Uli Forte: «Das Team hat sehr gut reagiert»

In den vergangenen zehn Tagen haben die Young Boys in Belek den Grundstein für ein erneut anforderungsreiches Fussballjahr gelegt. Trainer Uli Forte nahm sich Zeit für ein Interview.

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Das 2:4 gegen Greuther Fürth im letzten Testspiel in Belek war ein resultatmässiger Rückschlag für YB. Sie wirken aber nicht allzu beunruhigt.
Uli Forte: Nein, das bin ich auch nicht. Es ist immer schön, ein Spiel zu gewinnen. Aber es war eine gute Lektion für uns, wir haben gesehen, dass wir gerade gegen einen solchen Gegner physisch noch intensiver auftreten müssen. Wir waren aber nach all den intensiven Trainings etwas müde, und jetzt bleibt uns noch genügend Zeit für den Feinschliff.

Wie wichtig ist für Sie ein Trainingslager generell?
Sehr wichtig, und zwar nicht primär wegen des spielerischen Aspekts. Für mich ist das Zusammenleben entscheidend, der Teamgedanke, wir wollen in dieser Zeit einen Kern schaffen, eine Einheit bilden.

Es sieht so aus, als ob Sie damit zufrieden seien.
Ja, absolut. Ich habe dem Staff schon nach zwei Tagen gesagt, dass ich ein sehr gutes Gefühl habe. Wir konnten sehr gut trainieren, sehr intensiv. Das lag daran, dass die Spieler bei Trainingsbeginn schon auf einem guten Niveau waren. Man hat vom ersten Tag an gemerkt, dass sie ihr Programm in den Ferien seriös durchgezogen haben.

Die Mannschaftskasse, die pro Gramm Übergewicht über der Toleranzgrenze mit einem Franken gefüllt wird, wurde demnach nicht prall gefüllt?
Nein, es gab nur ein paar Hundert Gramm Übergewicht, und das ist nicht so schlimm. Wenn einer an Silvester zweimal ans Dessertbuffet geht, dann sind schnell ein paar Hundert Gramm da.

Wer hier in Belek die Trainings beobachtet, stellt fest: Sie legen weiterhin grossen Wert auf Pressing und Direktspiel.
Ja, diese Spielweise haben wir bereits im letzten Jahr praktiziert, und natürlich wollen wir uns diesbezüglich weiter verbessern. Entscheidend ist die Entwicklung, und da ist die Mannschaft auf gutem Weg.

Wenn Sie nun mit etwas Distanz auf die Vorrunde zurückschauen: Auf welche Fragen, die Sie sich gestellt hatten, haben Sie Antworten bekommen?
Zuerst einmal war da der Wechsel von Michael Frey kurz nach Saisonstart nach Lille, es brauchte Zeit, das zu verarbeiten. Dann kam die Baisse, die keine spielerische Baisse war, sondern eine Resultatkrise. Das Team hat sehr gut reagiert und gezeigt, über welches Potenzial wir verfügen. Wer so in der Kritik steht wie wir und sich dann so befreit, der hat die beste Antwort gegeben.

YB war ja in der Vergangenheit nicht gerade für solche Befreiungsschläge bekannt. War das ein Zeichen der gewachsenen Leistungskultur?
Ja, davon bin ich überzeugt. Es sind nicht die Resultate allein, ich sehe es jeden Tag auf dem Platz, wie die Spieler miteinander reden, wie sie sich austauschen, wie sie bei Bedarf auch streiten. Ich kann ja nur von den eineinhalb Jahren reden, seit ich hier bin. Ich bin sicher, dass wir bezüglich Mentalität Fortschritte gemacht haben und weiter machen werden.

Welche Ziele haben Sie für die Rückrunde fixiert?
In erster Linie wollen wir weiter vorwärtskommen. Unser Ziel vor der Saison war es, den 3. Platz zu bestätigen und wieder europäisch zu spielen. Dieses Jahr haben wir mit dem Überstehen der Gruppenphase unser Ziel im Europacup schon übertroffen, jetzt wollen wir natürlich in die Achtelfinals, auch wenn Everton gegen uns der klare Favorit ist. Und in der Meisterschaft haben wir den grossen Rückstand auf den FCZ aufgeholt und wollen auf diesem Weg weitermachen.

Im Sommer laufen wieder einige Verträge aus. Beschäftigen Sie sich jetzt schon mit dem Kader für die nächste Saison?
Noch nicht, der Fussball ist so schnelllebig, in der Rückrunde kann noch so viel passieren. Fredy Bickel ist für die langfristige Planung zuständig. Den Spielern, deren Vertrag ausläuft, sage ich aber: Zeig du mir, was ich machen soll, nimm du mir die Entscheidung ab, wie ich aufstellen soll. Gib Vollgas, damit wir bei der Planung nicht an dir vorbeikommen.

Berner Zeitung

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