Wyler schafft den Aufstieg

Wyler gewinnt das Rückspiel der Aufstiegsbarrage gegen Bosporus mit 1:0 und schafft dank der Auswärtstorregel die Promotion in die regionale 2. Liga.

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Wäre er Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar – die Leute würden sagen, es habe früher oder später so kommen müssen. Denn schliesslich zeigt sich die Qualität der drei Weltklassespieler nicht selten in den wichtigen Momenten.

Und es ist meist irrelevant, wenn sie im bisherigen Verlauf einer Partie unauffällig geblieben waren. Wenn es zählt, sind sie zur Stelle und geben dem Spiel eine entscheidende Wendung. Rui Manuel Da Silva vom FC Wyler brillierte am Samstag ganz im Stil der obgenannten Ausnahmekönner.

Geduldig bleiben

Es läuft die 83. Minute des Rückspiels der Aufstiegsbarrage zwischen Wyler und dem FC Bosporus. Sieben Minuten bleiben dem Heimteam, um die 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel wettzumachen. Wobei aufgrund der Auswärtstorregel bereits ein Tor alles auf den Kopf stellen, Wyler auf Kosten Bosporus’ doch noch die angestrebte Promotion in die regionale 2. Liga realisieren würde.

Dann kommt Da Silvas Ronaldo-Moment, oder besser Neymar-Messi-Moment. Denn mit seiner filigranen, schlitzohrigen Technik erinnert er eher an den Brasilianer und den Argentinier als an den wuchtigen Portugiesen.

Da Silva schnappt sich nach einem Bosporus-Ballverlust in der Vorwärtsbewegung den Ball, dribbelt die Strafraumgrenze entlang, sucht die Lücke in der vielbeinigen Abwehr der Gäste und schlenzt den Ball schliesslich gefühlvoll in die linke untere Torecke zum umjubelten 1:0.

Der 22-Jährige ist ein Aktivposten im Angriff des FCW, bei jeder Offensivaktion hat der Flügel seine Füsse im Spiel. Mehrmals sucht er den Abschluss, doch entweder fehlt es seinen Schüssen an Präzision oder Batuhan Ergül im Bosporus-Tor ist zur Stelle. «Ich musste geduldig bleiben, habe es einfach weiter probiert, irgendwann musste einer reingehen», sagt Da Silva.

Der Kunstschuss des Portugiesen sollte zum einzigen, entscheidenden, aufstiegbringenden Treffer führen, denn zwar versuchte Bosporus zu reagieren, schlug immer wieder lange Bälle in den Wyler-Strafraum und feuerte einige Verzweiflungsschüsse in Richtung Tor, gefährlich wurde es vor Yoël Tschan indes nicht mehr.

«In der zweiten Halbzeit agierten wir zu passiv», sagt Bosporus-Innenverteidiger David Schmid. Einen Vorwurf will er sich und seinen Teamkollegen indes nicht machen. «Beide Spiele waren sehr ausgeglichen, die Ausgangslage war 50 zu 50.»

Obwohl der Aufstieg für Bosporus nicht Priorität hatte, war die Enttäuschung in der Mannschaft spürbar. Als sich die Bern-Türken in der starken, äusserst ausgeglichenen Gruppe 3 gegen Goldstern, Länggasse und Weissenstein durchgesetzt hatten, fassten sie nämlich die Promotion ins Auge. «Am Ende war es halt 51 zu 49 zu unseren Ungunsten», sagt Schmid.

Berisha spielt nicht mehr

Nach 17 Jahren ist der FC Wyler also zurück in der 2. Liga. Trainer Johan Berisha ist überzeugt, dass seine Mannschaft sich im Mittelfeld wird etablieren können. «Das muss unsere Ambition sein.» Da Silva erinnert daran, dass im Cup schon einige Zweitligisten gegen Wyler das Nachsehen hatten, zuletzt Spiez, und im Final in einer Woche wartet mit dem FC Biel das Team, das heuer souverän den Aufstieg in die interregionale 2. Liga realisiert hat.

Bereits jetzt ist klar, dass Berisha nicht mehr auf, sondern ausschliesslich neben dem Feld versuchen wird, Einfluss zu nehmen. Vor kurzem zog er sich in einer Partie einen Bandscheibenvorfall zu, was ihn dazu zwang, die Aufstiegsspiele von der Seitenlinie aus zu verfolgen.

Nun hat Berisha entschieden, die Fussballschuhe definitiv an den Nagel zu hängen. «Der beste Doktor ist der eigene Körper, und der sagt mir, dass ich aufhören soll», sagt der ehemalige YB-Akteur.

Im Kopf sei er 25-jährig und nach wie vor mit dem Fussballvirus infiziert, der beinahe 38-jährige Körper sage aber «Njet, fertig.»

Wenig später kann er sich der Bier- und Champagnerdusche seiner Spieler nicht entziehen, und sein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck «Mission erfüllt: Aufstieg» wird völlig durchnässt. Rui Manuel Da Silva zückt sein Handy und knipst ein Foto.

Wäre er Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar – nur Sekunden später wüssten davon Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Im Sportpark Wyler bleibt es ein Schnappschuss eines ganz speziellen Glücksmoments. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.06.2017, 10:57 Uhr

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