Knall bei YB: Bickel und Kappeler müssen gehen

YB-Sportchef Fredy Bickel und Geschäftsführer Alain Kappeler verlassen das Unternehmen. Das hat der BSC Young Boys am Dienstag bekannt gegeben.

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«BSC YB passt seine Organisationsstruktur an»: Die Medienmitteilung, welche die Young Boys am Dienstagvormittag verschicken, ist viel brisanter als die Betreffzeile vermuten lässt. Sowohl Sportchef Fredy Bickel, als auch Geschäftsführer Alain Kappeler müssen gehen. Oder wie es in der Medienmitteilung heisst: «Sie haben sich entschlossen, das Unternehmen zu verlassen.»

Und weiter: «Die Trennung folgt in gegenseitigem Einvernehmen.» Dass diese personellen Wechsel freiwillig erfolgen, wirkt jedoch eher unglaubwürdig. Zumal auch geschrieben steht: «Die Besitzer und Investoren Andy und Hansueli Rihs begrüssen die Massnahmen, um die Strategie mit den Hauptzielen wirtschaftlicher und sportlicher Erfolg effizienter umzusetzen.»

Viel Aufwand, zu wenig Ertrag

Der anhaltende sportliche Stillstand – der Gewinn der letzten Trophäe liegt über 29 Jahre zurück – dürfte die ehrgeizige Investoren-Familie Rihs ebenso beunruhigt haben wie die Sockelverluste auf der Fussball-Bühne. Schon im Sommer haben die YB-Besitzer eine schlankere (Transfer-)Linie vorgeben, nun folgt die nächste Bereinigung.

Angesichts des für Schweizer Verhältnisse stattlichen finanziellen Aufwands bewegt YB im Tagesgeschäft seit geraumer Zeit zu wenig. Die Stagnation in der Super League missfällt den Geldgebern. Der Rückstand gegenüber dem Branchenprimus Basel ist trotz hohen Ausgaben nicht kleiner geworden - im Gegenteil. Nach drei Fehltritten innerhalb der ersten sieben Runden ist der Rückstand in der neuen Saison bereits auf neun Punkte angewachsen.

Auf europäischer Ebene hat die Nummer 2 des Schweizer Klub-Rankings dank dem Coup gegen Schachtar Donezk das Minimalziel erreicht und qualifizierte sich für die Europa-League-Gruppenphase. Haften bleibt indes, wie hilf- und konzeptlos sich YB im Champions-League-Playoff gegen Mönchengladbach vorführen liess.

Das 1:6-Debakel im Rückspiel im Borussia-Park dürfte in der internen Analyse durchaus die eine oder andere Frage aufgeworfen haben. Stimmt der Kurs noch? Weshalb ist eine nach wie vor teure Mannschaft international nur in Ausnahmefällen konkurrenzfähig? Wie sind Fehltritte gegen Lugano (1:2) und die in jenem Moment angezählten Grasshoppers (1:4) mit der immer wieder propagierten Leistungskultur zu vereinbaren?

Die generell schleppende Entwicklung fällt im Kernbereich nun direkt auf Bickel zurück. Der frühere FCZ-Meistermacher hat nach Einschätzung der Klubbesitzer seit seinem Comeback in Bern im November 2012 zu wenig bewegt. Der FCB blieb ausnahmslos ausser Reichweite und im Cup leistete sich YB während der zweiten Ära Bickels mehrere blamable Auftritte.

Bickels Nachfolger noch geheimgehalten

Bickels Nachfolger als Leiter Sport sei bestimmt, werde aber erst im Verlauf des Oktobers bekanntgegeben. In der Zwischenzeit führt die Sportkommission des Verwaltungsrates die Geschäfte – deren Leiter ist Urs Siegenthaler. Das Verwaltungsratsmitglied, das beim DFB zum Weltmeisterstab Jogi Löws gehört, zählt zu möglichen Kandidaten innerhalb des Vereins, genau wie etwa Talentmanager Christoph Spycher.

Die bis anhin getrennten Bereiche Sport und Kommerz werden zusammengelegt. Kappeler, seit über vier Jahren im operativen YB-Geschäft engagiert und Anfang 2014 zum CEO aufgestiegen, spielt in den neuen Plänen keine Rolle mehr. Anstelle des entmachteten Geschäftsführers wird Wanja Greuel befördert. Der studierte Betriebswirtschafter leitete vor dem erheblichen Umbau in der Teppich-Etage die Marketing- und Verkaufsressorts der Young Boys.

Fokus auf Nachwuchs

Die Gebrüder Rihs stünden «nach wie vor mit Leidenschaft» hinter dem Verein. «Wir erwarten aber, dass sich die sportlichen Ziele von YB nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten», lassen sie sich in der Mitteilung zitieren.

Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger deutet an, dass damit auch gemeint ist, künftig noch mehr auf Eigengewächse zu setzen: «Wir sind überzeugt, dass dieser Weg für eine Ausbildungsliga wie die Super League der richtige ist.»

Geschichte wiederholt sich

Nicht der erste abrupte Führungswechsel beim Berner Stadtklub: Im August 2010 sorgte die Absetzung von CEO Stefan Niedermaier für Schlagzeilen. Damals war auch die Rede von einer einvernehmlichen Vertragsauflösung. Sein Nachfolger wurde an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz ebenfalls präsentiert: Ilja Kaenzig.

Der vormalige Manager der Bundesligisten Bayer Leverkusen und Hannover 96 konnte sich jedoch nur zwei Jahre bei YB halten: Im Oktober 2012 war für ihn Schluss, weil er trotz Millioneninvestitionen die Erwartungen der Geldgeber nicht erfüllen konnte.

Mit Fredy Bickel übernahm per 1. Januar 2013 ein alter Bekannter die sportlichen Geschicke, war er doch von 1999 bis Ende 2002 schon einmal YB-Sportchef. In diesem Zeitraum schafften die Young Boys mit Trainer Marco Schällibaum den Wiederaufstieg ins Oberhaus, damals noch die Nationalliga A. «Wir freuen uns sehr. Bickel war unser Wunschkandidat», sagte Vereinspräsident Werner Müller im November 2012. Knapp vier Jahre später sieht die Welt anders aus. (mb/sda)

Erstellt: 13.09.2016, 10:43 Uhr

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Fredy Bickel muss YB verlassen

Fredy Bickel muss YB verlassen Bei YB kam es am Dienstag zum grossen Knall.Sportchef Fredy Bickel muss gehen. (13.09.2016)

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