«Oberste Priorität hat der Ligaerhalt»

Schon vor dem letzten Meisterschaftsspiel am Freitag gegen Aarau steht fest, dass der FC Thun auf eine gelungene Saison zurückblicken kann. Cheftrainer Urs Fischer blickt zurück und äussert sich zu Angeboten anderer Klubs.

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Urs Fischer, Sie beenden die Saison mit dem FC Thun auf dem 3. oder 4.Platz. Welchen Einfluss hat der Schlussrang auf Ihre Saisonbilanz?
Ich denke, auf die Schlussbilanz keinen, wir dürfen auf jeden Fall von einer fantastischen Saison sprechen. Dritter zu werden, wäre das i-Tüpfchen, deshalb haben wir das noch im Kopf. Wir haben auch in der Vorbereitung auf die Partie gegen Aarau die klare Zielvorgabe ausgegeben, dass wir gewinnen müssen. Wir wollen uns auch nicht auf andere verlassen.

Es fällt auf: Thun hatte keine einzige Baisse und spielte immer auf einem gewissen Niveau. Ist diese Konstanz der Schlüssel zum Erfolg?
Ich denke es schon, und das ist ja schon seit fünf, sechs Jahren so. In dieser Saison hatten wir keinen Durchhänger, wir zeigten nach jeder Niederlage eine Reaktion. Andere Teams hatten Hochs und Tiefs und sind jetzt noch am Kämpfen für einen Europa-League-Platz. Das war sicher unsere grosse Stärke, und der zweite erwähnenswerte Punkt war unsere Heimbilanz. Umgekehrt können wir sagen, dass wir auswärts noch Luft nach oben haben.

Sie haben schon früh einer Achse das Vertrauen ausgesprochen, diesen Spielern langfristige Verträge gegeben. Das war ein zentrales Anliegen von Ihnen und Ihrem Staff, oder?
Absolut. Eine Achse ist aus meiner Sicht entscheidend für den Erfolg, für mich führt kein Weg daran vorbei, und Ändu (Sportchef Andres Gerber, Red.) hat die gleichen Ansichten.

Heisst das auch, dass der FC Thun dank dieser Achse in Zukunft ein gewisses Niveau nicht mehr unterschreiten wird?
Das ist schwierig zu sagen, aber es gibt einem schon eine gewisse Zuversicht und ist für alle positiv. Das Team kann sich daran festhalten, und das ist zentral. Wir hatten auch in dieser Saison neue Spieler, die wir integrieren mussten; je stärker eine Achse ist, desto einfacher fällt diese Integration. Das wird auch hinsichtlich der neuen Saison so sein, wenn wiederum neue Spieler zu uns stossen. Im Erfolg hilft dir dies noch etwas mehr, es müsste aber auch im Misserfolg helfen. Das Team kann dann wieder neue Energie tanken. Die Achse ist für mich enorm wichtig, wie auch die Stimmung in der Kabine. Wenn die Chemie in der Kabine nicht stimmt, wird es brutal schwierig, und weil wir diese Achse haben, sind wir auch in diesem Bereich relativ stark.

Viele Leute sagen, Sie hätten mit Thun das Maximum herausgeholt. Sehen Sie das auch so?
Ich denke schon, dass wir irgendwo am Limit liefen und das Maximum herausgeholt haben. Ich habe aber auch im Vorfeld immer wieder gesagt, dass andere Teams mithelfen müssen, sie dürfen nicht gerade ihre beste Phase haben. Man muss dann aber auch bereit sein, dies auszunützen, und das waren wir. Ich denke schon, dass wir eine gewisse Qualität haben. Es ist eine Kontinuität da, eine Stabilität, und das ist auch eine Form von Qualität.

Blicken wir voraus. Mit welchen Zielen steigen Sie in die neue Saison?
Die oberste Priorität hat der Ligaerhalt. Daran wird sich auch in der neuen Saison nichts ändern. Alles andere wäre fatal, das wäre, als ob wir in einer Scheinwelt leben wollten. Diese realistische Denkweise hat uns auch ausgezeichnet, das ist kein Understatement, das ist Realität.

Sobald irgendwo ein Trainerjob frei wird, fällt ihr Name. Ehrt Sie das?
Es ist eher ein Zeichen der Wertschätzung und ein Zeichen, dass ich mich auf dem richtigen Weg bewege. Ich durfte ja auch den Titel als bester Trainer entgegennehmen, ohne die Unterstützung meines Umfelds wäre dies nicht möglich gewesen. Ich brauche Leute, die mithelfen, sei es im Klub oder in meinem privaten Umfeld, sonst würde es überhaupt nicht funktionieren. Dieser Titel hat mich unheimlich gefreut, und es ist auch nicht selbstverständlich bei Kontrahenten wie Paulo Sousa und Urs Meier. Und es freut mich noch mehr, wenn ich ein Thema bei einem anderen Verein werde. Ich verliere deswegen meinen Fokus aber nicht und beginne nicht etwa zu träumen. Ich mache mir überhaupt keine Gedanken, was sein könnte. Ich lebe im Jetzt, und das Jetzt ist der FC Thun, und da werde ich alle Energie hineinstecken. Wenn ein Name genannt wird, ist immer viel Spekulation dabei.

Das tönt nicht nach einem baldigen Abgang.
Überhaupt nicht. Was ich sagen kann: Im Moment ist da nichts. Kein anderer Verein und auch sonst niemand hat mit mir gesprochen, also muss ich mir auch keine Gedanken machen. Aber es ist schön, wenn man wahrgenommen wird. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es interessiere mich gar nicht. Aber noch einmal: Ich allein könnte es nicht bewerkstelligen, ich brauche meine Leute um mich herum. So wie hier meinen Staff, die Kollegen, mit denen ich täglich zusammenarbeite, Ändu (Gerber) und Märk (Lüthi), und noch viele Leute.

Es müsste also einiges passieren, damit Sie eine andere Option prüfen würden?
Ja, natürlich. Ich weiss, was ich hier habe, es passt hier, und das beruht auf Gegenseitigkeit. Mir gefällt es, es sind gute Leute, es fägt, es macht Spass, es gibt aus meiner Sicht eigentlich keinen Grund, wegzugehen. Nur, es ist auch klar: Falls ein interessantes Angebot kommen sollte, werde auch ich mir meine Gedanken machen, und dann schauen wir, wie der Entscheid ausfallen wird. Aber nochmals: Ich mache mir keine Gedanken über Dinge, die eventuell eintreffen könnten. Ich mache mir Gedanken über das nächste Spiel gegen Aarau, das wir gewinnen müssen, damit wir aus eigener Kraft Platz 3 erreichen können. Und dann gilt es auszuschnaufen, es geht ja schon bald mit der neuen Saison los, in vielen Bereichen sind wir ja schon voll in der Planung.

Wie werden Sie Ihre Ferien verbringen?
Ich werde sie einfach nur geniessen, es sind die einzigen freien 14 Tage von Januar bis Dezember. Ich werde ein paar Tage mit meiner Frau verreisen und den einen oder anderen Tag meinem Hobby frönen, dem Fischen. So wie eigentlich immer. Dann geht es schon wieder los. Wir wollen ja ambitioniert bleiben und uns bestätigen. Diese 14 Tage werden sehr wichtig, und ich werde sie in vollen Zügen geniessen.

Berner Zeitung

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