Österreicher Hoch

Thorsten Schick hat sich bei den Young Boys nach einem schwachen Start im ­Sommer deutlich gesteigert. Im Moment ist der 26-jährige Österreicher sogar eine ­wichtige Grösse im Team.

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Fabian Ruch

«Es ist schon lustig mit euch Journalisten», meint Thorsten Schick. Und dann sagt er schmunzelnd: «Im Herbst war ich hier der grosse Fehleinkauf, und nun werde ich gefragt, wann ich ins Nationalteam aufgeboten werde.»

Wie schnell es im Fussball gehen kann, hat der Österreicher in den letzten Monaten erlebt. Im September musste er unangenehme Fragen beantworten wie jene, warum er in den ersten Saisonwochen derart enttäuscht hatte. Und nun gilt er als einer der Aufsteiger bei den Young Boys.

«Im Herbst war ich hier der grosse Fehleinkauf, und nun werde ich gefragt, wann ich ins Nationalteam aufgeboten werde.»Thorsten Schick

«Ehrlich: Ich lese kaum Zeitungen und bin selten im Internet. Aber ich habe natürlich mitbekommen, was über mich geschrieben und gesagt worden war. Heutzutage landet so was ja schnell auch in den österreichischen Medien», sagt Schick. «Das war keine einfache Zeit für mich.»

Support von Mitspielern

Thorsten Schick war im Sommer eine YB-Notlösung gewesen, eine preiswerte dazu, schliesslich gab es beim Verein eine Investitionssperre. Weil der Vertrag des Flügelstürmers bei Sturm Graz am Ende der letzten Saison ausgelaufen war, konnten ihn die Young Boys ablösefrei verpflichten. Er war als Ersatz der Stammkräfte Yoric Ravet und Miralem Sulejmani vorgesehen und erwischte in der Schweiz einen schwierigen Start. «Ich fiel wochenlang verletzt aus, war in einem neuen Land, in einer neuen Liga, bei einem neuen Verein», sagt er.

In den ersten Einsätzen agierte der 26-Jährige dann sehr zögerlich, es war jene Phase, in der es den Young Boys überhaupt nicht lief. Und Schick war eine der blassen Symbolfiguren für die Berner Krise, da und dort und auf dem Boulevard hiess es, da habe YB einen Fehltransfer getätigt. «Es tat gut, den Support des Vereins und der Mitspieler zu spüren. Die Teamkollegen sagten mir, ich solle einfach weiterarbeiten, in den Trainings würde man meine Qualitäten ja sehen», sagt er.

«Es gab sicher Leute, die dachten, ich würde nur spielen, weil ich Adi Hütter schon lange kenne.» Thorsten Schick

Erschwerend für Schick kam hinzu, dass auch der YB-Trainer ein Österreicher ist. «Es gab sicher Leute, die dachten, ich würde nur spielen, weil ich Adi Hütter schon lange kenne.» Schick wartete auf seine Chance, und weil sich die Verletztenmisere bei den Young Boys über die gesamte Vorrunde hinzog, erhielt er auch bald wieder Spielgelegenheiten.

Schick steigerte sich, schoss bald ein Tor, später ein weiteres, vor allem aber profilierte er sich als Vorlagengeber und Flankenspezialist, selbst wenn sich auch wieder schwächere Leistungen einschlichen. «Ich bin froh, konnte ich dem Team helfen», sagt er, «und ich weiss, dass es für mich und für uns noch besser geht.»

Derzeit Fixkraft

Thorsten Schick ist also auf dem Weg, in Bern doch noch mehr als nur ein Mitläufer zu sein. Und abseits des Rasens fällt seine Offenheit auf. Am Samstagabend, nach dem 3:1-Sieg von YB gegen Basel, nannte er seinen Abschluss bei einer Grosschance «lächerlich».

Er habe wohl fast zu viel Zeit gehabt, das habe er ganz schlecht gelöst. Mittlerweile kann sich der Österreicher selbstkritische Voten leisten, er ist derzeit sogar ­unbestrittene Fixkraft, weil Ravet verletzt ist und Sulejmani im längeren Formtief steckt.

«Es geht darum, dass wir als Team und Verein näher an Basel rücken.»Thorsten Schick

Die Frage ist, ob es Schick gelingen wird, konstant eine feste Grösse bei YB zu sein. Noch sind Zweifel erlaubt, ob der 26-Jährige die Klasse dazu besitzt. Aber er hat in Bern schon einmal viele überrascht. «Es geht nicht um einzelne Spieler», sagt Schick, dessen Freundin in Graz lebt. «Es geht darum, dass wir als Team und Verein näher an Basel rücken.» Die Kaderbreite des FCB sei beeindruckend. «Und sie leisten sich weniger Rückschläge als wir.»

Thorsten Schick würde gerne länger in Bern bleiben. Zeit, um sich aufzudrängen, bleibt genug. Und die Sache mit dem Nationalteam geht der frühere U-20-Auswahlspieler unaufgeregt an. «Jeder träumt davon, Länderspiele zu bestreiten. Aber ich habe keinen Kontakt zum Verband.

Und in Österreich haben wir derzeit sehr viele gute Fussballer, selbst wenn es der Auswahl zuletzt nicht gut lief.» Doch es kann schnell gehen im Fussball. Thorsten Schick weiss Bescheid.

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