Mbabu will in der Provinz Fuss fassen

Kevin Mbabu hat bereits gegen Chelsea brilliert. Doch Verletzungen bremsten das grosse Talent. Bei YB will sich der 21-Jährige für höhere Aufgaben bewähren.

Kevin Mbabu?(links) debütierte letzten Sonntag im Cup gegen Bazenheid mit dem Fanionteam der Young Boys.

Kevin Mbabu?(links) debütierte letzten Sonntag im Cup gegen Bazenheid mit dem Fanionteam der Young Boys.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Bazenheid versprüht keinen Glanz. Das gilt selbstverständlich nicht für die Ortschaft im Toggenburg, sondern für den lokalen Fussballklub. Gegen den Zweit­ligisten debütierte Kevin Mbabu am letzten Sonntag mit dem ­Fanionteam der Young Boys. «Ich brauchte Zeit, um ins Spiel zu finden, spürte etwas Druck», hält der Genfer fest. Für einen 21-Jährigen ist diese Aussage eigentlich nicht ungewöhnlich.

In seinem Fall jedoch sieht es anders aus – vor einem Jahr hatte Mbabu in der Premier League mit Newcastle vor 50'000 Zuschauern gespielt. Viel Glanz also. Letztlich fand er in Bazenheid nach anfänglicher Nervosität ins Cup-Spiel, steuerte einen Assist zum 7:1-Sieg bei. «Das war gut fürs Selbstvertrauen.» Coach Adi Hütter gefiel der Auftritt des Debütanten: «Man hat gesehen, dass er ein robuster, laufstarker Spieler mit Potenzial ist. Er hat sich bei uns sehr gut integriert.»

Im BBC-Team der Runde

Seit einem Monat weilt Mbabu nun in Bern. YB hat ihn bis zum nächsten Sommer von Newcastle, das aus der Premier League abgestiegen ist, ausgeliehen. Noch muss sich Mbabu allerdings gedulden – was auch mit der Konkurrenzsituation zu tun hat. Die Verletzten und den in den Nachwuchs abgeschobenen Milan Vilotic eingerechnet, zählt die YB-Defensive 13 Spieler.

Doch der Aussenverteidiger, der links wie rechts eingesetzt werden kann, lässt sich nicht verunsichern. «Das ist für mich kein Problem. Du musst dich aufdrängen. Und wenn du vom Coach die Chance erhältst, musst du sie nutzen.» Hütter sagt dazu: «Er ist talentiert und wird sich bei uns weiterentwickeln. Aber man darf nicht vergessen, dass er zuvor ziemlich lange nicht gespielt hat.»

Mbabu wuchs im Genfer Vorort Chêne-Bougeries mit zwei Schwestern und einem Bruder in einer sportbegeisterten Familie auf. Der Bruder spielte einst mit Johan Djourou bei Étoile Carouge, die ältere Schwester im selben Basketballklub wie Clint Capela, der nun in der NBA für Houston aufläuft.

Als 17-Jähriger verliess Mbabu das Elternhaus, um nach Newcastle zu gehen. Beim Traditionsverein aus dem Nordosten Englands sollte er sich über das Reserveteam für höhere Aufgaben empfehlen. «Am Anfang war das nicht einfach, ohne Familie und Freunde in einem Land, wo du die Sprache nicht verstehst», erzählt er. «Aber danach habe ich mich an die intensiven Trainings gewöhnt, viel gelernt, ich bereue nichts.»

Einzig mit dem zuweilen garstigen Wetter auf der Insel konnte sich Mbabu nie anfreunden. Immer sei der Himmel wolkenbedeckt gewesen, «und es kam vor, dass du die vier Jahreszeiten an einem Tag erlebt hast».

Und dann kam der grosse Tag. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als Mbabu von Coach Steve McClaren erfuhr, dass er gegen Chelsea in der Startaufstellung stehen würde – eine Stunde vor dem Anpfiff. «Vor dem Spiel war ich sehr gestresst, fragte mich, was ich gegen diese Weltklassespieler bloss machen soll.» Die Antwort: Beim 2:2 meldete Mbabu den Spanier Pedro ab, wurde dafür von der BBC ins Team der Runde gewählt. «Am Anfang war das schwer zu realisieren», sagt er.

Traum ist wahr geworden

Heute sieht er dieses Spiel als Belohnung für die vielen Verletzungen an, mit welchen er in England zu kämpfen hatte. «Deshalb haben mir den Schritt in die Premier League nicht viele Leute zugetraut.» Das Glück indes war von kurzer Dauer.

Nach drei Einsätzen mit Newcastle fiel der Genfer bereits wieder aus. Angesprochen auf den Grund für die vielen Blessuren, sagt Mbabu, er sei physisch noch nicht stark genug gewesen. «Mittlerweile weiss ich genau, was es braucht», sagt er. «Wichtig ist, eine Saison ohne Verletzungen zu absolvieren.»

Für ihn sei mit dem Debüt gegen Chelsea ein Traum wahr geworden. «Aber das war hoffentlich erst der Anfang. Ich hoffe, noch oft in dieser Liga spielen zu können.» Um sich für höhere Aufgaben aufzudrängen, benötige er indes eine gute Saison und viele Einsätze mit den Young Boys. Und sei es in der Fussballprovinz – ganz ohne Glanz.

Berner Zeitung

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