Keine falsche Bescheidenheit

Verteidiger Loris Benito gelingt in St. Gallen sein erstes Saisontor. Er bleibt in der YB-Euphorie ruhig.

<b>In Form:</b> Loris Benito.

In Form: Loris Benito.

(Bild: Christian Pfander)

Die Young Boys feiern den 4:2-Auswärtssieg im Kybunpark minutenlang mit ihren mitgereisten Anhängern. Und als die YB-Spieler später vom Feld laufen, sind ihnen Stolz und Freude anzu­merken. «Es ist grossartig, auch hier in St. Gallen von so vielen Leuten unterstützt zu werden», sagt Loris Benito. «Das haben wir verdient. Und auch unsere Fans haben es verdient, läuft es uns so gut.»

Benito erzielte in St. Gallen sein erstes Pflichtspieltor in dieser Saison, bei seinem Abschluss aus spitzem Winkel tunnelte er Verteidiger Silvan Hefti. «Es hat lange gedauert bis zum ersten Tor», sagt der Linksverteidiger, «aber ich bin ja nicht der Torjäger im Team.» Er fühle sich immer besser, agiere aktiver und offensiver, sagt Benito, bereits gegen Basel am Ostermontag (2:2) habe er eine sehr gute Chance vergeben.

Loris Benito ist ein angenehmer Interviewpartner, weil er bei seinen Antworten und Aussagen weit über das Fussballer-Standardrepertoire hinausgeht. Er formuliert verständlich, klug und mit langen Sätzen. Und er scheut sich nicht, Klartext zu sprechen.

Irgendwann am frühen Sonntagabend werden ihm die ständigen Fragen nach dem Meistertitel zu bunt. «Ihr habt mich vor vier Wochen gefragt, ihr habt mich vor zwei Wochen gefragt, ihr habt mich letzte Woche gefragt, ihr fragt mich heute», sagt er leicht und vielleicht auch spielerisch genervt, «und ich antworte immer gleich: Solange wir mathematisch noch nicht Meister sind, bringt es überhaupt nichts, wenn ich davon spreche, wann wir den Titel sicherstellen.» Sie seien nun mal gut ­damit gefahren, den Fokus aufs nächste Spiel zu legen.

Basels Minisieg in Lugano

Loris Benitos Zurückhaltung bezüglich kernigen Meisterformulierungen sei «keine falsche Bescheidenheit», stellt der 26-Jährige klar. «Ich kenne die Tabelle, unsere Chancen sind ausge­zeichnet. Und wenn wir achtmal in Serie Meister geworden wären, würden wir auch anders reden.»

Der Serienmeister aus Basel gewann am Sonntag in Lugano 1:0, obwohl Abwehrchef Marek Suchy bereits nach etwas mehr als 20 Spielminuten wegen eines Notbremsefouls am früheren YB-Stürmer Alexander Gerndt die Rote Karte gesehen hatte. Siegt der FCB am Mittwoch auch im Nachtragsspiel gegen Zürich, beträgt der YB-Vorsprung acht Runden vor Saisonende 13 Punkte.

Das ist mathematisch verspielbar, unbestritten, in der Realität aber kaum vorstellbar. Und auch Loris Benito gibt dann doch noch zu, einen persönlichen Meisterplan aufgestellt zu haben. Feiert YB also noch im April den Titelgewinn, Loris Benito? «Das ist sicher gut möglich», antwortet der Defensivspieler – und läuft schmunzelnd in die Kabine.

fdr

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