Musterbeispiel für eine gelungene Karriere

Der 28-jährige Stephan Lichtsteiner hat sich zu einem der besten Rechtsverteidiger Europas entwickelt.

Robust auch gegen die Weltbesten: Stephan Lichtsteiner (rechts), hier im Zweikampf mit Deutschlands Stürmer Miroslav Klose.

Robust auch gegen die Weltbesten: Stephan Lichtsteiner (rechts), hier im Zweikampf mit Deutschlands Stürmer Miroslav Klose.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Missratene Karriereplanungen von Schweizer Nachwuchshoffnungen gibt es zahlreiche, es sind Sünden in einem Business, in dem zu viele zu oft zu schnell ans rasche Geld denken. Und dann landen die jungen Fussballer bald im Ausland, sitzen unglücklich auf Ersatzbank oder Tribüne und verpassen einen entscheidenden Teil ihrer Entwicklung. Das nette Bankkonto mag tröstlich sein, aber manch eine vielversprechende Laufbahn erlitt in den letzten Jahren einen bitteren Knick.

Bei Stephan Lichtsteiner ist das anders. Er war als Junior keine überragende Begabung, er stand in der Schweiz stets irgendwie im Schatten anderer, aber heute gilt sein Werdegang als Musterbeispiel. Und es spielt keine Rolle, dass oft wilde, von Beratern gestreute Transfergerüchte kursierten. «Ich denke», sagt Juventus-Spieler Lichtsteiner am Donnerstagmittag in Ljubljana, «dass ich sehr zufrieden mit meiner Karriere sein darf.»

Mit 21 Jahren zu Lille

Stets ein bisschen unter dem Radar der Öffentlichkeit arbeitete Lichtsteiner an sich, sein Weg führte ihn von GC, wo er 2003 Meister geworden war, 2005 und bereits mit 21 Jahren nach Lille. Das ist keine übermässig feine Adresse, aber in der Ligue 1 konnte Lichtsteiner drei Jahre prächtig reifen und seine Defizite bekämpfen. Beharrlich. Ehrgeizig. Erfolgreich. Und relativ unbemerkt von der Fussballschweiz.

Ja, und heute bestreitet Stephan Lichtsteiner sein 50.Länderspiel. Er ist längst zur unumstrittenen Stammkraft in der Auswahl aufgestiegen, aber angenehm zurückhaltend geblieben. Lichtsteiner, seit 2011 bei Juve engagiert, ist kein Fussballer der lauten Töne. «Sicher ist das ein schönes Jubiläum», sagt der 28-Jährige, «aber wichtiger ist, dass wir gegen Slowenien gewinnen.»

Er habe ein sehr gutes Gefühl beim Nationalteam, die Mischung stimme. «Und wir haben heute eine Mannschaft, die in jeder Partie viele Torchancen kreieren kann», sagt Lichtsteiner. «Wir sind zwar im Schnitt kleiner geworden und nicht mehr so stark bei Eckbällen und Freistössen, aber dafür können wir offensiv schneller und besser spielen.»

Das Lob von Benaglio

Stephan Lichtsteiner läuft es gerade ausgezeichnet, vielleicht ist er derzeit der erfolgreichste Schweizer Fussballer. Nationalgoalie Diego Benaglio bezeichnete ihn kürzlich als «Weltklasseverteidiger». Lichtsteiner spricht zwar während des Medientermins in Ljubljana leise, teilweise flüstert er sogar, aber er ist durchaus selbstbewusst: «Ich bin mit Juventus zuletzt Meister geworden und habe den Supercup gewonnen, meine Leistungen sind meistens gut. So schlecht ist das alles wirklich nicht.»

Aus dem früher manchmal zappeligen Unsicherheitsfaktor ist einer der besten Rechtsverteidiger des Kontinents geworden. Jüngst vernahm man Meldungen, das neuschwerreiche Paris Saint-Germain wolle über 20 Millionen Franken für Lichtsteiner an Juventus überweisen. Noch spielt der Innerschweizer in Turin. Und doch würde es nicht erstaunen, wenn in dieser fantastischen Laufbahn nach den Stationen Luzern, GC, Lille, Lazio Rom und Juventus noch ein Königstransfer folgen würde.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt