Warten auf die Krönung

Der Ärger über das blamable Cup-Aus gegen Le Mont ist bei Alain Rochat noch präsent. Vor dem Heimspiel heute Samstag gegen Lausanne (19.45 Uhr) richtet der YB-Rückkehrer den Blick aber nach vorne.

Rückkehr des Rückkehrers: Alain Rochat setzt sich beim Fototermin auf die Tribüne des Neufelds. Im altehrwürdigen Stadion lancierte der Romand von 2002 bis 2005 seine Karriere.

Rückkehr des Rückkehrers: Alain Rochat setzt sich beim Fototermin auf die Tribüne des Neufelds. Im altehrwürdigen Stadion lancierte der Romand von 2002 bis 2005 seine Karriere.

(Bild: Urs Baumann)

Dominic Wuillemin

Das Neufeld war Alain Rochat nicht mehr gross genug. Im Sommer 2005, nachdem er sich bei YB in über drei Jahren vom vielversprechenden Talent zum unverzichtbaren Wert gemausert hatte, machte der Romand den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Bei Rennes im Nordwesten Frankreichs wollte er weiter wachsen. Wie Alex Frei, sein ehemaliger Teamkollege in der Schweizer U-21-Nationalmannschaft, der damals beim Klub aus der Ligue 1 gerade Torschützenkönig geworden war und so das Interesse europäischer Topklubs auf sich zog.

Auch die Young Boys beabsichtigten damals, den nächsten Schritt zu machen. Der Umzug ins Stade de Suisse stand bevor, das neue Stadion sollte das fehlende Puzzlestück zum lang ersehnten Titelgewinn werden. «In meiner ersten Zeit bei YB stiegen die Ambitionen stetig. Und als ich ging, habe ich gespürt, der Verein ist bereit für etwas Grosses», sagt Rochat.

Nun, über acht Jahre später, steht der 30-Jährige beim Fototermin wieder auf dem Neufeld. Die Erwartungen von damals sollten sowohl für den Verein wie auch für den vielseitig einsetzbaren Linksfuss nicht in Erfüllung gehen. YB war nahe dran am grossen Coup, verlor aber je zweimal in der Finalissima und im Cupfinal. Rochat, der mit 22 Jahren in der Nationalelf debütiert, aber seither kein Länderspiel mehr bestritten hatte, vermochte sich in einer der grossen Ligen Europas nicht durchzusetzen. Auf Rennes folgten drei Saisons mit zwei Meistertiteln beim FC Zürich, zweieinhalb Jahre bei den Vancouver Whitecaps und zuletzt, vor seinem Wechsel zu den Gelb-Schwarzen, ein einmonatiges Intermezzo in Washington. Rochat sei der Welsche, der es mit etwas mehr Biss noch weitergebracht hätte, sagte YB-Sportchef Fredy Bickel vor geraumer Zeit der «Schweiz am Sonntag» über seinen Schützling, den er als 17-Jährigen entdeckt hatte. Eine Erkenntnis, welcher der schweizerisch-kanadische Doppelbürger nicht widersprechen mag. «Vielleicht stimmt es schon. Aber es ist auch eine meiner Qualitäten, dass ich mich nicht verkrampfe und auf dem Platz nie die Ruhe verliere.»

«Inakzeptable» Niederlage

Ruhe strahlt Rochat auch im Gespräch im Stadionrestaurant Eleven aus. Der Ärger und Frust über die peinliche 1:4-Niederlage vor zwei Wochen im Cup bei Le Mont ist zwar noch präsent, drückt sich aber nicht in der Tonlage oder Lautstärke seiner Äusserungen aus, sondern in der Wortwahl. Inakzeptabel seien die Ereignisse, sagt er beispielsweise. Aber nun gelte es nach vorne zu schauen. «Jetzt wissen wir, wie es sich am Tiefpunkt anfühlt. Das wollen wir nicht noch mal erleben.» Rochat ist froh, nimmt die Meisterschaft nach der Länderspielpause wieder den Betrieb auf. So konnte er in den letzten Tagen den Fokus auf die heutige Partie gegen Lausanne richten. Und er erinnert, so als wäre es nach dem Cup-Out gegen Le Mont in Vergessenheit geraten, daran: «In der Super League sind wir voll dabei.»

Drei der vier letzten Vorrundenspiele können die Young Boys zu Hause austragen. Ausser den Langzeitverletzten Pascal Doubai, Josh Simpson und Marco Bürki stehen alle zuletzt verletzten Akteure wieder zur Verfügung. «Wir müssen nun an der Tabellenspitze dranbleiben. Dann steht uns eine gute Rückrunde bevor», sagt Rochat, der heute für den gesperrten Dusan Veskovac in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen dürfte.

Für den vierfachen Familienvater, der in Grandson bei Yverdon wohnt, dort, wo er einst aufgewachsen ist, schloss sich im Sommer mit der Rückkehr nach Bern der Kreis. Das Warten bei YB auf den lang ersehnten Titel dauert noch immer an. Dem ein Ende zu bereiten, wäre die Krönung von Rochats Karriere.

Berner Zeitung

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