Über die Jahre zum Leader gereift

Gegen die offensiv- und formstarken Young Boys ist ein Thuner ganz besonders gefordert: Guillaume Faivre. Der Keeper kann am Sonntag (Stockhorn-Arena, 13.45 Uhr) eine fast unglaubliche Bilanz weiter verbessern.

Den Ball fest im Visier: Guillaume Faivre hat grossen Anteil daran, dass Thun in den letzten zehn Runden die mit Abstand stabilste Defensive der Liga gestellt hat.

Den Ball fest im Visier: Guillaume Faivre hat grossen Anteil daran, dass Thun in den letzten zehn Runden die mit Abstand stabilste Defensive der Liga gestellt hat.

(Bild: Patric Spahni)

Man hörte ihn quer durch den gesamten Rheinpark. Es war am vergangenen Sonntag, Mitte der zweiten Halbzeit, als Guillaume Faivre im fast leeren Stadion über den ganzen Platz schrie, weil ihm in einer Aktion der Einsatz eines Mitspielers nicht gefallen hatte. Eine Aktion mit Symbolcharakter. Faivre, eigentlich ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, scheut sich nicht, seine Meinung klar kundzutun, wenn es um die Sache geht, mehr noch als zu Beginn seiner Zeit im Oberland.

Ein rekordverdächtiger Wert

Ganz klar, der Schlussmann ist in den vergangenen drei Spielzeiten zum Leader gereift. «Meine Rolle im Team hat sich über die Jahre sicherlich verändert», bestätigt der 28-Jährige den Eindruck, «ich bringe mich in der Garderobe vermehrt ein und versuche natürlich auch, in jedem Training und im Spiel mit gutem Beispiel voranzugehen.»

Thun hat in den letzten zehn Partien gerade einmal fünf Treffer kassiert, das ist ein rekordverdächtiger Wert – und die einsame Ligabestmarke mit vier Treffern weniger als Basel im selben Zeitraum, sechs weniger als YB und sieben weniger als der FC Zürich. «Es ist fast gefährlich, nun davon zu reden», sagt Faivre ansatzweise erschrocken, «es läuft wirklich gut, aber wir müssen unbedingt so weitermachen wie in den letzten Monaten und dies in jedem Match aufs Neue bestätigen.»

Diese Bestätigung war in der Vergangenheit verschiedentlich ein Problem gewesen, Thun hatte oft relativ viele Gegentore kassiert. Das belegt auch die Statistik: In der Vorsaison musste Faivre in zwölf Partien mindestens zweimal hinter sich greifen, ein Jahr zuvor gar vierzehnmal. Heuer war dies bisher – es fehlen allerdings noch fünfzehn Runden – erst dreimal der Fall.

«Wir sind sicher viel konstanter geworden. Wir kennen uns jetzt noch besser und konnten noch mehr in den Bereichen Taktik und Defensive arbeiten. Und wenn einmal jemand einen Fehler macht, ist oft ein anderer da, um diesen auszubügeln.» Tatsächlich ist die Defensivachse nun eingespielt, viele Spieler sind zudem mit langfristigen Verträgen ausgestattet, bis 2016 oder wie Faivre bis 2017.

Das (Selbst-)Vertrauen ist für ihn ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor: «Alle können im Moment nach den jüngsten Erfolgen befreiter aufspielen. Jeder vertraut seinen Mitspielern, und alle spüren das Vertrauen des Coachs.»

Platz 4 – oder mehr

Damit eine solche Defensivstärke überhaupt möglich ist, braucht es zwingend einen starken Schlussmann. Und dieser «Feuerwehrmann» heisst denn auch oft Guillaume Faivre. Der Keeper, schon immer sehr reflexstark und im Umkreis der Torlinie nur schwer zu bezwingen, hat sich gerade bei hohen Bällen massiv gesteigert und strahlt viel Ruhe aus.

Er stellt sich ein positives Zwischenzeugnis aus: «Es ist sicher meine bisher beste Saison, seit ich in Thun bin, aber sie ist ja noch lange nicht beendet. Es wäre zu schade, wenn wir uns mit dieser Ausgangslage mit Platz 5 oder 6 begnügen müssten. Wir wollen Platz 4 oder noch mehr.» Klare, selbstbewusste Worte findet der Goalie auch für das Spiel gegen den Dauerrivalen: «YB hat ein spielerisch sehr starkes Team, aber unser Ziel ist der Sieg.»

Faivre will mit einer weiteren Glanzleistung das Seinige dazu beitragen, dass in der Stockhorn-Arena die Revanche für die beiden letzten verlorenen Heimderbys gelingt, in denen Thun kein Tor gelungen ist. Vorbereiten wird er sich dabei wie immer, trotz der im Vergleich zum Spiel in Vaduz diametral anderen Rahmenbedingungen: «Natürlich spielen wir diesmal auf einem guten Rasen und in einem vollen Stadion mit Fans, die grosse Erwartungen haben werden. Aber sonst bleibt für mich alles gleich.» Ausser, dass sein Schrei diesmal wegen der zu erwartenden Grosskulisse kaum gehört würde.

Berner Zeitung

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