Jugendlich, bernisch, dynamisch

YB absolviert eine miese Saison und liegt 29 Punkte (!) hinter Basel. Aber am Sonnstag präsentierten die Berner in Thun (2:2) neue Tugenden – und mit dem 17-jährigen Michael Frey ein Grosstalent.

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YB will ja nach gescheiterter, teurer Vorwärtsstrategie wieder bescheidener daherkommen. Und vor allem: jugendlicher, bernischer, dynamischer. Jugendlich und dynamisch wie beim 2:2 gestern in Thun die stürmischen Aussenverteidiger Alexander Gonzalez, 19 Jahre alt und aus Venezuela, sowie Jan Lecjaks, 21 und aus Tschechien.

Oder jugendlich wie Frey. Bernisch wie Frey. 17 Jahre und 6 Monate ist Michael Frey jung, der Stürmer wohnt bei seinen Eltern in Münsingen, wo er mit 5 Jahren im FC das Fussballspielen lernte. Nach zwei Saisons bei Thun wechselte Frey als 15-Jähriger zu YB. Gestern stand er – ausgerechnet in Thun – erstmals in der Super League im Kader («ein Traum ging in Erfüllung»), weil einige Stammkräfte ausfielen. Und in der 84.Minute wurde Frey für Raphael Nuzzolo eingewechselt, während auf der Gegenseite der über zweimal so alte Milaim Rama das Feld betrat. «Ich war nervös, zumal ich beim Einlaufen Kollegen auf der Tribüne erblickt hatte. Und auch meine Familie war im Stadion», sagt Frey. Der 21-jährige Bruder David spielte bei YB und steht im erweiterten Kader Thuns. «Aber als ich auf dem Rasen stand, spürte ich keine Aufregung mehr.»

YB-Fan schon als Bub

In seinen ersten zwei Aktionen teilte der kräftige Angreifer rustikal aus, und beinahe hätte der langjährige Nachwuchsnationalspieler und aktuelle U-19-Stürmer der Schweiz noch das 3:2-Siegtor erzielt. «Ich erwischte den Ball nicht richtig», sagt Frey, «aber die nächste Chance werde ich verwerten.» Selbstbewusst tritt der Teenager nach Spielschluss vor die Medien, freundlich, aber bestimmt fallen die Antworten aus. Seine Vorbilder seien Filippo Inzaghi, der für Milan just gestern das letzte Spiel bestritt, Mario Gomez und Zlatan Ibrahimovic. «Eine Mischung aus diesen drei Stürmern wäre perfekt», sagt Frey, der die Schule für Gestaltung in Bern besucht, verschmitzt. Freys Vertrag läuft bis 2014, YB plant laut CEO Ilja Kaenzig mit dem Talent: «Wir werden schauen, was für seine Zukunft am besten ist.» Frey erklärt, er sei schon als Bub ein grosser YB-Fan gewesen und habe Spiele und Trainings besucht: «Aber junge Stürmer brauchen Einsätze, und vielleicht wäre es auch gut, ginge ich ein Jahr in die Challenge League.» Aarau sei stark interessiert. Und dann: «Auch Marco Streller und Alex Frei wurden von Basel zuerst an Thun ausgeliehen, ehe sie sich bei ihrem Stammklub durchsetzten.» Der Junge weiss, was er will.

Raimondis Bekenntnis zu YB

Oder bernisch wie Mario Raimondi. Erstmals seit Monaten wurde er – ausgerechnet bei seinem früheren Verein Thun – gestern eingewechselt. In 25 Minuten hinterliess der 31-Jährige einen guten Eindruck. «Das war wunderbar. Es freut mich, konnte ich überzeugen», sagt Raimondi. Ob er bei YB bleiben darf, ist offen, sein Vertrag ist bis 2013 datiert. Raimondi sagt, er möchte mindestens noch ein Jahr in der Super League spielen. «Am liebsten bei YB.»

Oder bernisch wie Christoph Spycher. Der Routinier steht nicht wie Frey am Anfang, sondern wie Raimondi im Herbst seiner Karriere. Der 34-Jährige bewies erneut seinen Wert als Elfmeterschütze. «Unsere Leistung war gut», sagt Spycher, «wir müssen uns aber in der Abwehr steigern.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2012, 08:06 Uhr

Junger Berner: Michael Frey, 17 Jahre jung, spielte erstmals für YB. (Bild: Patric Spahni)

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