YB: Symbiose an der Seitenlinie

YB-Sportchef Fredy Bickel hält Harald Gämperle für den Besten seines Fachs. Der Assistenztrainer sagt, er könne einen Cheftrainer rasch einschätzen. Vor dem Heimspiel gegen den FCZ (So., 16 Uhr, im Liveticker), bildet er mit Uli Forte ein harmonisches Duo.

Gleiche Haltung: Harald Gämperle (links) und Uli Forte reden Klartext, auch untereinander.

Gleiche Haltung: Harald Gämperle (links) und Uli Forte reden Klartext, auch untereinander.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Harald Gämperle lächelt verlegen, als er gebeten wird, die Aussage zu kommentieren. Der beste Assistenztrainer der Schweiz sei er, sagte YB-Sportchef Fredy Bickel einmal. «Das kann ich nicht beurteilen», beteuert Gämperle, ehe er aber doch unaufgefordert auf seine Vorzüge zu sprechen kommt. Er könne einen Cheftrainer sehr rasch lesen, «was ist seine Philosophie, was mag er, was nicht. Und dann setzte ich es um.» Aber, und das ist dem 46-Jährigen wichtig, er sage auch deutlich, was er denke. «Ich nicke nicht alles durch.»

Seit nun bald 15 Jahren steht Gämperle im zweiten Glied, erst bei YB hinter Marco Schällibaum (2000–2003), später in Zürich und Berlin, wo er Lucien Favre assistierte, ehe er zum FCZ zurückkehrte. In der Öffentlichkeit fand Gämperle in all den Jahren kaum statt, gewürdigt wurde meist die Arbeit seiner Chefs.

Nur einmal preschte Gämperle vor. Als Favre in Berlin vor der Entlassung gestanden hatte, kritisierte er die Spieler öffentlich scharf. Die deutschen Medien nahmen den Steilpass dankend auf. In der Sache, findet der Ostschweizer, habe er richtig gehandelt. Über die Art und Weise lasse sich aber diskutieren. «Vielleicht war ich zu solidarisch mit Favre.» Jedenfalls kam es nur wenige Tage nach dessen Freistellung zum Bruch mit dem sensiblen Romand.

Kein Good Guy, kein Bad Guy

Favre, einst filigrane Nummer 10, und Gämperle, ein rustikaler Aussenverteidiger, so unterschiedlich sie als Spieler waren, so verschieden sind sie als Menschen. Dennoch arbeiteten die beiden jahrelang erfolgreich zusammen. «Mit mir lässt es sich aushalten», findet Gämperle. Dennoch, die Art und Weise, wie der Ostschweizer vor 2 Jahren nach Bern zurückkehrte, schien ein gewisses Konfliktpotenzial zu bergen. Gämperle war verpflichtet worden, bevor ein neuer Trainer festgestanden hatte.

Es sei zwar schon eine besondere Konstellation gewesen, sagt Gämperle rückblickend, eine Brisanz mag er darin aber nicht erkennen. Zumal er Uli Forte, der knapp einen Monat später bei YB vorgestellt wurde, aus seiner ersten Zeit beim FCZ kannte. Forte coachte damals Red Star, der Zweitligist trainiert auf derselben Sportanlage.

«Jeder kennt seine Rolle, wir befinden uns im ständigen Austausch», beschreibt Gämperle die Zusammenarbeit mit dem um 6 Jahre jüngeren Zürcher, dem er einen sehr guten Draht zur Mannschaft attestiert. Dass Forte den Good Guy und er den Bad Guy gebe, will Gämperle aber nicht so verstanden haben. Der Ruf des harten Hundes komme womöglich von früher her. «Heutzutage erreicht man die Spieler anders. Natürlich muss man fordernd sein. Ich sage meine Meinung, gehe aber nie unter die Gürtellinie.»

Ambitionen ja, Absichten nein

Gerade bei der Mentalität erkennt Gämperle aber noch Steigerungspotenzial. Er findet, es fehle zuweilen noch an der letzten Entschlossenheit. Wenn Spieler nach dem 1:1 in Aarau sagen, nun könne man den Punktgewinn gegen Zürich vergolden, bereitet das ihm Mühe. «Gegen kleinere Teams haben wir schlicht zu viele Punkte liegen gelassen.» Die offensive Spielweise des FC Zürich, der am Sonntag im Stade de Suisse (16 Uhr, im Liveticker auf www.bernerzeitung.ch) gastiert, behage YB dagegen wieder mehr.

Grundsätzlich stimmt Harald Gämperle die Entwicklung der letzten zwei Jahren aber positiv. Mit einem Titelgewinn mit den Gelb-Schwarzen würde sich für ihn, der in Bern seine Trainerkarriere lanciert hatte, der Kreis schliessen. Dereinst will er selbst ins erste Glied rücken, im Sommer wird er die Uefa-Pro-Lizenz erhalten, die ihm einen Job als Cheftrainer ermöglichte. «Aber», stellt Gämperle klar, «ich bin gerne hier, ich bin gerne Assistent.»

Berner Zeitung

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