Djuric der Mann der Freistösse und Eckbälle.

In der Hierarchie gestiegen

Ein Zufall ist das nicht: Abdi, der 21-jährige Mittelfeldspieler, ist in der Hierarchie rapide gestiegen - innerhalb eines Jahres vom stillen Mitläufer zur respektierten Teamstütze. Schüchtern und ruhig sei er gewesen, sagt Abdi rückblickend, was aus seiner Sicht für einen jungen Spieler aber völlig normal sei. «Jetzt bin ich selbstbewusster, offener, kommunikativer. Ich rede viel mehr auf dem Platz.» Seine Selbsteinschätzung ist, dass er während der Saison kaum unter Leistungsschwankungen gelitten habe. «Ich bin auch als Person gereift», sagt er.

Trainer Challandes registriert dies mit Wohlwollen. «Seine Entwicklung ist beeindruckend», sagt der Romand, der Abdi bereits in der U-21-Nationalmannschaft trainiert hatte. Und es fiel nicht nur den Verantwortlichen beim FCZ auf, wo Abdi längst unverzichtbar ist. «Er ist jung, intelligent und technisch gut», lobt Ottmar Hitzfeld und belohnte den gebürtigen Serben vor drei Tagen mit einem Aufgebot für das Spiel des Nationalteams am 20. August gegen Zypern. «Er hat sich dieses Aufgebot verdient und besitzt alle Anlagen, sich auch in der Nationalmannschaft durchzusetzen», sagt Challandes.

Seine Chance nach dem Aderlass

Kein Wunder, spricht Abdi von einer «Traumwoche», der nur noch ein Sieg im Derby morgen Sonntag gegen die Grasshoppers als Krönung fehle. Freude habe er verspürt, als er vom Aufgebot erfuhr, und grossen Stolz. Er sagt: «Das gibt mir die Bestätigung, dass sich der Aufwand gelohnt hat.» Er hatte gehofft, nominiert zu werden, schliesslich ist er nach 13 Partien mit der U-21 ein verdienter Spieler im Nachwuchsbereich. Als ihn Hitzfeld nun aber tatsächlich ein erstes Mal auch für das A-Nationalteam aufbot, erschrak er letztlich trotzdem.

Vor rund eineinhalb Jahren, der FCZ war auf dem Weg zum zweiten Meistertitel, schwärmten alle von Blerim Dzemaili, Gökhan Inler und Xavier Margairaz. Sie galten als Aufsteiger in einer jungen Mannschaft, als Hoffnungsträger für die Schweiz. Wohl trug auch Abdi seinen Teil zum Titelgewinn bei, er tat dies aber im Schatten der rechten Flanke, auf einer Position, die ihm weniger behagt als das Zentrum. In der folgenden Sommerpause verliessen Dzemaili, Inler und Margairaz den FCZ, und Abdi erkannte seine Chance. «Dass sie gegangen sind, hat mir gewiss geholfen. Ich konnte meine Stärken auf meiner Wunschposition zeigen.»

Die drei blieben ihm als Vorbilder: Auch Abdi will dereinst im Ausland spielen - im April äusserte sich Kumpel Dzemaili, er glaube, dass Abdi den FCZ noch im Sommer verlassen werde. Dass er tatsächlich Angebote erhalten habe, bestätigt Abdi. «Ich bin aber zur Überzeugung gekommen, dass ich beim FCZ momentan besser aufgehoben bin.» Etwas Druck vonseiten des Vereins war auch nötig, deutet er zumindest an. Nun geniesst Abdi innerhalb der Mannschaft eine Stellung, in der er Verantwortung übernehmen kann. Und will: «Daran kann ich weiterwachsen.»

Challandes’ Vorwürfe

Zumal auch seine sportliche Entwicklung längst noch nicht vollendet ist. «Er muss noch vermehrt den Abschluss suchen», sagt Challandes, erwähnt aber lobend, wie sich Abdi diesbezüglich gebessert hat, seit ihm dies der Trainer wieder und wieder vorbetet. «Ich habe ihm Vorwürfe gemacht», heisst das in der Sprache des Trainers, während sich der Spieler erinnert: «Er hat mich schon stark kritisiert, dass ich zu wenig in den Strafraum vordringe.» Seine neue Rolle im System des FCZ, das zwei «Sechser» und Abdi quasi als hängende Spitze vorsieht, zwingt ihn dazu, offensiver zu spielen. Im ersten Geisterspiel gegen Luzern schoss Abdi sein bisher einziges Saisontor.

Entwicklungspotenzial sieht auch Nationaltrainer Hitzfeld, vor allem «im körperlichen Bereich». Für einen jungen Spieler sei dies indessen völlig normal. Der Deutsche will sein Aufgebot als Lob verstanden haben, dass Abdi «auf dem richtigen Weg» sei. Speziell, ja fast allein wegen des Mittelfeldspielers habe er den FC Zürich in dieser Saison bereits einige Male beobachtet.

Wo ist sein Platz unter Hitzfeld?

Seine Polyvalenz, im Mittelfeld sowohl rechts, defensiv wie auch offensiv eingesetzt werden zu können, dürfte Abdi entgegenkommen, will er sich langfristig als Nationalspieler positionieren. Es ist davon auszugehen, dass Hitzfeld das System seines Vorgängers Köbi Kuhn mit zwei «Sechsern» beibehält und darum die Position entfiele, die Abdi derzeit beim FCZ innehat. «Er kann für Hitzfeld aber umso wertvoller werden, weil er ihn fast überall einsetzen kann», sagt Challandes. Und Abdi beteuert: «Natürlich spiele ich am liebsten im Zentrum, ich bin ein Spieler für die Offensive. Aber am Ende spiele ich, wo ich eingesetzt werde.»

Im Stadtderby morgen Sonntag gegen GC darf er davon ausgehen, dort aufzulaufen, wo es ihm am wohlsten ist. Er brennt darauf, nach den beiden Geisterspielen im Letzigrund wieder vor den eigenen Fans zu spielen - obwohl freilich GC Heimrecht geniesst. Abdi erwartet eine schwierige Aufgabe für seine Mannschaft, glaubt, dass «GC stärker ist als YB». Logisches Ziel sei es zu gewinnen - um vor GC zu bleiben.

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