Uefa-Urteil: Forfaitsieg für Serbien – Albanien protestiert

Der Europäische Fussballverband hat nach dem Skandalspiel zwischen Serbien und Albanien Sanktionen gegen die beiden Verbände verhängt. Es ist der Versuch einer salomonischen Lösung.

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Die Uefa hat ihr Urteil gefällt. Die abgebrochene Partie zwischen Serbien und Albanien geht 3:0 Forfait an Serbien. Gleichzeitig werden dem serbischen Verband jedoch 3 Strafpunkte aufgebrummt. Punktemässig kann Serbien aus dem Urteil also keinen Nutzen ziehen. Zusätzlich muss die serbische Nationalmannschaft die nächsten beiden Heimspiele der EM-Qualifikation ohne Fans bestreiten. Beide Nationalverbände werden ausserdem mit 100'000 Euro gebüsst. Das teilte die Uefa heute auf ihrer Internetsite mit.

Der albanische Fussballverband will das Urteil nicht akzeptieren. «Der Entscheid ist merkwürdig und inakzeptabel. Der albanische Verband wird Rekurs einlegen, um drei Punkte für einen Sieg zu erhalten», sagte Ilir Shulku, der Sekretär des Verbandes. Albaniens Regierungschef Edi Rama teilte per Twitter mit, er unterstütze die Entscheidung, Berufung einzulegen. «Heute wurde nach den Ereignissen im Stadion von Belgrad keine Gerechtigkeit geschaffen», schrieb Rama auf Twitter. Auch Albaniens Trainer Gianni De Biazi findet das Urteil ungerecht: «Die drei Punkte gehören Albanien. Sie haben uns weggenommen, was uns gehört.»

Gegen den serbischen Verband lief ein Verfahren der Uefa wegen des Einsatzes von Feuerwerkskörpern durch Fans, Ausschreitungen und der Erstürmung des Spielfeldes durch Zuschauer. Ausserdem wurde wegen ungenügenden Ordnungsdienstes sowie des Einsatzes eines Laser-Pointers ermittelt.

Die Uefa ermittelte gegen den albanischen Verband wegen der Weigerung weiterzuspielen und des Zeigens eines «unerlaubten Banners». Damit ist die Fahne gemeint, die ein Grossalbanien zeigte und die mit einer Drohne ins Stadion geflogen wurde.

Wüste Szenen in Belgrad

Der Europäische Fussballverband sprach seine Sanktionen nach dem EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien vom 14. Oktober aus. Steine und andere Gegenstände flogen aufs Spielfeld, serbische und albanische Nationalspieler prügelten sich, serbische Fans stürmten aufs Spielfeld und attackierten albanische Nationalspieler, die schliesslich in die Garderobe flüchteten. Tobende Serben im Belgrader Partizan-Stadion skandierten «Töte, töte die Albaner». Diese weigerten sich, die Partie fortzusetzen. Der englische Schiedsrichter Martin Atkinson brach das Spiel endgültig ab.

Explosive Stimmung und Schlägereien im Partizan-Stadion. (Video: Youtube/acascentrala)

Die Uefa kündigte nach diesen wüsten Szenen beim EM-Qualifikationsspiel Konsequenzen an. Da es nicht das erste Mal war, dass es bei Nationalspielen Serbiens zu Zwischenfällen kommt, drohte dem Verband sogar der zeitweilige Ausschluss von kontinentalen Wettbewerben. Damit hatte zumindest Uefa-Präsident Michel Platini schon im Februar 2011 gedroht. Im Oktober 2010 war das EM-Qualifikationsspiel gegen Italien in Genua wegen der Randale serbischer Anhänger abgebrochen worden.

Vorabberichte zum Uefa-Urteil

Kurz vor der Bekanntgabe des Uefa-Urteils hatten der albanische Fernsehsender Topchannel sowie der Belgrader Radio- und Fernsehsender B92 über den Inhalt berichtet. Der Grund für den Forfaitsieg zugunsten der Serben liege darin, dass die Uefa-Delegation vor Ort eine Fortsetzung des Spiels verlangt habe, die Albaner dieser Aufforderung aber nicht gefolgt seien.

Die Uefa schwächte dieses Urteil zugunsten des serbischen Verbands jedoch ab, indem es ihm gleichzeitig zur Strafe für die Ausschreitungen 3 Punkte abzog. So kommt Serbien zu einem «Sieg mit null Punkten», wie es B92 formuliert.

Der albanische Fussballverband (FSHF) hatte einen Forfaitsieg gefordert. Dafür habe der FSHF ein umfangreiches Dossier vorbereitet, sagte Rechtsvertreter Artan Hajdari. Die Albaner werfen den Serben gezielte Provokationen vor. Bis zum Spielabbruch in der 42. Minute wurden im Stadion rassistische Parolen gegrölt. Ausserdem hätten nicht nur Hooligans, sondern auch serbische Sicherheitskräfte die albanischen Spieler attackiert, erklärten mehrere Spieler der albanischen Nationalmannschaft.

Streit um Taulant Xhakas «Provokation»

Nach dem Spiel wurden jedoch auch gegen die albanische Seite Vorwürfe erhoben. Auslöser der Gewalteruption in Belgrad war eine Drohne, die in der 42. Minute ins Stadion flog und an der eine Flagge mit den Umrissen eines Grossalbaniens hing. Der serbische Spieler Stefan Mitrovic (SC Freiburg) fing die Fahne ab, worauf er von albanischen Spielern attackiert wurde. Hinter der Drohnenaktion stand ein Fan der albanischen Mannschaft, der das Flugobjekt von einer naheliegenden Kirche aus gesteuert hatte. Das bestätigte der Mann gegenüber albanischen Medien in Tirana. Serbiens Aussenminister Ivica Dacic sprach von einer «wohlüberlegten Provokation» der Albaner. Der albanische Premierminister Edi Rama hatte der serbischen Seite vorgeworfen, sie habe eine hasserfüllte und miserable Vorstellung geboten.

Wie die Flagge über das Stadion geflogen kommt. (Quelle: Youtube)

Der albanische Fernsehmoderator Arian Cani, der bekannt ist für sein loses Mundwerk, hat dem albanischen Nationalspieler Taulant Xhaka (FC Basel) vorgeworfen, er habe in Belgrad gezielt provoziert. Der Fussballer habe sich wie ein albanischer Nationalheld verhalten und vergessen, dass in der serbischen Hauptstadt nur ein Fussballspiel lief. Hätte Xhaka dem serbischen Spieler Mitrovic die Flagge mit albanischen Symbolen nicht entrissen, wäre das Spiel weitergegangen, meinte Cani. Ragip Xhaka, der Vater von Taulant (und dem Schweizer Natispieler Granit), reagierte gereizt auf die Kritik aus Albanien. Er sagte, er sei stolz, dass sein Sohn die Beschmutzung der albanischen Nationalflagge nicht zugelassen habe. «Ich wäre stolz gewesen, wenn er sein Leben für die Fahne geopfert hätte», sagte Xhaka senior gegenüber verschiedenen albanischen Medien.

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