Kampf statt Kunst: GC und die Achse der Arbeiter

Kommentar

Die Grasshoppers besinnen sich im Triumph auf den Ursprung des Erfolgs. Der einstige Nobelclub kokettiert mit dem Kredo eines Arbeitervereins – Uli Forte lebt das als Trainer blendend vor.

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Sebastian Rieder@RiederSebastian

Es war ein surreales Bild für die Anhänger der Grasshoppers: GC an der Spitze der Super League. Für eine Nacht feierte der Rekordmeister nach dem 1:0 gegen den FC Zürich eine Art Wiedergeburt. Uli Forte umarmte nach dem Schlusspfiff alles was ihm in den Weg kam. Sein ansteckendes Grinsen löste sich erst, als er eine Viertelstunde später den Medienraum im Bauch des Letzigrunds betrat und aus Respekt vor Rolf Fringer ein wenig Besonnenheit aufkommen liess. «Es war ein glücklicher Sieg, es war keine Galavorstellung», sagte Forte mit ernster Miene ins Mikrofon.

Die Art und Weise wie der Trainer der Grasshoppers seine Worte wählte, liess deutlich durchblicken, dass ihn auch der prestigeträchtige Derbysieg nicht verdorben hatte. «Der Sieg freut mich vor allem für die Fans. Sie haben sich das so gewünscht.» Forte spricht von den vielen «Büezern» auf der Tribüne, die nun am Montagmorgen mit einem Lächeln zur Arbeit gehen können. Oder anders gesagt: Nobelverein war gestern, Arbeiterclub ist heute. Bodenständig beschrieb Forte auch den Sieg gegen den FCZ: «Es war ein harter Kampf und es brauchte harte Arbeit.»

Fortuna und Forte

Im Vergleich zum letzten Meistertitel 2003 brilliert das neue GC auf dem Platz mit Kampf statt Kunst. Fussballästheten dürfte das zwar nicht vollends befriedigen, dennoch könnte der Kontrast zur vergangenen Saison nicht grösser sein. Nur die Zwangsrelegation von Xamax und die Bestrafung des FC Sion mit 36 Minuspunkten verhinderten den Abstieg in die Challenge League. Fortuna und Forte haben den Erfolg bei GC zurückgebracht, aber das Glück hat bei GC auch noch andere Namen: Veroljub Salatic als Sechser, Stéphane Grichting und Milan Vilotic in der Innenverteidigung.

Die drei Neuzuzüge bilden die neue Achse der Arbeiter. «Wir haben viel mehr Stabilität in der Defensive. Das hat man auch gegen den FCZ gesehen. Aber am Schluss war der Sieg schon etwas glücklich», so Forte. Seine Wortwahl deutete darauf hin, dass ihm seine Mannschaft zwar viel Freude macht, er im Moment aber auch mit spielerisch bescheidenen Mitteln das Maximum herausholt. Der Preis für den Fleiss ist beeindruckend: Fünf Siege in Serie, alle zu Null, und alle mit einer unheimlichen Effizienz im Abschluss. «Wir haben uns mit den vielen Siegen selber ein Bein gestellt, jetzt müssen wir den Erfolg bestätigen», so Forte.

«Wir wollen uns oben festkrallen»

Angesprochen auf den Leaderthron fand der 38-jährige Italo-Schweizer auch kurz nach dem Derbysieg eine deutliche Antwort. «Die Tabelle interessiert mich nicht, das ist nur eine Momentaufnahme.» Forte sollte recht behalten, bereits am Sonntag holte sich St. Gallen mit einem 2:0 gegen Servette den Platz an der Sonne zurück. Aber bereits in einer Woche empfangen die Grasshoppers den FCSG im Letzigrund, es wird das Duell um die Tabellenspitze. Für Forte ein Luxusproblem, das er gerne mit einem verbalen Griff in die Werkzeugkiste löst: «Wir wollen uns oben in der Tabelle festkrallen.» Ganz der Arbeiter halt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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