Schwermut und Schwärmerei

Zwei Wochen nach seinem Transfer zu Frankfurt trifft Djibril Sow wieder auf die YB-Familie – unter schwierigen Vorzeichen.

Alter Trainer, neue Sorgen: Der verletzte Djibril Sow (l.) mit YB-Coach Gerardo Seoane.

Alter Trainer, neue Sorgen: Der verletzte Djibril Sow (l.) mit YB-Coach Gerardo Seoane.

(Bild: Keystone Klaunzer)

Es gibt Sprüche, aber vor allem gibt es Schulterklopfer, Umarmungen, Aufmunterung. Djibril Sow steht am Uhrencup in Biel im Kabinengang, es sind noch ein paar Minuten hin bis zum Spiel zwischen YB und Frankfurt. Sow lächelt nur müde, schwarzer Trainingsanzug, schwarze Schuhe. Eine Jacke auf seiner Schulter verdeckt das Emblem seines neuen Arbeitgebers Eintracht Frankfurt, fast könnte man meinen, es sei alles noch wie früher, wie er so neben seinen einstigen Mitspielern steht.

Doch in der Welt von Djibril Sow ist gerade nichts wie zuvor. Zum zweiten Mal in seiner Karriere als Fussballer versucht er sein Glück in Deutschland, im Vergleich zum ersten Versuch 2015 bei Borussia Mönchen­gladbach standen die Vorzeichen bei seinem Wechsel nach Frankfurt nun ungleich besser: Als zweifacher Meisterspieler, als Leistungsträger eines Champions-League-Teilnehmers, als Königstransfer wurde er beim Bundesligisten angepriesen.

Und dann das: ein Sprint am Montag im Training, ein Zwicken, der Griff nach hinten rechts. Nach der Untersuchung am Dienstag die Gewissheit: Anriss der Sehne im rechten Oberschenkel, acht bis zehn Wochen Pause, die komplette Vorbereitung ist für ihn gelaufen. «Das tut weh», sagt Djibril Sow, wie Djibril Sow alles zu sagen pflegt: leise, zurückhaltend, schüchtern. Etwas geknickt wirkt er schon, auch wenn er sagt: «Gehadert habe ich nur am Anfang kurz. Jetzt blicke ich nach vorn.»

Der Blick in Hütters Herz

Und dann gerät er zwischen all dem Schwermut doch kurz ins Schwärmen, der 22-jährige Nationalspieler, erzählt von der Infrastruktur des Europa-League-Halbfinalisten in der Banken­metropole, vom Trainingscampus, von der medizinischen Betreuung. «Allein deswegen bin ich enorm zuversichtlich, dass ich schnell wieder zurück auf dem Feld sein werde.» Die obligaten Prüfungen für den Neuling hat Sow schon hinter sich: Vorstellung, Wohnungssuche, erstes Interview mit der Lokalzeitung. «Alles glatt gegangen», sagt Sow.

Im Spiel brilliert sein alter gegen seinen neuen Arbeitgeber. YB siegt mit 5:1, Frankfurt hat laut Trainer Adi Hütter «noch viel Arbeit vor sich». Hütter ist an dem Abend vielleicht der einzige Exponent, der noch öfter umarmt wird als Sow. Auch für den Österreicher ist es eine Art Heimkehr, jeder kennt ihn, alle mögen ihn, und doch muss er fast schmerzlich erfahren, wie gut sein früherer Club noch immer ist.

«YB hat wieder eine enorm interessante Mannschaft», sagt er später. Viel Zeit nimmt er sich für Interviews, erst eher ernste vor der deutschen Journaille, die wissen will, wie sich das 1:5 gegen YB denn jetzt auf die Vorbereitung auswirkt. Und später eher lockere Sprecheinheiten mit Schweizer Journalisten, in denen er sich gern an seine Zeit in Bern erinnert. «Sie wird immer in meinem Herzen sein.»

Fernziel: Zweite Premiere

Dass sein alter Schützling Sow nun seine neue Hoffnung ist, macht ihn stolz. Er habe ihm nach seiner Verletzung schon Mut zugesprochen, sagt Hütter. «Ich hätte ihm diesen Auftritt heute sehr gegönnt. Jetzt gilt es auch für ihn, nach vorn zu schauen.» Der Tross der Frankfurter zog gestern weiter nach Bern, bis zur Rückkehr am Samstag gibt es noch mehr Einheiten, und heute spielt die Eintracht im Rahmen des Uhrencups ihr zweites Spiel gegen Luzern.

Djibril Sow freut sich nach dem Trainingslager auf zwei Tage in Zürich bei seiner Familie. Aufmuntern, abschalten. Und dann zurück nach Frankfurt. Fernziel: Seine zweite Premiere in der Bundesliga. Sein erster und einziger Einsatz in der ersten Mannschaft von Gladbach war nur ein Schnuppern: in der 90. Minute im April 2017 gegen Mainz.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt