Zwischen den Extremen

Wenn die Young Boys am Samstag bei Schlusslicht Luzern in die Rückrunde starten (17.45 Uhr, Swisspor-Arena), müssen sie vor allem einen Mann im Auge behalten: Marco Schneuwly.

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Mit den Prognosen ist es so eine Sache. Wenn jemand Marco Schneuwly im Frühling 2014 prophezeit hätte, er werde nach seinem Transfer von Thun zu Luzern weiter Tore am Laufmeter schiessen, aber auf dem Abstiegsplatz überwintern, hätte er wohl nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Genau dies tut er nun heute auch: «Damit hat niemand rechnen können, aber manchmal kommt es im Fussball ganz anders, als man denkt.»

Mit jedem Fehltritt brodelte es mehr im ohnehin unruhigen Umfeld. Die grundsätzlich erwartungsfrohen und begeisterungsfähigen Fans verschafften ihrer Enttäuschung Luft, die oft offensiv auftretende Lokalzeitung hielt sich eben so wenig zurück wie interne und externe Entscheidungsträger.

«Die Konkurrenz ist hier klein, im Fussball sowieso, und daneben hat es eigentlich nur noch den EV Zug. Wir haben schon gespürt, wie der FCL bewegt», resümiert Schneuwly.

Die Rekordwerte

Im Fokus des Zorns standen neben vielen Spielern Coach Carlos Bernegger und Sportchef Alex Frei, die seither durch Markus Babbel respektive Rolf Fringer ersetzt worden sind. Praktisch nie in der Kritik stand einzig Marco Schneuwly. Nicht erstaunlich, liess er sich doch in Meisterschaft, Cup und Europa-League-Qualifikation fünfzehn Tore und drei Assists notieren, so viele wie nie zuvor, und er spielte sich damit auch in den Notizblock von Vladimir Petkovic.

«Die Diskrepanz zwischen meiner Statistik und dem Teamerfolg ist krass», gibt Schneuwly zu. Ganz zufrieden ist er mit sich dennoch nicht: «Ich hätte noch einige Tore mehr erzielen können. Gegen Vaduz habe ich kurz vor Schluss die Latte getroffen, gegen Aarau einen Kopfball aus sechs Metern knapp übers Tor gesetzt. Wenn wir diese beiden Partien gewonnen hätten, würde es auch besser aussehen.»

Der Selbstkritik zum Trotz: Der Freiburger benötigte kaum Anlaufzeit. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er in seinen letzten beiden Spielzeiten in Thun den Löwenanteil seiner Tore jeweils in der Rückrunde erzielte, zehn von dreizehn respektive acht von zehn. Eine derartige prozentuale Steigerung wird ihm nicht mehr gelingen, aber «ich sage natürlich nicht Nein, wenn ich in der Rückrunde wieder acht- bis zehnmal treffe.»

«Mit dem Abstieg haben wir uns nicht gross befasst»

Wenn sich auch noch die Teamkollegen steigern, dürfte immerhin das Undenkbare kein Thema werden. Ein Abstieg ist angesichts der Substanz des Teams und der Schwäche einiger Kontrahenten kaum vorstellbar. «Mit dem Abstieg haben wir uns nicht gross befasst», sagt Schneuwly denn auch, «wir können mit allen Teams mithalten, wenn wir neunzig Minuten lang unsere Leistung abrufen.» Anfangen damit will Luzern schon gegen YB. Ein Sieg gegen die Berner hätte in mancherlei Hinsicht Signalwirkung.

Der FCL, einst als Heimmacht bekannt, hat in den bisherigen elf Spielen vor heimischem Anhang noch keinen Sieg gefeiert, neben sieben Unentschieden setzte es vier Niederlagen ab. «Wir wollen unbedingt zu Hause Partien gewinnen und den Fans damit etwas von dem zurückgeben, was wir in der Vorrunde verpatzt haben», gibt Schneuwly die Parole aus.

Aufgrund der Tabellenposition ist das Duell mit YB eigentlich keine Partie, die der FCL unbedingt gewinnen muss. Marco Schneuwly sieht dies aber anders: «Es gibt für uns nur noch solche Spiele, die wir gewinnen müssen.» Und Prognosen, das weiss der Stürmer spätestens seit der Vorrunde, taugen als Massstab schon gar nicht.

Berner Zeitung

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