Zur Begrüssung das nette Gesicht

Unter den Augen des neuen Sportchefs Fredy Bickel spielen die Young Boys gegen Luzern erst effizient, dann abgeklärt und fahren einen befreienden 2:1-Sieg ein.

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Am Ende hatten sie Zeit, die Young Boys, viel Zeit. Doch allem Bemühen, den Ball in den eigenen Reihen und fern vom Gegner Luzern zu halten, zum Trotz – es gab noch einige heisse Szenen zu überstehen, ehe der 2:1-Sieg im Trockenen oder, an einem von A bis Z verregneten Abend, Realität geworden war. Erst war es der eingewechselte Pascal Doubai, der Goalie Marco Wölfli beinahe mit einem Ablenker aufs eigene Tor überlistete, dann zog Adrian Winter noch einmal alleine gegen das YB-Tor. Schliesslich pfiff Schiedsrichter Stephan Klossner zum letzten Mal an diesem Abend, und die Spieler beeilten sich, den nahe am Gefrierpunkt verharrenden Aussentemperaturen zu entkommen.

Die 16537 Zuschauer, die das Stade de Suisse nur zur Hälfte füllten, waren für ihren Mut, bei solch garstigen Bedingungen im Stadion zu erscheinen, von Beginn weg mit einer durchaus unterhaltsamen Darbietung belohnt worden. YB startete getreu seiner Auf-und-Ab-Konstanz nach zuletzt verpatztem Beginn in Lausanne wieder beschwingter in die Partie. Dennoch gerieten die Young Boys in Rückstand, als Mario Raimondi in der 16.Minute eine Freistossflanke Xavier Hochstrassers genau vor die Füsse des Luzerner Abwehrrecken Tomislav Puljic köpfelte. Dessen Schuss lenkte dann Scott Sutter unhaltbar ins Tor ab.

Wölflis Reflexe

Knapp fünf Minuten nach Puljics Treffer nutzte Alexander Farnerud die nasse, schnelle Unterlage und bezwang Luzerns Goalie David Zibung mit einem Schuss aus gut 25 Metern – trotz Aufsetzer schien er nicht ganz unhaltbar. Trotz der schnellen Reaktion war der FCL weiterhin ein unbequemer Gegner für die Berner. «In der ersten Halbzeit erlaubten wir uns hinten Unaufmerksamkeiten, es hätte zu diesem Zeitpunkt auch anders kommen können», sagte YB-Trainer Martin Rueda später. Etwa als Alain Wiss präzise Mass nahm und das zwischenzeitliche 1:1 nur dank Marco Wölflis starkem Reflex Bestand hatte.

Als dann das Witterungsprogramm mal wieder von Sprüh- auf Nieselregen gewechselt hatte und sich die meisten Anwesenden schon auf die Erwärmung versprechende Pause freuten, tauchte plötzlich Gonzalo Zarate im Luzerner Strafraum auf. Nach Sutters Flanke zog Michael Frey zwei Gegenspieler auf sich, der Argentinier war der lachende Dritte und hatte in der 46.Minute aus kaum 4 Metern keine Mühe, das 2:1 zu erzielen.

Rueda war auch noch nach der Partie froh um diesen Treffer, «wir traten nach der Pause viel sicherer auf», sagte der Coach zum mentalen Vorteil seines Teams. In der Tat hatte der Treffer kurz vor dem Pausenpfiff den Young Boys Schwung verliehen, den sie auch in den zweiten Durchgang mitzunehmen vermochten. Frey, der den gesperrten Raúl Bobadilla ansprechend vertrat, setzte seinen guten Versuch nur knapp übers Tor (60.), Zarate liess zehn Minuten danach frei stehend die Präzision beim Kopfball vermissen, und wiederum Freys Flachschuss parierte wenig später Zibung. Das 2:1 im Nachtragsspiel hat für YB befreiende Wirkung, «wir haben Charakter gezeigt», wie Mario Raimondi sagte. Der neue Sportchef Fredy Bickel bekam als Willkommensgruss das nette, erfolgreiche YB-Gesicht zu sehen.

Berner Zeitung

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