YB und das ungeliebte M-Wort

Leise hat sich YB zuletzt als Herausforderer Basels etabliert. Mit einem Sieg im Mittwochspiel in Sitten soll der Druck auf den FCB erhöht werden.

Auf Erfolgskurs: Die Young Boys siegten seit der Winterpause dreimal in vier Partien und hatten viel Grund zum Jubeln.

Auf Erfolgskurs: Die Young Boys siegten seit der Winterpause dreimal in vier Partien und hatten viel Grund zum Jubeln.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Die Stimmung im YB-Car auf der Heimreise nach dem 2:1-Sieg in Luzern am Sonntagnachmittag war gut, am TV lief das Spitzenspiel zwischen den Grasshoppers und Basel. Als GC-Captain Vero-ljub Salatic in der letzten Minute einen Elfmeter verschossen habe, seien die Reaktionen geteilt gewesen, erzählt YB-Trainer Uli Forte. Die einen hätten es gerne gesehen, wenn Salatic zum 2:1 getroffen hätte.

Dann hätten die Berner mit einem Erfolg im vorgezogenen Spiel heute in Sitten temporär auf Rang 1 hüpfen können. Die anderen waren zufrieden mit der Punkteteilung. Dadurch wurden zwei Rivalen zurückgebunden. Zur zweiten Fraktion gehört Forte. Er sagt: «Durch das 1:1 verloren beide Teams zwei Zähler.» Auf die Tabelle schaue er aber nicht gross. «Wir wollen gut trainieren und spielen. Dann klettern wir automatisch nach oben.»

Publikum zurückhaltend

YB hat sich leise und im Schatten der Olympischen Winterspiele in eine ansprechende Ausgangslage geschoben. Trotz der unglücklichen 2:3-Niederlage vor zweieinhalb Wochen in Basel. Drei Punkte nur beträgt der Rückstand auf den keineswegs unwiderstehlich wirkenden FCB. Bloss: In Bern wird der gelb-schwarze Erfolgskurs zurückhaltend aufgenommen. «Es ist wichtig, dass wir die Zuschauer begeistern», sagt Forte, «es sollen wieder mehr Leute ins Stade de Suisse kommen.» Zuletzt, gegen Thun (2:1) und Lausanne (5:3), war die Ambiance eher frostig und die Arena halb leer. Es scheint, als ob sich die Young Boys verloren gegangenen Kredit beim Publikum mühsam wieder erarbeiten müssen.

Als Meisterkandidat sehen sich die Berner übrigens überhaupt nicht, das M-Wort hört man im Betrieb nicht gerne. Von Coach Forte («Basel ist klarer Favorit») über Sportchef Fredy Bickel («der FCB ist uns noch weit voraus») bis zu den Spielern wie Moreno Costanzo («wir nehmen Spiel für Spiel und denken nicht an Rang 1») äussern sich die Protagonisten zurückhaltend. Selbst der Japaner Yuya Kubo hat die Klubdoktrin verstanden und bezeichnet den FCB als bestes Team der Schweiz. Man kann die Berner Einstellung langweilig finden. Oder realistisch. Aus Erfahrung und Schaden jedenfalls ist YB klug geworden – grossspurige Töne sind keine zu vernehmen.

Dabei sieht es für YB ganz gut aus, während Luzern und St.Gallen nach starker Vorrunde den Anschluss in der Tabelle zuletzt verloren. Und mit einem Sieg heute Abend in Sitten dürften die Young Boys zumindest als Herausforderer des FC Basel ernst genommen werden.

Berner Zeitung

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