Mit meisterlicher Mischung

YB setzt sich beim Dritten St. Gallen in einer spektakulären Partie mit 4:2 durch. Die Young Boys re­agieren beeindruckend auf eine kurze Schwäche­phase vor der Pause.

<b>Fast alle freuen sich:</b> Die YB-Ersatzspieler jubeln über Miralem Sulejmanis Traumfreistosstor. Trainer Adi Hütter übt eine Freistosspose.

Fast alle freuen sich: Die YB-Ersatzspieler jubeln über Miralem Sulejmanis Traumfreistosstor. Trainer Adi Hütter übt eine Freistosspose. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Genau so kann ein Bewerbungsspiel für den Meistertitel aus­sehen. Oder mindestens eine Bewerbungshalbzeit. 4:2 gewinnen die Young Boys am Sonntag beim Tabellendritten St. Gallen, es ist ein überzeugender Auftritt, nach der Pause gar ein überragender, den die Gäste am Ende auch mit 7:3 hätten für sich entscheiden können. Sie haben erneut eine prächtige Visitenkarte abgegeben, für die auch ihr Trainer Adi Hütter dezent lobende Worte findet: «In der zweiten Halbzeit hat mir unsere Leistung sehr gut gefallen. Wir waren insgesamt die bessere Mannschaft und haben dieses schwierige Auswärtsspiel verdient gewonnen.»

Auf und Ab vor der Pause

YB-Spiele bereiten den Zu­schauern derzeit sehr viel Spass. Den eigenen Supportern ohnehin, aber auch den neutralen Besuchern. In St. Gallen ent­wickelt sich erneut sofort eine rasante Begegnung, es ist ein Spektakel mit vorerst effizienten Young Boys.

Loris Benito erzielt in der 12. Minute das 0:1, danach ver­geben Christian Fassnacht, Guillaume Hoarau und Roger Assalé ausgezeichnete Möglichkeiten, die Veranstaltung vermutlich früh zu entscheiden. Ab Mitte der ersten Halbzeit wehren sich die leidenschaftlichen St. Galler auf einmal entschlossen, sie sorgen bemerkenswerterweise vor allem mit langen Bällen für ungewohnte Unruhe im YB-Sicherheitsdienst.

Aus dem Spaziergang für die Young Boys wird plötzlich ein Schwimmfestival, der souveräne Leader wackelt zwischenzeitlich wie selten in dieser Spielzeit. Die Gastgeber erzielen zwei herrlich herausgespielte Treffer, jeweils abgeschlossen mit einem feinen Flachschuss. Zuerst durch Peter Tschernegg (33. Minute), dann durch Roman Buess (42.). «Es ist uns gelungen, YB zu verun­sichern», sagt St. Gallens Coach Giorgio Contini. «Leider haben wir es nicht geschafft, das 2:1 in die Pause zu retten.»

Die für einmal taumelnden Young Boys schlagen noch unmittelbar vor Ende der ersten Halbzeit zurück. Miralem Sulejmani versenkt einen Freistoss, den er selber herausholte, mit einer Grandezza, wie sie in der Super League nur der brillante Serbe zelebrieren kann. Er hebt den Ball von der Strafraumgrenze elegant in den rechten Torwinkel. Giorgio Contini würdigt die Sonderklasse von Sulejmanis linkem Fuss mit einem hübschen Bonmot: «Für ihn war dieser Freistoss ja fast wie ein Elfmeter.»

Hütter reichte Team die Hand

In der Analyse der grandiosen ersten Halbzeit müssen natürlich die defensiven Mängel der Young Boys erwähnt werden. «So geht das nicht», sagt Adi Hütter. Der YB-Trainer erzählt, er habe in der Pause ein Team vorgefunden, das ein wenig «am Boden lag». Also sei er nicht laut geworden, sondern habe den Spielern «die Hand gereicht» und ihnen ruhig erklärt, dass man mit solchen Auftritten sicher nicht Meister werde. «Wir waren für kurze Zeit nicht aggressiv und konzentriert genug», sagt Hütter.

Offensichtlich wählte der Österreicher die richtigen Worte. In der zweiten Hälfte fahren die Young Boys wie eine Dampfwalze über die müden St. Galler, sie markieren aussergewöhnliche physische Präsenz, ab und zu ist die Spielweise gar ruppig. «Wir haben vor der Pause zu viel Kraft benötigt», sagt St. Gallens Coach Contini. «YB hatte mehr PS.»

Während YB mindestens einen Gang höher schaltet und auf dem Spielfeld höher steht, fallen die St. Galler auseinander. Sie wissen kaum mehr, wie sie sich schützen sollen vor den stürmischen Berner Attacken. Selbstverständlich trifft Goalgetter Guillaume Hoarau bald, das ist in der 49. Minute, und nur kurze Zeit später gelingt Sékou Sanogo nach einem Eckball das 2:4. Es ist nach der Pause eine Demonstration der Stärke, die erfolgreichen Young Boys präsentieren ihre ganze Qualitätspa­lette – von Miralem Sulejmanis Aussenristpässen zu Kevin Mbabus Grätschenfestigkeit, von ­Roger Assalés Hochgeschwindigkeitsdribblings zu Hoaraus Kaltblütigkeit. Es ist eine meisterliche Mischung vor würdiger Kulisse in der mit über 17 500 Be­suchern beinahe ausverkauften St. Galler Arena. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.04.2018, 06:20 Uhr

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