YB-Trainingsauftakt: jünger, weicher, filigraner

Tabellenführer YB hat am Montag das Training wieder aufgenommen – mit einem neuen Mittelfeldspieler.

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Dominic Wuillemin

Dick eingepackt und gut getarnt bestreitet Aussenverteidiger Kevin Mbabu das erste Training des neuen Jahres. Sein Alleinstellungsmerkmal, die Rastas, hat er unter einer Mütze versteckt, das Gesicht im Stile eines Ninjas hinter einer Gesichtsmaske.

Es herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt, als die Young Boys am Montag die Arbeit wieder aufnehmen. Weil der Eisrink im Stade de Suisse fünf Tage nach dem Tatzenderby zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern nicht abgebaut ist, trainieren die Berner auf einem der beiden Kunstrasenfelder der grossen Allmend.

Sie tun dies ohne die langjährigen Mittelfeldspieler Sékou Sanogo und Leonardo Bertone, die den Club zum Jahresende hin in Richtung Saudiarabien (Jidda) respektive den USA (Cincinnati) verlassen haben. Dafür mit Gianluca Gaudino, der die Lücke, die im Zentrum entstanden ist, schliessen soll. Der schmächtige 22-Jährige absolvierte im Dezember ein einwöchiges Probetraining in Bern. «Er bestätigte dabei meine Einschätzung», sagt Sportchef Christoph Spycher, der Gaudino eine gute Technik und grosse Übersicht attestiert «Zudem zeigte sich, dass er menschlich zu uns passt.»

Wie Sow und Mbabu

Spycher sagt, er habe Gaudino schon 2017 beobachtet, als dieser bei St. Gallen unter Vertrag gestanden hatte, schliesslich habe man Djibril Sow den Vorzug gegeben. Der Sportchef vergleicht Gaudinos Verpflichtung mit jenen von Sow und Mbabu, deren Karriere ins Stocken geraten war, ehe sie in Bern durchstarteten. Seit Sommer war Gaudino vereinslos, er kostet dementsprechend keine Ablöse. Am Montag mussten letzte Details geklärt werden, am Dienstag dürfte das Geschäft finalisiert werden.

Der Sohn des deutschen Nationalspielers Maurizio Gaudino galt als grosses Talent, seit er vor gut vier Jahren bei Bayern München unter Startrainer Pep Guardiola 17-jährig debütiert hatte. Doch sein achter Bundesligaeinsatz im Mai 2015 war sein letzter, im Winter 2016 verliehen ihn die Münchner zu St. Gallen.

Nach 33 Partien in der Super League wechselte er im Sommer 2017 zu Chievo Verona, wo er in der letzten Saison nur 16 Minuten in der Serie A bestritt. Anders als bei den defensiv agierenden Italienern, die Jahr für Jahr gegen den Abstieg kämpfen, sind die Bedingungen bei den spielstarken Young Boys für Gaudino ideal, zurück in die Spur zu finden.

In der Hierarchie der Zentrumsspieler ist er die Nummer 4. Spycher sagt, man habe bewusst auf einen Eins-zu-eins-Ersatz für Sanogo verzichtet, weil man Sow, Sandro Lauper und Michel Aebischer mehr Vertrauen übertragen wolle. «Sie haben bewiesen, das sie über enormes Potenzial verfügen.» Für ihn ist die Planung im Mittelfeld abgeschlossen.

Benito bleibt – vorerst

Die Arbeit geht Spycher dennoch nicht aus. «Wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein», sagt der Sportchef. Das Ziel sei es, den Umbruch so sanft wie möglich zu vollziehen – also nicht zu viele Spieler auf einmal abzugeben. «Aber trifft ein Angebot ein, das unseren Erwartungen entspricht, werden wir handeln.» Mbabu, der zuletzt mehrmals seinen Wechselwunsch kundtat, meint, er werde nichts erzwingen. «Es muss schon der richtige Club sein. Dieser ist momentan nicht in Sicht.»

Nicht wechseln wird vorerst Christian Fassnacht, das gab sein Berater in den sozialen Medien bekannt. Auch Benito, der seinen 26. Geburtstag feiert, meint, er werde bis zum Vertragsende im Sommer bleiben. Danach möchte er aber einen Wechsel ins Ausland vollziehen, wie er sagt.

Am Dienstag trainiert YB erneut auf der Allmend, am Mittwoch fliegt der Meister ins zehntägige Trainingslager in die Türkei. «Dort wird es zum Glück wärmer sein», sagt Benito.

Berner Zeitung

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