YB im Angriffsmodus

Seit fünf Monaten ist Adi Hütter Trainer bei YB. Vor dem Rückrundenstart am Samstag gegen GC im Stade de Suisse (20 Uhr) spricht der ambitionierte Österreicher von einer Standortbestimmung.

Faust hoch: Adi Hütter freut sich Anfang Oktober über den überzeugenden 3:1-Sieg gegen GC. In der Rückrunde sollen weitere solche schwungvolle Auftritte folgen.

Faust hoch: Adi Hütter freut sich Anfang Oktober über den überzeugenden 3:1-Sieg gegen GC. In der Rückrunde sollen weitere solche schwungvolle Auftritte folgen.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Emotional und ausgelassen fiel der Jubel bei YB aus, als die Grass­hoppers das letzte Mal in Bern gastierten. Unter dem neuen Trainer Adi Hütter hatte es zuvor seine ersten vier Partien allesamt gewonnen und gegen Vaduz und Basel teils begeisternden Fussball gezeigt. Und dann betrieben die YB-Spieler gegen den Tabellenzweiten aus Zürich erneut beste Werbung für ihren neuen Stil.

Weil sie selbst weit in der Nachspielzeit und trotz 2:1-Führung noch entschlossen die Offensive suchten. Und weil schliesslich Renato Steffen seine vorzügliche Vorstellung mit der letzten Aktion der Partie mit dem Tor zum 3:1 krönte. Als sich die Zuschauer an diesem lauwarmen Sonntagnachmittag Anfang Oktober auf den Nachhauseweg begaben, war hier und da eine Euphorie auszumachen.

Wohlfühlen in Bern

Die Heiterkeit dieser Tage ist verflogen. Die Personalie Steffen ist ein Indiz dafür, der Offensivakteur spielt nun beim mit 15 Punkten enteilten Leader Basel – die Tabellenlage ist noch so ein Indiz. Die Gegner stellten sich nach der Siegesserie zum Start besser auf Pressing und Tempofussball Hütters ein, gerade gegen Teams, die sich weit zurückzogen und die nicht bestrebt waren, das Spiel an sich zu reissen, kamen die Gelb-Schwarzen jeweils nicht in Schwung. Im November resultierte nur ein Sieg, im Dezember verabschiedeten sie sich beim 1:3 in Luzern mit einer enttäuschend leblosen Darbietung in die Winterpause. «Ich erwarte, dass wir nun variabler sind. Dass wir einen Plan haben, wenn der Gegner passiv agiert», sagt Adi Hütter.

Der österreichische Trainer sitzt am Freitagmittag in den Katakomben des Stade de Suisse, das zweitletzte Training vor dem heutigen Heimspiel zum Rückrundenstart gegen GC (20 Uhr) ist zu Ende. Hütter wirkt zufrieden – und entspannter als in seinen ersten Tagen und Wochen in Bern. Er kennt den Klub, sein Umfeld und die Spieler nun, er sagt, er fühle sich in Bern wahnsinnig wohl und schwärmt vom Blick auf die Altstadt, wenn er von seiner Wohnung in Muri über den Aargauerstalden zum Training fährt. Frau und Tochter sind in Salzburg geblieben, Hütter findet, es wäre unklug, die Tochter, die vor der Matura steht, aus ihrer Umgebung zu reissen. «Manchmal muss man Abstriche machen», sagt er. Für ihn ist das Thema damit erledigt.

Schlüsselspiel gegen GC

Der 45-Jährige, der in ein paar Tagen seinen Geburtstag feiert, geht konsequent und unbeirrt seinen Weg. Er findet, die Partie gegen GC sei eine Standortbestimmung.

In der vierwöchigen Wintervorbereitung hatte er erstmals seit seinem Amtsantritt Anfang September ausgiebig Zeit, seine Ideen zu vermitteln. Zudem stehen ihm nun fast alle Akteure zur Verfügung, die Langzeitverletzten Steve von Bergen und Guillaume Hoarau können seit Anfang Jahr wieder mittun. Hütter bezeichnet die beiden als Schlüsselspieler.

Zweifel, ob der Franzose der geeignete Stürmer für das aggressive Spiel gegen den Ball sei, schiebt er mit dem Verweis auf die Zeit bei Red Bull Salzburg beiseite. Seine damaligen Angreifer Jonathan Soriano und Alan seien auch keine Pressinghaie gewesen, sagt er. Hoarau kann etwaige Diskussionen gegen die Grasshoppers im Keim ersticken, er wird an der Seite von Alexander Gerndt im 4-4-2-System agieren.

Adi Hütter scheut sich nicht davor, der heutigen Partie Gewicht zu verleihen. Ein Schlüsselspiel sei es, dafür genüge der Blick auf die Tabelle, in der die Zürcher fünf Punkte vor YB liegen. «Wir wollen den zweiten Platz angreifen», sagt er. Anders als im Oktober vermag ein Erfolg gegen die Grasshoppers diesmal keine Euphorie zu entfachen. Zuversicht spenden würde er aber allemal.

Berner Zeitung

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