Zur Derniere jubeln die anderen

Der FC Biel verliert sein letztes Heimspiel auf der Gurzelen gegen Lugano 0:2. Damit endet die Bieler Abschiedsvorstellung mit der Promotion Luganos.

Der Schlusspunkt nach 102 Jahren: Orlando Urbano (rechts) besiegelt mit dem 2:0 den Aufstieg Luganos und sorgt für ein bitteres Bieler Ende auf der Gurzelen.

Der Schlusspunkt nach 102 Jahren: Orlando Urbano (rechts) besiegelt mit dem 2:0 den Aufstieg Luganos und sorgt für ein bitteres Bieler Ende auf der Gurzelen. Bild: Andreas Blatter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Irgendwie passt das Ende zur gegenwärtigen Situation beim FC Biel. Als Schiedsrichter Sascha Amhof die Partie abpfeift, stürmt der zahlreich angereiste Lugano-Anhang den Rasen auf der Gurzelen. Für die Tessiner ist es ein Freudentag im Exil – dank des 2:0-Sieges kehren sie nach 13 Jahren Absenz in die Super League zurück.

Derweil bleibt den Einheimischen nur der Frust. Das gestrige Heimspiel war für den FC Biel das letzte auf der 102-jährigen Gurzelen. Der Klub zieht im Sommer in die neue Arena im Osten der Stadt. Ob er dies als Challenge-League-Verein tun kann, ist offen.

3516 Zuschauer

Am letzten Spieltag sind die Bieler auf fremde Hilfe angewiesen: Ihnen reicht in Schaffhausen aufgrund des besseren Torverhältnisses ein Unentschieden, wenn Wil gegen Lausanne verliert. Gewinnen aber die Ostschweizer, steigt Biel in die 1. Liga Promotion ab. Auch Minuten nach Spielbeginn strömten immer noch Zuschauer ins Stadion.

Vor dem Kassenhäuschen – es steht unter Denkmalschutz und wird dereinst in das neue Wohnquartier integriert, das in einigen Jahren anstelle der Gurzelen entstehen soll – hatten sich lange Schlangen gebildet. 3516 Zuschauer wollten sich den letzten Bieler Ernstkampf im alten Stadion ansehen; diese Zahl übertrifft den üblichen Publikumsaufmarsch bei FCB-Heimspielen um das Dreifache.

Belle Epoque

Bis auf der Gurzelen die Bagger auffahren, werden zwar noch Spiele der Bieler Junioren und der zweiten Mannschaft durchgeführt. Und auch das Eröffnungsturnier für das neue Stadion findet hier statt, weil der FC Biel dort einen Monat später als geplant einziehen kann. Dennoch war es am Montag für viele ein Abschiednehmen.

Schliesslich bot Biel landesweit eine der letzten Möglichkeiten, als Zuschauer Fussball so zu erleben, wie es früher einmal möglich war. Natürlich bröckelte der Beton schon lange – aber dieses Stadion strahlte eben auch den Charme der «Belle Epoque» aus. Denn seit sich der FC Biel 1960 mit YB vor über 10'000 Zuschauern um die Vormachtstellung im Schweizer Klubfussball duellierte, hat sich hier wenig verändert.

Ehrenrunde im Regen

Für die Stimmung bei der Derniere waren allerdings die Lugano-Fans zuständig. Sie sangen während neunzig Minuten, derweil Biels Anhang dieses letzte Heimspiel zu erdauern oder vielleicht auf seine Weise auch zu geniessen versuchte. So wie jener Vater, der mit dem Kinderwagen im Stadion umherlief und lächelnd erklärte, er wolle seinem Sohn noch etwas vom «Geist der Gurzelen» vermitteln.

Im Gegensatz zu den Luganesi hatten die Einheimischen freilich keinen Grund zum Jubeln. Als sich die Bieler Spieler nach dem Schlusspfiff mit einem grossen Transparent bei den Fans und der Gurzelen bedankten, war ihnen anzusehen, dass sie die Flucht in die Kabine der Ehrenrunde im Regen vorgezogen hätten.

Vorfreude für neues Stadion

Als der erste Frust verflogen ist,stellt sich Patrick Rahmen den Journalisten. «Auch für mich als Basler war es speziell, die letzten Minuten in diesem Stadion zu erleben», meint der Bieler Coach. Vor zwei Wochen wurde der ehemalige HSV-Assistent engagiert, um mit den Seeländern den Ligaerhalt zu schaffen. «Es ist noch nichts passiert. Wenn wir am Samstag in Schaffhausen gewinnen, haben wir gute Chancen, in der Challenge League zu bleiben», sagt Rahmen.

Derweil steht Steven Ukoh neben ihm im Kabinengang. Seit 2011 spielt die einstige YB-Hoffnung beim FC Biel, dennoch komme nun, nach der Derniere auf der Gurzelen, keine Wehmut auf. «So ist Fussball, alles entwickelt sich stetig weiter», sagt Ukoh. «Wir freuen uns jetzt auf das neue Stadion und werden alles daransetzen, dass wir dort als Challenge-League-Klub einziehen können.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.05.2015, 10:49 Uhr

Artikel zum Thema

Tissot Arena ist erst im Juli einsatzbereit

Biel Der Trainings- und Spielbetrieb in der Tissot Arena soll ab dem 24. Juli 2015 aufgenommen werden. Eine sukzessive Nutzung ist für die Bieler Stadtbehörden zu riskant. Mehr...

FC Biel: Mission Ligaerhalt

Der FC Biel blickt auf turbulente Wochen zurück. Am Samstag startet das Schlusslicht der Challenge League in die Rückrunde – mit dem neuen Stadion vor Augen. Mehr...

Der FC Biel auf Einkaufstour

Der FC Biel hat sich intensiv auf dem Transfermarkt betätigt. Gleich fünf neue Spieler hat der Seeländer Verein zu vermelden. Mehr...

Paid Post

Bis zu 20 Prozent Krankenkassenprämie sparen

Mit dem neuen Grundversicherungsmodell KPTwin.easy sparen Sie bis zu 20 Prozent Prämie und eine Menge Zeit.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Jedes Stäubchen muss weg: Jamie Kirschner und Tucker Yaro putzen den Schiffsbauch der Mayflower ll diese brachte die Pilger 1620 von Plymouth in England nach Massachusetts in den USA.
(Bild: Sean D. Elliot/The Day via AP) Mehr...