Steve von Bergen: «Das ist Quatsch»

Der YB-Captain liefert Erklärungen für die Cupniederlage. Und sagt, warum er nicht mehr versuche, Mitspieler vom Verbleib zu überzeugen. Und reagiert genervt auf ­Fragen nach Michael Frey.

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Man hatte den Eindruck, dass YB im Cupfinal nie wirklich ins Spiel fand, warum?Steve von Bergen:Die Zürcher ­haben uns mit ihrer physischen Gangart vor Probleme gestellt. Sie waren aggressiver, wir kamen zu oft zu spät. Und doch hatten wir vor der Pause durch Hoarau und Assalé zwei gute Chancen zum Ausgleich. Aber insgesamt erreichten wir nie die Dominanz wie etwa beim Heimspiel gegen Luzern, als wir in der Schluss­phase enormen Druck hatten entwickeln können.

Woran lag das? Zürich war einfach bereiter als wir. Wir verloren den Ball zu oft zu schnell und mussten danach dem Gegner nachrennen.

Spielten die Feierlichkeiten der letzten Wochen eine Rolle? Das ist Quatsch. Jeder sagt jetzt, wir hätten zu ausgiebig gefeiert. Nein, daran lag es wirklich nicht. Den Meistertitel zu gewinnen, war unser grosses Ziel, darauf ­haben wir lange hingearbeitet. Es war menschlich und richtig, ­haben wir den Titel gemeinsam mit unseren Fans ausgiebig gefeiert. Der Gegner war diesmal einfach besser.

Die Meisterschaft war seit Ende April entschieden. Hatte vielleicht dies einen Einfluss? Beim 1:5 in Basel waren wir nicht bereit, erhielten eine Ohrfeige. Aber gegen Lugano haben wir ­sofort reagiert und gesiegt, wir ­haben auch bei GC gewonnen. Ich glaube nicht, dass dies einen Einfluss hatte. Der FCZ war diesmal besser, das müssen wir akzeptieren. Auch wenn es wehtut.

Trübt diese Niederlage die ganze Saison? Wir wollten unbedingt zum ersten Mal seit 60 Jahren das Double gewinnen, das wäre fantastisch gewesen. Jetzt gerade überwiegt die Enttäuschung, diese Niederlage zu verdauen, braucht Zeit.

Aber der Moment wird kommen, in dem wir sehr stolz auf unser Erreichtes sein werden. Wir haben in der Super League und im Cup nur fünfmal verloren, wir ­haben erstmals seit 32 Jahren die Meisterschaft gewonnen, das ist ausserordentlich. Zudem ist der Meistertitel der deutlich wertvollere Erfolg.

Inwiefern? Eine Meisterschaft dauert 36 Spieltage, da muss man ein ganzes Jahr lang konstant seine Leistungen erbringen. Der Cup hingegen wird in einem Spiel entschieden, da ist alles möglich.

Beeinflussten der bevorstehende Abgang von Trainer Adi Hütter, die Gerüchte um den neuen Trainer und die sich ­abzeichnenden Abgänge von ­Spielern die Leistung? Als Profi kann man das problemlos ausblenden. Das wäre eine schlechte Ausrede.

Das Team wird in dieser Konstellation nie mehr zusammenspielen. Verspüren Sie Wehmut? Klar wünschte ich mir, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Aber ich bin kein Träumer. Zuerst gehe ich jetzt in die Ferien, leere den Kopf, lade die Batterien auf. Danach werden wir sehen, wie sich die Lage präsentiert. Wir haben einen Sportchef, der kümmert sich um solche Dinge.

Aber versuchen Sie nicht, den einen oder anderen Akteur von einem Verbleib bei YB zu überzeugen? Wir haben in den letzten Wochen und Monaten oft darüber gesprochen. Aber der Trainer geht weg, einige Spieler werden uns auch verlassen, andere werden kommen. So ist das Geschäft.

Als sich Ende August der Abgang von Ravet zu Freiburg abzeichnete, sagten Sie, Sie könnten dessen Entscheid nicht nachvollziehen, da die Champions League in dem Moment greifbar nahe war. Wie sieht es nun aus, da YB im Sommer nur eine ­Hürde zur Königsklasse nehmen muss? Ich kann nicht sagen, dahin oder dorthin zu wechseln, sei der falsche Schritt. Jeder muss das für sich entscheiden.

Sie hingegen verlängerten ­kürzlich Ihren Vertrag. Ich bin glücklich und stolz, kann ich eine weitere Saison bei YB bleiben. Wir wollen uns unbedingt für die Champions League qualifizieren, das wäre noch ­einmal ein grosser Traum, der in Erfüllung gehen würde.

Letzte Frage: Hätte YB heute ein Akteur wie Michael Frey, der spielte, als gäbe es kein ­Morgen, gutgetan? Haben Sie die Torschützenliste gesehen? Also, danke schön.

Berner Zeitung

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