Kleiner Zettel, grosse Wirkung

Ein Torschuss reichte den Oberländern zum Punktgewinn beim FC Vaduz. Das 1:1 war geprägt von spielerischer Magerkost.

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Die Matchuhr zeigte die 72.Minute an, als Ridge Munsy anstelle von Nelson Ferreira auf den Platz kam. Urs Fischer wollte die vorher so enttäuschende Offensive beleben, das 0:1 verhindern und damit die erste Saisonniederlage gegen den Aufsteiger nach zwei 1:0-Siegen. Munsys erster Weg führte aber nicht in die Spitze, sondern direkt zu Dennis Hediger. Der ehemalige Krienser übergab dem Captain einen Zettel mit Informationen, welche dieser rennend las, während der Ball bereits wieder im Spiel war. «Wir wollten das System etwas umstellen, und so konnte ich auch einen Blick darauf werfen», sagte Hediger, der das Papier dann unter den Stulpen verstaute. Absender des Zettels war natürlich Fischer. «4-3-3 stand darauf mitsamt den Namen», lüftete der Trainer nach Spielende das Geheimnis. Eine Umstellung, die nötig geworden war, weil die Thuner sich immer wieder die Zähne am Abwehrverbund ausgebissen hatten. Der Massnahme war rasch Erfolg beschieden. Hediger spedierte den Ball nach einem missglückten Befreiungsschlag per Kopf in den Sechzehner, Berat Sadik profitierte von einem Missverständnis zwischen Peter Jehle und Florian Stahel und spedierte den Ball abgebrüht als Lob ins Tor (77.).

141 Tage ohne Tor

Sadik küsste anschliessend den Boden, so gross war seine Freude. Verständlich, hatte er doch vorher 141 Tage auf seinen 9.Saisontreffer warten müssen. In den Schlussminuten hatte Thun ein territoriales Übergewicht, zu gefährlichen Chancen kamen die Oberländer aber nicht mehr. «Ich glaube, der Punkt ist verdient», sagte Fischer, «ich muss beiden Teams ein Kompliment machen. Sie haben versucht, Fussball zu spielen, obwohl das Terrain aus meiner Sicht unbespielbar war.»

Erst am Spieltag war die Unterlage vom Schnee befreit worden. Für die an Kunstrasen gewohnten Thuner war die Umstellung gross. «Wir wussten, dass es eine Zeit lang dauern würde, bis wir ins Spiel finden», befand Fischer, «aber sie waren dann in der ersten Halbzeit doch etwas gar dominant.» Ausser einem Kopfball von Pascal Schürpf, den Guillaume Faivre reflexschnell abwehrte, und einem etwas zu hohen Freistoss von Steven Lang kamen die Vaduzer aber nicht zu echten Möglichkeiten.

Verdient dann die Führung in der 52.Minute, nachdem gleich mehrere Thuner zu spät gekommen waren. Steven Lang setzte sich gegen Michael Siegfried durch, nach seiner Flanke kam Nicolas Hasler vor Nelson Ferreira zum Abschluss, und der Schuss des liechtensteinischen Nationalspielers, der meterweit am Tor vorbeigegangen wäre, wurde zur Idealvorlage für Franz Burgmeier.

«Nach dem Gegentreffer ging ein Ruck durch die Mannschaft», hielt Fischer fest. Kaum überraschend, dass dieser nach der Einwechslung von Marco Rojas erfolgte. Das Leichtgewicht, bei solchem Terrain kein Kandidat für die Startelf, stellte mit dem Spielgerät immer wieder Vernünftiges an. «Es waren wirklich nicht Marcos Bedingungen, aber er und auch Ridge haben ihre Sache sehr gut gemacht», lobte Fischer.

Der Rasen dürfte in den nächsten Wochen gegen YB, in Basel und gegen GC kein Problem mehr darstellen, ausser Väterchen Frost würde den Würgegriff noch massiv verstärken . Fischer will nicht weiter vorausschauen als auf das Derby: «Zuerst freuen wir uns über den Punkt. Gegen einen sehr spielstarken Gegner wie YB dürfte es dann auf Kunstrasen eine ganz andere Partie geben.» Traurig, das ist nach dem gestrigen Spiel klar, wäre darüber niemand.

Berner Zeitung

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