Mehr Offensivkraft gefordert

Mit einem Heimsieg gegen Luzern könnte der FC Thun am Dienstag sein sehr gutes erstes Meisterschaftsviertel veredeln.

Aufgepasst auf den FC Luzern: Urs Fischer weiss, dass die Partie gegen den FC Luzern kein Selbstläufer wird, gerade weil dieser in der Krise steckt.

Aufgepasst auf den FC Luzern: Urs Fischer weiss, dass die Partie gegen den FC Luzern kein Selbstläufer wird, gerade weil dieser in der Krise steckt.

(Bild: Andreas Blatter)

Es wäre der offensichtlichste Motivationstrick für Urs Fischer. Der Thuner Trainer müsste die Seinen vor dem Spiel am Dienstag gegen Luzern (Stockhorn-Arena, 19.45 Uhr) einfach an den letzten Vergleich erinnern, um zusätzliche Energie freizusetzen. Zur Erinnerung: Am 18. Mai waren sich die beiden Teams gegenübergestanden, den Thunern hätte auswärts in der letzten Runde ein Unentschieden zur erneuten Qualifikation für die Europa League gereicht.

Daraus wurde aber nichts, der FCL siegte sicher 3:0 und holte sich so seinerseits das letzte internationale Ticket. Fischer wird aber nicht zu diesem Trick greifen: «Wen interessiert heute noch, was vor vier Monaten war?», fragt er rhetorisch.

Besser als die Resultate

Seit jenem Sonntagnachmittag ist tatsächlich viel passiert: Die Thuner haben die zahlreichen gewichtigen Abgänge, die nun in Basel, Bern oder auch Luzern glänzen, unerwartet schnell verkraftet und sich in der Spitzengruppe etabliert, bei den Innerschweizern wurden die Hoffnungen hingegen nicht ansatzweise erfüllt. Der FCL scheiterte in der Startrunde der Europa-League-Qualifikation an den bescheidenen Schotten von St. Johnstone, liegt in der Meisterschaft nach null Siegen aus acht Spielen auf dem letzten Platz und erreichte am Samstag im Cup in Schaffhausen erst in extremis die Achtelfinals. Hätte sich nicht der ehemalige Thuner Marco Schneuwly in Topform gezeigt, sähe die Bilanz noch viel trister aus.

So schlecht, wie es die Tabelle insinuiert, ist das Team aber nicht. «Die Resultate täuschen», sagt Fischer, «der FCL wurde nicht gerade vom Glück bevorteilt und verfügt über ein gewaltiges Offensivpotenzial. Das Team hat sich in jedem Spiel zahlreiche Chancen erarbeitet.» Genau dieser Faktor wurde anfangs Saison hoch gewichtet, man schöpfte trotz ausbleibender Erfolgserlebnisse Zuversicht aus der Tatsache, dass man spielerisch überzeugte. Der Optimismus wich aber bald Pessimismus und harten Worten, Geduld zählt im FCL-Umeld nicht zu den stark entwickelten Tugenden. Für Thun wird es deshalb heute gegen das liebste Sportkind der Innerschweiz neben dem EV Zug nicht zwingend einfacher. «Ein verwundetes Tier wird auch unberechenbar», vergleicht Fischer, «aber man darf das auch nicht überbewerten. Das Spiel beginnt bei 0:0 und beide Teams werden mit positiven Emotionen auf den Platz kommen. Wir müssen uns aber wie immer vor allem auf uns konzentrieren.»

Klares Steigerungspotenzial

Da gab es zuletzt Punkte, die Fischer missfielen. Beim 1:2 in Aarau haben «wir insgesamt zu wenig gemacht» und gegenüber dem Cuperfolg in Lausanne erhofft er sich eine offensive Steigerung: «Wir müssen in der Offensive mehr provozieren, mehr Torchancen kreieren, die Eins-zu-Eins-Duelle suchen und im Strafraum präsent sein.»

Unabhängig vom Ausgang der Partie am Dienstag steht der FCT (wieder einmal) deutlich besser da, als es so manche Auguren erwartet hatten. «Wenn wir Luzern schlagen, fällt die positive Zwischenbilanz noch besser aus», sagt Fischer, warnt aber auch, «wir dürfen uns keinesfalls ausruhen.» Selbstzufriedenheit, das weiss auch Fischer, ist der Beginn vielen Übels, allerdings ist die Gefahr der Thuner, mit diesem Virus infiziert zu werden, eher klein.

Der Trainer sieht aber Steigerungspotenzial in verschiedenen Bereichen: «Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Linien muss noch besser werden, wir haben letzte Saison gezeigt, wozu wir fähig sind, wenn die Automatismen richtig greifen. Dann geht es auch um die individuelle Weiterentwicklung und für die Zuzüge darum, die neuen Gegebenheiten zu verinnerlichen. Wichtig ist mir auch, dass wir die Jungen richtig integrieren können, dass sie näher an die ersten elf heranrücken.» Motivation ist also für die heutige Partie genügend vorhanden, auch ohne Erinnerung an den 18. Mai.

Berner Zeitung

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