Kommentar: Wie ein Meistertitel

Der FC Thun spielt nächste Saison europäisch. Sportredaktor Marco Keller über die Meisterleistung der Oberländer.

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Platz 3, drei Runden vor Schluss die Europa-League-Qualifikation gesichert und das gesamte Establishment mit Ausnahme der in ganz anderen Dimensionen operierenden Basel und YB auf Distanz gehalten: Der FC Thun hat einmal mehr landesweit verblüfft und hätte neben Basel einen zweiten Meisterpokal verdient.

Im Sommer 2014 hätte wohl nicht einmal der kühnste Optimist solches zu träumen gewagt. Thun hatte ebenfalls am Leistungslimit gespielt, das europäische Ticket aber nach null Punkten aus den letzten drei Partien in extremis verpasst. Im Sommer folgte der grosse Exodus, zahlreiche Leistungsträger und total 70 Skorerpunkte verliessen den Verein, im Winter noch dazu Christian Schneuwly.

Ersetzt wurden sie durch Spieler, die in der Super League keinen Stammplatz hatten, oder solche aus unteren Ligen. Die sportliche Leitung um Urs Fischer und Andres Gerber, aber auch die Mitspieler sorgten für eine reibungslose Integration. Daneben beherzigte Thun eine Regel aus dem Tennis, nämlich, dass dasjenige Team gewinnt, das weniger «unforced errors» begeht. Und das gilt nicht nur auf dem Platz. Thun leistet sich, im Wissen um die herrschenden Rahmenbedingungen, praktisch keine solchen unerzwungenen Fehler und teilt dies nur noch mit Basel, verfolgt vom sich verbessernden YB.

Alle anderen Klubs, die eigentlich vor dem FC Thun liegen sollten – der Tabellenposition nach Zürich, Luzern, Sion, St.Gallen und GC – schienen hingegen die Unruhe gerade zu suchen, was sich auf Dauer zwingend auf die Mannschaft überträgt.

Irgendwann, so ist aus Thuner Sicht zu befürchten, wird sich der stetige Substanzverlust nicht mehr mit grossem Herz, Spielintelligenz, Systemtreue und smarten Entscheidungen allein kompensieren lassen. Bleibt zu hoffen, dass bis dahin die einzige grössere Baustelle, jene der Stadionsituation, geschlossen werden kann.

Berner Zeitung

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