YB ist Basel ist YB

Die Young Boys sind in der Super League dominant wie vor ihnen jahrelang der FCB. 16 Punkte Vorsprung nach 15 Runden und das 7:1 im ersten Saisonduell bezeugen das.

Obenauf: Nicolas Moumi Ngamaleu beim 1:1 in Basel vor einem Jahr.

Obenauf: Nicolas Moumi Ngamaleu beim 1:1 in Basel vor einem Jahr.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Beginnen wir mit einer Spielerei – und mit einer ketzerischen Frage: Welcher Spieler aus dem Kader des FC Basel wäre bei YB unbestrittener Stammspieler?

Antwort: keiner! Der FCB besitzt gute Individualisten, keine Frage. Aber Mittelstürmer Albian Ajeti ist nicht treffsicherer als Guillaume Hoarau (und wohl noch nicht einmal als Jean-Pierre Nsame). Goalie Jonas Omlin ist stark – aber kein Upgrade zu David von Ballmoos. Basels Königstransfer Silvan Widmer ist ein sehr begabter Rechtsverteidiger, doch niemand würde behaupten, er sei besser als der spektakuläre Kevin Mbabu. So zieht sich das durchs ganze Team. Luca Zuffi und Fabian Frei sind im zentralen Mittelfeld weniger stilprägend als die YB-Aufsteiger Djibril Sow und Sandro Lauper, zudem haben sie ihre beste Zeit eher hinter sich. Sékou Sanogo ist mittlerweile der klar einflussreichere Aggressivleader als Geoffrey Serey Die.

Und wer würde die Flügel Miralem Sulejmani und Christian Fassnacht mit Valentin Stocker und Kevin Bua tauschen wollen? Wer Nicolas Ngamaleu als Joker mit Dimitri Oberlin? Steve von Bergen ist der bessere, erfahrenere und weniger fehleranfällige Abwehrchef als Marek Suchy. YB hat auch: stärkere Ausländer, grössere Talente, mehr Breite als der FCB. Und mittlerweile mehr Schweizer Nationalspieler.

YB seit 2012 sieglos in Basel

Jahrelang war das anders gewesen. Vor allem während der Basler Hochphase mit acht Meistertiteln zwischen 2010 und 2017. All die Yann Sommers und Mohamed Salahs, Xherdan Shaqiris und Granit Xhakas, Benjamin Huggels und Matias Delgados, Breel Embolos und Marco Strellers und Alex Freis und Valentin Stockers (der alte FCB-Stocker, der YB so oft wehtat) – sie dominierten die Liga und wechselten fast alle für bemerkenswerte Ablösesummen in Topligen. Und noch vor 12 Monaten hätte man die Basler Tomas Vaclik, Manuel Akanji, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi als YB-Stammkräfte bezeichnet. Sie alle sind nun im Ausland. Und beim FCB hat es erheblich weniger Fussballer mit Entwicklungspotenzial. Obwohl das Basler Team immer noch viel teurer ist.

YB ist Basel. Und Basel ist YB. Das betrifft fast alle Ebenen. Die Transferpolitik der Young Boys ist ausgezeichnet. Wie einst jene Basels unter Sportdirektor Georg Heitz. Die Ruhe rund ums Stade de Suisse ist bemerkenswert. Wie einst jene Basels unter Präsident Bernhard Heusler. Das hängt sehr stark mit Christoph Spycher zusammen, der den Sportchefvergleich mit Marco Streller ungefährdet gewinnt.

YB ist heute ein prächtig geführter Verein mit bester Stimmung. Wie früher Basel. Und Basel ist heute ein unruhiger Club. Wie früher YB. Adi Hütter war letzte Saison der bessere Trainer als Jungcoach Raphael Wicky. Und Jungcoach Gerardo Seoane ist der erfolgreichere Trainer als der hochdekorierte Marcel Koller. Seoane passt perfekt zur Philosophie seines Arbeitgebers, auf junge, im besten Fall einheimische Fussballer zu setzen. Diesen Ansatz verfolgt seit Sommer 2017 auch Basel. Zumindest bis zu Kollers Installierung.

Im St.-Jakob-Park allerdings gewinnt YB sehr selten. Zuletzt 2:1 vor sechseinhalb Jahren, als der FCB am letzten Spieltag seit Wochen als Meister feststand. Oft waren die Gipfeltreffen in Basel zwischen FCB und YB in den letzten Jahren eng, mehrmals haderte der Gast mit Entscheidungen der Spielleiter. Der Schiedsrichterbonus, heisst es in der Liga, ist mittlerweile von Basel nach Bern gewechselt.

Loris Benito hat nur mit dem FCZ im St.-Jakob-Park gewonnen. Der Defensivspieler sagt: «Wir waren mit YB mehrmals nahe dran an einem Sieg.» Wie vor ziemlich genau einem Jahr, als YB ein wertvolles 1:1 im noch engen Titelkampf gelang, nachdem Nsame mit der Hacke den herrlichen Ausgleich erzielt hatte. «Ich habe gute Erinnerungen an Spiele in Basel», sagt deshalb Goalie von Ballmoos. Er ist ungeschlagen gegen den FCB, beim 1:5 Ende letzter Saison (als übrigens bei YB nach ausgedehnten Meisterfeierlichkeiten die Spannkraft weg war) fehlte er verletzt.

Favorit beim Wettanbieter

Die Jungen bei YB kennen die Ehrfurcht vor Basel ohnehin nur vom Hörensagen, wobei von Ballmoos anmerkt: «Wir haben viel Respekt.» So will das Trainer Seoane. Er hat angesichts des gigantischen Vorsprungs keinen Motivationsabfall bei seiner Belegschaft registriert, auch nicht beim müden 1:0 zuletzt gegen Lugano. Aber trotz veränderter Ausgangslage will sich vor dem Duell am Sonntag keiner bei YB zum Favoriten ausrufen. «Es ist immer noch Basel», sagt Benito. «Die wollen sich nach dem 1:7 in Bern revanchieren», sagt von Ballmoos. Und Seoane sagt: «Die Favoritenrolle bestimme nicht ich. Das überlasse ich den Wettbüros.» Also: Beim Branchenführer Bet365 lässt sich mit YB weniger verdienen als mit dem FCB (Quote 2,3 zu 2,9). So weit ist es schon gekommen.

YB muss jedoch wenige Tage nach dem bitteren 0:1 bei Manchester United beim FCB antreten. Das kann ein Nachteil sein. Wobei: Wenige Tage nach dem bitteren 0:3 gegen Manchester United siegte der Meister im September in Bern 7:1 gegen Basel.

Mögliche YB-Aufstellung: von Ballmoos; Mbabu, Camara, Lauper, Benito; Ngamaleu, Sow, Sanogo, Fassnacht; Assalé, Nsame. – Verletzt: Wüthrich, Lotomba. – Stark fraglich: von Bergen, Hoarau (Fuss verstaucht).

Berner Zeitung

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