Seferi hat endlich ausgelitten

Taulant Seferi hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Die Patellasehne im Knie machte ihm das Leben schwer. Nun ist er zurück bei YB.

Es geht wieder aufwärts: Nach einer fast eineinhalbjährigen Verletzungspause ist Taulant Seferi zurück im Kader von YB.

Es geht wieder aufwärts: Nach einer fast eineinhalbjährigen Verletzungspause ist Taulant Seferi zurück im Kader von YB.

(Bild: Urs Baumann)

Adrian Lüpold

Eine Stippvisite brachte die Karriere ins Rollen. Knapp 14-jährig war der Mazedonier Taulant Seferi, als er seine ältere Schwester im Ausland besuchte. Diese lebte schon seit einigen Jahren in Bern in einem Block unweit des Stade de Suisse. Zusammen mit ihrem Ehemann.

Dieser wiederum war ein guter Bekannter von Tanju Tiryaki, einer Legende im Berner Regionalfussball, die berühmt-berüchtigt war für ihre heraus­ragenden Skorerqualitäten. Tir­yaki, ein Fussballverrückter, der auch heute noch als Chefscout des FC Köniz mit seinem Lieblingssport verbandelt ist, erfuhr von Seferis Besuch und dessen Leidenschaft für das runde Leder. Also lud er den Gast spontan zu einem Plauschturnier in Bethlehem ein.

Dort trumpfte der schmächtige Jüngling auf wie ein kleiner Lionel Messi. «In den ersten zwei Spielen schoss ich 13 Tore», sagt Seferi. Tiryaki kam aus dem Staunen kaum heraus, fand, ein Probetraining bei den Young Boys sei absolute Pflicht für ein derart grosses Talent.

Drei Tore im Testspiel

Als Seferi zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei seiner Schwester gastierte, liess Tiryaki seine Kontakte spielen. Der Wirbelwind durfte bei den YB-Junioren sein Können demonstrieren. Und wie er das tat. In einem Testspiel gegen das U-18-Nationalteam markierte er drei Treffer.

YB gewann 3:2. Die Verantwortlichen der Berner waren begeistert, machten Nägel mit Köpfen, unterbreiteten dem Toptalent, das auch von anderen europäischen Klubs umgarnt wurde, ein Angebot für das Profiteam. Seferi, der dem mazedonischen Meister Rabotnicki Skopje gehörte, entschied sich für YB, trat seinen Dienst in Bern am 1. Januar 2015 an, wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag.

Vielversprechender Start

Vorher debütierte er im Mai 2014 als jüngster Spieler Mazedoniens in der Nationalmannschaft. Die Karriere verlief wie im Traum. Auch der Start in Bern – er wohnte damals bei seiner Schwester im Block neben dem Stadion – glückte vollauf.

Er empfahl sich dem damaligen YB-Coach Uli Forte mit starken Leistungen im Trainingslager, gelangte am 14. Februar 2015 gegen die Grasshoppers zum Debüt und kam fünf ­Tage später auch in der Europa League gegen Everton zu einem Teileinsatz. Doch plötzlich traten Probleme auf. Die Patellasehne im Knie begann zu schmerzen. Erst sporadisch, dann immer heftiger.

«Es war eine sehr harte Zeit, ich war mental ziemlich am Boden.»Taulant Seferi

Ende März 2015 wurde eine Operation unumgänglich. Vier Monate pausierte Seferi, ehe er bei der U-21 sein Comeback gab. «Doch die Schmerzen waren immer noch da. Sie waren sogar noch schlimmer als vor der OP», sagt Seferi. Schon wieder war eine Pause nötig, eine zweite Operation nicht zu vermeiden. Wann er wieder auf dem Rasen stehen würde, stand in den Sternen.

Das fröhliche Talent verwandelte sich in einen traurigen Teenager. «Es war eine harte Zeit, ich war mental am Boden», sagt Seferi rückblickend. Seine Mutter besuchte ihn, gab ihm Rückhalt. Seine Freundin und die Schwester päppelten ihn auf. «Die Familie gab mir den nötigen Support, ohne sie hätte ich noch mehr gelitten.»

Hauptsache, gesund bleiben

Die Physiotherapeuten und die Mitarbeiter des Kraftraums kannte Seferi irgendwann fast so gut wie seine Liebsten. So lange war er weg vom Fenster. Erst im Oktober 2016 konnte er in der ­U-21-Equipe wieder wettkampfmässig eingreifen, dribbeln, am Flügel seine starke Technik ausspielen, Tore schiessen und seine Mitspieler in Szene setzen.

Fünf Partien absolvierte er im Herbst für den Nachwuchs – ohne Beschwerden. «Mein Hauptziel ist jetzt erst mal, gesund zu bleiben.» In der Vorbereitung für die Rückrunde mit der ersten Equipe ist bis auf eine kleine Grippe, die ihn kurz vom Trainingsbetrieb fernhielt, alles gut verlaufen. «Ich fühle mich sehr gut, es ist toll, endlich wieder Teil des Teams zu sein», sagt der 20-Jährige, der nun in Ostermundigen wohnt.

Seferi hat das Lachen wieder gefunden, seine Augen leuchten, wenn er von der Arbeit auf dem Platz und seinen Mitspielern erzählt. «Wir haben tolle Fussballer. Von meinen Konkurrenten auf den Flügelpositionen kann ich noch eine Menge lernen.» Seferi will nach seiner Leidenszeit Schritt für Schritt nehmen.

Und doch dürstet er nach Einsätzen in der Rückrunde, die am Sonntag gegen Sion (16 Uhr, Stade de Suisse) ­beginnt. Damit er seine Qualitäten endlich auch wieder einem grossen Publikum präsentieren kann. Es müssen ja dann nicht gleich 13 Tore in den ersten zwei Spielen sein ...

Den Liveticker YB - Sion am Sonntag auf unserer Webseite (16 Uhr).

Berner Zeitung

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