Fussballverband wird mit Cornflakes überschwemmt

Nach dem Kult-Interview eines deutschen Drittligisten ermittelt der DFB. Ein Fan protestiert kreativ dagegen.

Die Wutrede von Kaiserslautern-Profi Jan Löhmannsröben. Video: Tamedia.

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Manchmal genügt ein prägnanter Satz. Das kann ein romantischer sein, ein poetischer, emotionaler, humorvoller, trauriger, absurder, fieser, sarkastischer. Oder einer, der einfach nicht so nett ist. Wie dieser: «Wenn das ein Schiri ist, weiss ich nicht, Digga, dann soll der Cornflakes zählen gehen.»

Es war Anfang Monat, als sich Jan Löhmannsröben in Rage redete. Der Profi des 1. FC Kaiserslautern wollte nach dem 1:1 gegen Zwickau nicht wahrhaben, dass der Unparteiische zuvor in der Nachspielzeit einen Handspenalty gegen ihn gepfiffen hatte, obwohl er zuerst den Ellbogen des Gegenspielers ins Gesicht bekommen hatte. Also sagte er noch andere deutliche Sätze wie: «Da platzt mit die Krawatte, ehrlich.» Oder: «Keine Ahnung, was sich der Schiri da gedacht hat. Ich hoffe, der kann eine Woche nicht pennen.» Oder: «Soll er erst mal Kreisliga pfeifen und die Augen aufmachen. Das ist ja ne absolute Frechheit!»

Das Interview ging innert Kürze viral, über 600’000-mal wurde es inzwischen auf Youtube angeschaut. Auch der Deutsche Fussball-Bund (DFB) befasste sich damit und leitete eine Ermittlung gegen den defensiven Mittelfeldspieler ein. Löhmannsröben veröffentlichte via Club eine Stellungnahme, in der es unter anderem hiess: «Ich habe meinen Frust mit meinen Worten wiedergegeben, so rede ich. Ich bin kein Typ, der sich vor der Kamera verstellt. Aber ich wollte zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden beleidigen oder persönlich angreifen.»

Zeichen gegen Überreglementierung

Dass der DFB-Kontrollausschuss einschritt, missfiel Peter Hammerschmidt. Der 32-jährige Lehrer ist FCK-Anhänger und lancierte eine kreative Protestaktion. Er rief dazu auf, dem DFB Cornflakes-Packungen zukommen zu lassen. «Wenn Emotionen im Fussball keinen Platz mehr haben dürfen, müssen wir Fans einschreiten», sagte er gegenüber der «Welt». Es sollte ein Zeichen gegen die «seit Jahren übertriebene Reglementierung» vonseiten des DFB sein.

Damit traf der Initiant einen Nerv. Fussballfans aus ganz Deutschland machten mit. Am Mittwoch standen über 700 Packungen, verteilt auf sieben Rollcontainer, vor der DFB-Zentrale in Frankfurt, später kamen weitere dazu. Der Verband nahm die Angelegenheit gelassen und verkündete über seinen Twitter-Kanal, man werde die Cerealien spenden.

Tags darauf publizierte der DFB das Resultat der Zählung und schrieb, dass 447 Schachteln definitiv gespendet werden können.

Das Urteil des Kontrollausschusses im Fall Löhmannsröben ist übrigens noch ausstehend. Vielleicht wäre die passende Strafe für den Drittliga-Fussballer ja diese: einen Tag lang Cornflakes zählen. Wobei eine Frage nach wie vor ungeklärt ist: Wie kam er überhaupt auf Cornflakes? (kai)

Erstellt: 14.09.2018, 15:17 Uhr

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