Selbstbewusst, aber ohne Häme – und sogar mit Mitleid

YB deckte am Sonntag die Schwächen des Rivalen FC Basel beim 3:1-Auswärtssieg schonungslos auf. 

Berner Jubel in Basel: Sandro Lauper (links) und Leonardo Bertone.

Berner Jubel in Basel: Sandro Lauper (links) und Leonardo Bertone.

(Bild: Keystone)

Loris Benito hat sich bei den Young Boys längst als inoffizieller Mediensprecher des Teams etabliert. Er gibt stets ausführlich Auskunft, spricht eloquent und in sechs Sprachen, verliert selten die Übersicht. Am frühen Sonntagabend steht er im St.-Jakob-Park vor den Journalisten und analysiert den 3:1-Sieg von YB in Basel mit geschliffenen Wortbeiträgen. Er lässt sich trotz 19-Punkte-Abstand zum FCB nicht zu übertriebenen Aussagen provozieren und sagt, es sei wichtig, im Erfolg nie zu hoch zu fliegen – und in der Krise nicht alles negativ zu sehen. Benito lobt also die «Präsenz» und «Dominanz» der Young Boys und freut sich über «Moral» und «Charakter» des Meisters. Aber einmal sagt er auch, er wisse ganz genau, wie sich die Basler in dieser Saison fühlten. «Ich war lange genug bei Teams, denen es nicht wie gewünscht lief.» Zum Beispiel bei YB bis vor rund eineinhalb Jahren.

Nie die Geduld verloren

Mitleid ist nun nicht unbedingt das, was sich der FC Basel wünscht. Aber eine gesunde Prise Selbstbewusstsein strahlt Benito nicht nur auf dem Rasen aus. Sondern auch vor den Mikrofonen. Er sagt, er sei nicht überrascht, wie klar die Young Boys das Geschehen im Griff gehabt hätten. «Wir trauen uns viel zu, verlieren nicht die Geduld und wissen, dass wir auch gegen Spielende Tore erzielen können.»

Die YB-Vertreter analysieren den ersten Sieg der Young Boys in Basel seit sechseinhalb Jahren mit angemessener Nüchternheit. David von Ballmoos meint, Basel habe sich lange Zeit gut verteidigt. «Es ist eine Qualität von uns, dass wir ruhig bleiben und körperlich dazu in der Lage sind, noch einen Gang hochzuschalten», sagt der Torhüter. Sportchef Christoph Spycher freut sich über die Entschlossenheit der jungen Mannschaft und darüber, wie sie trotz Rückstand am Spielplan festgehalten habe. So sieht das auch der Trainer. «Wir konnten in der zweiten Halbzeit zulegen. Entscheidend war die Mentalität sowie der Hunger des Teams, weiter nach vorne zu spielen und den Sieg zu wollen», lobt Gerardo Seoane. Und die vielen YB-Tore nach Eckbällen und Freistössen des überragenden Standardsituationenexperten Miralem Sulejmani seien Belege von Klasse und Trainingsfleiss.

Mbabus Geste

Die Berner legten am Sonntag zudem erneut ein Zeugnis ihrer enormen Kaderbreite ab. «Wenn bei uns wie heute mehrere wichtige Spieler verletzt fehlen, rückt halt einfach ein anderer nach, der seine Sache gut macht», sagt Sandro Lauper, der lieber im Mittelfeld spielt, regelmässig aber auch als Innenverteidiger benötigt wird. Wie in Basel, weil Steve von Bergen und Grégory Wüthrich verletzt ausfielen. «Mir macht das nichts aus», sagt Lauper, «in der Abwehr darf ich einfach weniger Risiken eingehen.» Der 22-Jährige steht mit Talent, Jugendlichkeit und Polyvalenz idealtypisch für dieses YB. Und er freut sich auf das Duell am Samstag gegen den FC Thun, bei dem er letzte Saison den Durchbruch realisiert hatte. «Es ist ein Derby», sagt Lauper, «und nun ist es auch wie in Basel das Spiel gegen den Zweiten.»

Fehlen wird dabei Kevin Mbabu. Er war gegen Basel zum vierten Mal in dieser Saison verwarnt worden und wäre gegen Thun ohnehin gesperrt gewesen. Schliesslich wurde er mit einer zweiten Gelben Karte sogar des Feldes verwiesen, er soll die Basler Fankurve beim Torjubel nach dem 3:1 für YB mit einer unfeinen Geste provoziert haben. Der Rechtsverteidiger beteuert, er habe nur auf das Meisteremblem auf dem Trikot gezeigt.

fdr

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