Pizza unter dem Weihnachtsbaum

Die Young Boys beschliessen das äusserst erfolgreiche Jahr mit einem souveränen 4:1 bei Aufsteiger Neuenburg Xamax.

An drei Toren beteiligt: Guillaume Hoarau (rechts) ist auch in Neuenburg überragend – hier erzielt er den ersten YB-Treffer.

An drei Toren beteiligt: Guillaume Hoarau (rechts) ist auch in Neuenburg überragend – hier erzielt er den ersten YB-Treffer.

(Bild: Keystone)

Auf einmal hat Steve von Bergen alle Hände voll zu tun. Nicht nur, weil er gefühlt alle zwei Meter auf ein bekanntes Gesicht trifft, hier eine Hand schüttelt, dort einen kurzen Schwatz hält. Der verletzte YB-Captain steht in den Katakomben der Maladière und hält eine Beige Pizzakartons in den Armen. Es ist das kalorienhaltige, nicht ganz sportlerkonforme Menü, das der Neuenburger seinen Kollegen in die Kabine bringt. Aber kurz vor Weihnachten zu Beginn der Winterpause sind solche kulinarischen Sünden verkraftbar – und eine Belohnung für eine weitere starke Leistung sowie einen souveränen 4:1-Sieg gegen Xamax.

Die vom Club offerierte Pizza ist nicht das erste Geschenk, das die Berner an diesem Nachmittag erhalten, auch auf dem Rasen zeigten sich die Neuenburger bisweilen spendierfreudig. Indem sie etwa YB-Topskorer Guillaume Hoarau immer wieder mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Metern deckten. Der Franzose nutzte den ihm gebotenen Platz für zwei Tore, bei denen er jeweils die magistrale Vorarbeit von Djibril Sow veredelte, und eine kluge Kopfballvorlage auf Christian Fassnacht. Oder dann, wenn die Equipe von Michel Decastel besser ins Spiel zu kommen schien, den Schwung aber mit ungenauen Zuspielen und fehlerhaften Laufwegen gleich selbst wieder aus den Aktionen nahm.

Mbabus Antwort

Der Meister und der Aufsteiger bewegen sich an diesem Nachmittag nie auf Augenhöhe, und eigentlich bestanden bereits nach Hoaraus erstem Treffer nach sieben Minuten kaum Zweifel daran, dass die Berner das historisch-erfolgreiche Jahr 2018 mit dem 16. Sieg im 18. Vorrundenspiel abschliessen werden. Vielmehr ist es eine weitere Demonstration der Stärke, welche die Berner in bemerkenswerter Ruhe auf den Neuenburger Kunstrasen abspulten. Selbst mit komfortabler Führung im Rücken rollte ein Angriff um den anderen Richtung Tor der Neuenburger, die sich zwar nach Kräften wehrten, aber die physische und spielerische Überlegenheit der Berner nicht kaschieren konnten.

Nach Hoaraus zweitem Treffer brachte vorab Michel Aebischer neuen Schwung ins Mittelfeld, legte mustergültig auf für Roger Assalé beim 4:0 und kreierte weitere aussichtsreiche Chancen, die beinahe mit einem Tor belohnt wurden. «Es war nicht so einfach, wie das Resultat vermuten lässt», sagt Kevin Mbabu wenig später. «Wir haben es einfach aussehen lassen, weil wir so gespielt haben.» Es ist eine Aussage, die das Berner Selbstverständnis zeigt. Die Mannschaft ist mittlerweile derart gefestigt, dass sie mit scheinbarer Leichtigkeit Sieg an Sieg reiht. Mbabu ist im Bauch des Stadions trotz verhältnismässig diskreter Leistung ein gefragter Mann. Allen brennt dieselbe Frage auf der Zunge: War diese Partie seine letzte für YB vor einem seit Monaten kokettierten Wechsel ins Ausland? «Es war sicher die letzte in diesem Jahr», antwortet Mbabu und lacht. «Alles andere kann ich heute nicht bestätigen.»

Das «Merci» der Fans

Im hoch talentierten Ensemble der Young Boys steht ja beinahe jeder Spieler auf der Wunschliste irgendeines grösseren ausländischen Vereins, wobei zuletzt neben Mbabu vor allem Gerüchte um Sékou Sanogo und einen Wechsel nach Monaco, Rom oder in die Arabischen Emirate aufkamen. Doch der Ivorer winkt vor den Medien ab. «Weshalb sollte das mein letztes Spiel für YB gewesen sein? Ich habe noch einen Vertrag bis 2021.» Er gehe jetzt in die Ferien und werde dann schauen, wie es weitergehe. «Ich geniesse jede Sekunde, die ich mit dieser Mannschaft auf dem Platz stehen kann», sagt Sanogo und zeigt zur Bekräftigung seiner Verbundenheit zum Verein auf eine Packung «Merci»-Schokolade, welche die Fans nach dem Schlusspfiff jedem Spieler und Staffmitglied geschenkt haben.

«Wir haben die besten Fans der Welt, oder?», sagt der 29-Jährige, ehe er mit breitem Grinsen in der Kabine verschwindet. Gut 2'000 der 7'451 Zuschauer sind aus Bern im überfüllten Extrazug angereist und feiern das Team nach Spielende minutenlang. Sie ahnen: Wenn YB Anfang Februar zum Auftakt der Rückrunde wieder den Neuenburgern gegenüberstehen wird, dürfte der eine oder andere Spieler weitergezogen sein.

Berner Zeitung

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