Yakin, der Unführbare

Der Coach bei den Grasshoppers wurde mit Lob überhäuft. Nun lässt der jüngste Machtkampf tief blicken.

Nicht mehr so unumstritten wie auch schon: GC-Trainer Murat Yakin.

Nicht mehr so unumstritten wie auch schon: GC-Trainer Murat Yakin. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Als er am Samstag, nach der Niederlage in St. Gallen, zum brodelnden Machtkampf bei den Grasshoppers befragt wird, sagt Murat Yakin: «Das ist nicht mein Teil. Ich konzentriere mich auf die Mannschaft, aufs Fussballspielen.»

So ist das mit Antworten. Sie müssen nicht immer stimmen. Denn Yakin ist das, was er nicht sein will: Teil eines Machtkampfes, der GC durchschüttelt. Zum einen ist er es, weil er eng verbunden ist mit denen, die für diesen Kampf stehen: Erich Vogel und Roland Klein, ewiger Einflüsterer und suspendierter Verwaltungsrat. Und zum anderen, weil er selbst ein Machtmensch ist und ein ausgeprägtes Gespür dafür besitzt, wie er an Einfluss gewinnen kann.

Im August wurde er bei GC noch so feurig begrüsst, als sei nur er fähig, dem Club zu altem Glanz zu verhelfen. «Seine Verpflichtung ist ein Signal, das unsere Ambitionen unterstreicht», sagte zum Beispiel CEO Manuel Huber. Und Präsident Stephan Anliker: «Was er auch noch mitbringt: Ruhe, Ausstrahlung und Souveränität.» Die NZZ stimmte in den Chor ein: «GC ist jetzt Yakin-Land.»


Video: So präsentierte sich Yakin als neuer GC-Trainer

Yakin über die Kontakte mit GC und seine Ambitionen. Video: TA


Sieben Monate und sieben Zuzüge später ist das Bild des Trainers angekratzt. «Wir sind mit unserem Projekt auf einem sehr, sehr guten Weg», hat er jüngst zwar selbst behauptet, «es fehlt nicht mehr viel, dass ich sagen kann, es sei meine Mannschaft.» Dann ist der Krach um Vogel und Klein publik geworden. Seither braucht es endgültig viel Fantasie, um GC auf einem guten Weg zu sehen.

Das Verhängnis nahm im Winter seinen Anfang, als die Mannschaft von Vogel, Klein und Yakin auseinandergerissen wurde – eine Mannschaft, die erst im Sommer von Sportchef Mathias Walther zusammengestellt worden war und im Herbst lange ganz ordentlich funktioniert hatte.

Sieben Spieler mussten gehen, sieben kamen, und es ist nicht mehr viel, das derzeit zusammenpasst. Vor allem ist es keine Mannschaft, die für Feuer und Leidenschaft steht, für Identifikation und Attraktion. Von den Neuen ist nicht einer besser als die Ausgemusterten. Zwei haben noch gar nicht gespielt, weil sie aus einer Verletzung kommen. Kurz, die Mannschaft spielt schlechter als vor dem Umbruch. Hauptsponsor Reinhard Fromm ist bei GC nicht der Einzige, der in dieser Entwicklung eine «Tragik» sieht. Er ist nur der Einzige, der öffentlich dazu steht.

«Fundamentale Einwände akzeptiert Yakin nicht. Er verlangt totale Unabhängigkeit.»Erich Vogel

Nach dem 1:2 in St. Gallen sagt Yakin, Spieler müssten eben Verantwortung übernehmen. Doch die Frage ist, ob er genau die Spieler gerne hat, die das tun. Er verfährt lieber nach dem Schema, sich einen oder zwei herauszugreifen, um sie zu demontieren und so Einfluss zu demonstrieren. In Luzern machte er selbst vor seinem Bruder Hakan nicht halt. In Basel war das bei Alex Frei der Fall.

Und bei GC stehen die Namen von Milan Vilotic und Runar Mar Sigurjonsson dafür. Vilotic ist als Captain abgesetzt worden und muss im Sommer gehen, Sigurjonsson ist inzwischen in St. Gallen. Im «St. Galler Tagblatt» hat der Isländer seinem Groll auf Yakin Luft verschafft. Unter anderem hat er gesagt: Seit Yakin Coach sei, geschehe bei GC Seltsames. Yakin wolle krampfhaft zeigen, dass er die Macht habe.

Jeder Vertrag ist auflösbar

Auf dem Campus ist die Erkenntnis gereift, dass Yakin als Trainer schwer zu führen ist. Das wäre die Aufgabe von Mathias Walther. Das Problem ist nur, dass Yakin den Eindruck vermittelt, er akzeptierte den Sportchef als Vorgesetzten nicht. Es ist nun nicht so, dass GC den Trainer trotz der Nähe zu Vogel und Klein gleich auch noch loswerden möchte. Der Club vertraut ihm weiter. Aber Yakin steht unter genauer Beobachtung. Er kann auch vergessen, dass der als Vizepräsident abgehalfterte Klein eine neue Aufgabe erhält. Diese Vorstellung ist ohnehin abstrus.

Yakin könnte eines machen: sich von Vogel und von Klein lösen. So könnte er wenigstens einen ganz kleinen Teil dazu beitragen, Ruhe in den Verein zu bringen. Dass er das macht, ist aber nicht zu erwarten. Er ist keiner, der sich gerne in ein Korsett zwängen lässt. Selbst sein grosser Fürsprecher Vogel hat im November gesagt: «Solange man ihn machen lässt, ist alles in Ordnung. Aber fundamentale Einwände akzeptiert er nicht. Er verlangt totale Unabhängigkeit.»

Anliker müsste Yakin beibringen, dass es nicht schaden könnte, vielleicht doch zum Wohl von GC umzudenken. Und sonst? Sonst ist noch jeder Vertrag auflösbar. Von beiden Seiten. Der von Yakin läuft bis 2019. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2018, 20:47 Uhr

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