Thuns mangelnde Cleverness bitter bestraft

Der FC Thun hat im Kampf um einen Europa-League-Platz einen unnötigen Rückschlag erlitten. Der Ausgleich von GC zum 2:2 in der Stockhorn-Arena fiel in der Nachspielzeit.

Nicola Sutter kämpft mit Matteo Fedele um den Ball. Das Duell der Oberländer mit den Zürchern blieb am Ende ohne Sieger.

Nicola Sutter kämpft mit Matteo Fedele um den Ball. Das Duell der Oberländer mit den Zürchern blieb am Ende ohne Sieger.

(Bild: Keystone)

Es lief die Nachspielzeit, und GC machte, was ein Team meistens macht, wenn es knapp im Rückstand liegt. Thuns Urgestein Benjamin Lüthi, erstmals in Blauweiss in die Stockhorn-Arena zurückgekehrt, drosch den Ball in britischer Manier nach vorne. Fulvio Sulmoni konnte per Kopf nicht weit genug befreien, Michael Langs Verzweiflungsschuss wurde von Andreas Wittwer abgewehrt, aber zur Idealvorlage für Shani Tarashaj, der sein erstes Super-League-Tor erzielte.

Während die Zürcher unter der Gästekurve jubelten, herrschte bei Thun Fassungslosigkeit. Darüber, dass man zum bereits dritten Mal in dieser Saison nach den Partien gegen Basel (2:3/88.) und YB (0:1/93.) so spät besseren Heimertrag verpasst hat. Vier Punkte, die im Kampf um einen Europa-League-Platz ins Gewicht fallen könnten. «Wir werden nicht gut schlafen», sagte der schwer enttäuschte Wittwer.

Ballverlust statt Premiere

Mit einigen Minuten Abstand sprach Pierluigi Tami von «einem Punkt, der über die gesamte Spielzeit gesehen verdient ist, aber auch sehr schwer zu erreichen war. Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft.» Urs Fischer war natürlich weniger gut gelaunt: «Wenn man 2:0 führt und Chancen auf ein drittes Tor hat, muss man die drei Punkte behalten. Wir hätten die Partie früher entscheiden müssen.»

Alleine der neue Thuner Publikumsliebling Munsy, im sechsten Rückrundenspiel zum fünften Mal eingewechselt, war in den Schlussminuten an drei Aktionen beteiligt, die im entscheidenden 3:1 hätten gipfeln können. Zuerst bediente er mustergültig Nelson Ferreira, der aus bester Lage solo Vaso Vasic anschoss und dann verzog. Dann lauerte Munsy bei einer Zwei-gegen-eins-Situation auf ein Zuspiel Gaetan Karlens, aber der Walliser verstolperte.

Und zu vermeintlich schlechter Letzt blieb dem ehemaligen Krienser sein erster Super-League-Treffer für Thun versagt, als sein Schlenzer nach feiner Einzelleistung knapp am Tor vorbeisegelte. Doch der 1.-Liga-Topskorer sollte auf seinem Weg nach oben noch härter gebremst werden. Sein unnötiger Ballverlust jenseits der Mittellinie stand am Ursprung des 2:2. «Leider hat er das Tor nicht gemacht», so Fischer, «und der Ballverlust nachher war natürlich ärgerlich. Aber das ganze Team war nicht clever genug.»

Katalanische Ansätze...

Lange hatte Thun die Partie im Griff gehabt. Das 2:0 von Andreas Wittwer unmittelbar nach der Pause entsprang einer «One-Touch-Ballstafette» über sechs Stationen, welche der nicht als Euphoriker bekannte SRF-Kommentator Dani Wyler in der Zusammenfassung mit «Thun wie Barcelona» qualifizierte. Aus der Verunsicherung bei den Gästen vermochte Thun aber kein Kapital zu schlagen, im Gegenteil: Munas Dabbur gelang aus dem Nichts der Anschlusstreffer (63.). Der Israeli stand hauchdünn im Abseits, zu knapp aber, als dass man dem Super-League-Debütanten Urs Schnyder einen Vorwurf machen könnte. Zudem hätte sich Thun nicht beklagen dürfen, wäre Ferreiras Niederreissen von Yoric Ravet (44.) mit einem Penalty sanktioniert worden.

... und zu viele Fehler

Schon vor der Pause hatten die Thuner gezeigt, dass sie die GC-Innenverteidigung mit schnellem Direktspiel aushebeln können, so wie bei den drei letzten Siegen (Gesamtskore 11:4). So hatte der ehemalige GC-Junior Gianluca Frontino nach einer schnellen Kombination das 1:0 erzielt (10.), zwölf Minuten später verpassten Sulmoni und Frontino aus kürzester Distanz den Doppelschlag.

Solche Aktionen waren aber selten, wie auch Fischer festhielt: «Insgesamt leisteten wir uns in der Ballzirkulation zu viele Fehler.» Die Strafe folgte in extremis.

Berner Zeitung

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