Schiedsrichtermalus bei YB

Die Young Boys haben in der Champions League kein Glück mit den Schiedsrichterentscheidungen.

Hands? Fellaini berührt vor dem 1:0 den Ball mit der Hand.

Hands? Fellaini berührt vor dem 1:0 den Ball mit der Hand.

(Bild: Screen)

Dominic Wuillemin

2011 kürte die spanische Ausgabe des Musikmagazins «Rolling Stone» José Mourinho zum Rockstar des Jahres. Der Trainer von Real Madrid habe sich die Auszeichnung mit seinen kontroversen Botschaften, seiner unverschämten Intelligenz und – vor allem – seinem provokativen Auftreten verdient, begründeten die Editoren ihre Entscheidung.

Dass sie so falsch nicht gelegen sind, hat ihnen Mourinho am Dienstagabend in Manchester wieder einmal bewiesen. Als Marouane Fellaini in der Nachspielzeit zum 1:0 für United traf, wechselte der Portugiese in den Rockstarmodus. Einen ersten Trinkflaschenhalter kickte er mit seinem linken Fuss um. Den zweiten, nun völlig losgelöst, schmetterte er mit einem schwungvollen Doppelhänder auf den Boden.

Der Jubel des Jahres

Wie viele der Trinkflaschen kaputtgingen, ist nicht überliefert. Eine Gitarre jedenfalls hätte Mourinhos Attacke kaum schadlos überstanden. Er habe beim Tor Erleichterung und Frustration verspürt, sagt der portugiesische Trainer. Sein Team habe leiden müssen. «Wir erzielen zu wenig Tore, das macht es schwierig. Aber meine Spieler waren am Ende alle müde. Das mag ich.»

Mourinho ist nun heisser Anwärter für den Jubel des Jahres 2018. Vor allem, weil er so bizarr anmutete. Freude war in dieser Aktion keine zu erkennen, vielmehr wirkte es so, als hätte der deutsche Schiedsrichter Felix Brych das Tor wegen Handspiels aberkannt.

Mourinho jubelt auf seine Weise nach dem Tor von Fellaini.

Was er hätte tun können. Nach der Ballannahme hatte Fellaini den Ball mit seiner rechten Hand touchiert. Der rustikale Belgier gab später zwar zu, den Ball berührt zu haben. Er befand aber, die Aktion sei nicht regelwidrig gewesen. Weil keine Absicht dahintergesteckt habe.

YB-Verteidiger Loris Benito, der das entscheidende Duell gegen den gross gewachsenen Mittelfeldakteur verloren hatte, meinte, er habe Fellainis Handspiel nicht gesehen. «Aber ich bekam einige Nachrichten mit Bildern der Aktion.» Der 26-Jährige, der nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Steve von Bergen die Captainbinde getragen hatte, resümierte, er mache dem Schiedsrichter keinen Vorwurf. «Es ging schnell.»

Die Sache mit dem Bonus

Nicht nur Benito präsentierte sich als fairer Verlierer. Mit einem Tag Abstand meinte YB-Trainer Gerardo Seoane, es sei zwar besonders bitter, in der Nachspielzeit zu verlieren. «Und es ist unglücklich, dass Fellaini sich den Ball mit der Hand vorlegte. Aber für den Schiedsrichter war es schwierig zu sehen.»

Wie hätte Mourinho reagiert?

Zumal YB gegen Manchester schon in Bern Pech mit Schiedsrichterurteilen hatte. Damals entschied der Unparteiische Deniz Aytekin, wie Brych Deutscher, unter anderem sehr streng auf Elfmeter, als Kevin Mbabu der Ball aus kurzer Distanz an den Arm sprang.

Paul Pogba verwandelte kurz vor der Pause zum 2:0. Es war die Vorentscheidung in einer Partie, in welcher die Young Boys eine halbe Stunde stürmisch und überlegen agiert hatten. Wer weiss, wie sie nun dastehen würden, wenn der Videobeweis in der Königsklasse schon auf diese Saison hin eingeführt worden wäre. So aber sind sie nach 5 Runden ausgeschieden, mit einem Punkt. Und einem Schiedsrichtermalus.

In der Super League war lange eine Bevorteilung des Serienmeisters FCB beklagt worden. Zuletzt durfte sich die Konkurrenz der Young Boys über die eine oder andere Entscheidung beschweren. Der Schiedsrichterbonus, heisst es ja gerne, falle den grossen Teams zu, jenen, die Titel gewinnen, solchen mit Strahlkraft und Einfluss.

In der Champions League wird YB immer zu den Kleinen zählen. Ganz anders als Manchester United, dessen Trainer José Mourinho am Dienstagabend kein Wort über den Schiedsrichter verlor.

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