Noten: Shaqiris Steigerung zur Gala

Nach schwacher erster Halbzeit steigerten sich die Schweizer Fussballer im EM-Achtelfinal gegen Polen deutlich. Trotz überzeugender Vorstellung jubelte am Ende aber der Gegner nach einem Elfmeterschiessen.

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Fabian Ruch

Yann Sommer: Note 5 Wurde von den Mitspielern immer wieder in Bedrängnis gebracht mit teilweise gefährlichen Rückpässen. Beim Gegentor chancenlos, sonst sicher bis stark. Hielt beispielsweise den Schuss von Torschütze Blaszczykowski in der 53. Minute brillant. Im Elfmeterschiessen mehrmals nahe dran.

Stephan Lichtsteiner: Note 4 Erneut kein besonders gelungener Auftritt des Rechtsverteidigers, mit schwachen Hereingaben. Und als man schon dachte, Lichtsteiner werde an dieser EM keine Flanke zu einem Mitspieler bringen, verirrte er sich auf der linken Seite und bereitete das 1:1 durch Shaqiri vor. Defensiv mit Routine und ordentlichem Stellungsspiel.

Fabian Schär: Note 4.5 Relativ stabile Vorstellung, meistens souverän. War überrascht, erhielt er kurz vor der Pause nach einem Eckball eine exzellente Kopfballgelegenheit. Sehr grobes Foul gegen Robert Lewandowski an der Mittellinie, da hätte er auch die Rote Karte sehen können. Wäre im Viertelfinal aber ohnehin gesperrt gewesen.

Johan Djourou: Note 2,5 Fürchterlicher Rückpass nach zwanzig Sekunden auf Sommer, den Arkadiusz Milik beinahe zum frühen 1:0 für die Polen genutzt hätte. Auch danach mit ungenauen Zuspielen, wirkte unsicher, stabilisierte die Defensive selten, mit weiteren Aussetzern. Gegen harmlose Polen dann nicht mehr so stark gefordert.

Ricardo Rodriguez: Note 5,5 Der beste Schweizer Abwehrspieler. Traute sich etwas zu nach vorne, schoss einmal mit rechts beherzt aufs Tor. Ballsicher, clever, souverän. Starker Freistoss rund eine Viertelstunde vor Spielende, den Polens Keeper Lukasz Fabianski toll über die Latte lenkte. Verlor nie die Ruhe und die Übersicht.

Valon Behrami: Note 4.5 In seiner Rolle als Balleroberer stark. Ausser beim 0:1, als er sich von Kamil Grosicky düpieren liess, wobei der polnische Flügelstürmer bei seinem Dribbling auch das Glück beanspruchte. Die Polen liessen Behrami häufig gewähren, weil sie vor allem Xhaka gut zudeckten. In diesen Situation entwickelte der Aufbauer zu wenig Kreativität. Musste angeschlagen ausgewechselt werden.

Granit Xhaka: Note 4 Es war sein klar schwächster Auftritt an dieser EM. Probierte viel, oft am Ball, aber nicht mit jener Dominanz, die ihn zuletzt oft ausgezeichnet hatte. Beim ersten Gegentor zu zögerlich. Und zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einem groben Fehler, als er den Ball tief in der eigenen Hälfte an Jakub Blaszczykowski verlor. Danach aber steigerte sich Xhaka wie die Kollegen und war der gewohnt gute Ballverteiler. Im Penaltyschiessen scheiterte er als einziger, als er deutlich links am Tor vorbei schoss.

Xherdan Shaqiri: Note 5.5 Wirkte vor der Pause teilweise blockiert, brach die Dribblings zu oft ab, erfüllte die (hohen) Erwartungen wieder nicht. Bis zur Halbzeit. Danach deutlich auffälliger, ein guter Schuss in der 51. Minute, durfte nun endlich im Zentrum spielen. Und dann kam sein magischer Moment, das Traumtor der bisherigen Euro, sein fantastischer Seitfallrückzieher zum 1:1 in der 82. Minute. Shaqiri brillierte danach weiter, grossartiger Pass auf Derdiyok in der Verlängerung. Wurde zum «Man of the Match» gewählt. Bringt ihm auch nichts mehr. Der 25. Juni aber ist ein guter Tag für ihn. Vor genau zwei Jahren schoss er an der WM drei Tore gegen Honduras (3:0).

Blerim Dzemaili: Note 3.5 Mit einigen Abschlussversuchen, insgesamt aber zu wenig entschlossen. Dzemaili ist auf der Position des Spielmachers im 4-2-3-1 nicht perfekt aufgehoben, weil er zu wenig torgefährlich ist.

Admir Mehmedi: Note 3.5 Fleissig, aber ihm gelang wenig, war kein Faktor in der Schweizer Offensive. Es fehlte ihm an Geschwindigkeit, um an den Gegenspielern vorbeizukommen.

Haris Seferovic: Note 4.5 Erhielt ganz vorne kaum brauchbare Zuspiele, hing oft in der Luft. Kämpfte beherzt, aber es war nicht seine EM. Viel Pech bei einem Lattenschuss in der 78. Minute. Blieb aber ein Aktivposten im Schweizer Team.

Breel Embolo: Note 4.5 58. Minute für Dzemaili. Setzte seinen robusten Körper gut ein, aktiv, ohne aber zu grossen Torchancen zu kommen.

Eren Derdiyok: Note 4,5 70. Minute für Mehmedi. Kam sofort und gut ins Spiel, schirmte den Ball stark ab. Vergab kurz vor Ende der Verlängerung mit dem Kopf eine ausgezeichnete Chance, als Fabianski stark parierte. Kurz darauf stand er wieder knapp vor dem 2:1 für die Schweiz.

Gelson Fernandes: Note 4,5 76. Minute für Behrami. Die Arbeitsbiene fügte sich gut ins Spiel der zu diesem Zeitpunkt und bis Ende der Partie deutlich überlegenen Schweizer ein.

Berner Zeitung

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