Ist der Einfluss von Red Bull zu gross?

Leipzig und Salzburg werden vom Energydrink-Giganten Red Bull ­alimentiert – und sind erfolgreich. Aber dürfen beide Klubs nächste Saison an der Champions League teilnehmen?

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Es ist eine heisse Debatte in Europas Fussball, und klar ist nur, dass eine Entscheidung erst Ende Saison fallen wird.

Es ist so: Gemäss Regularien des Europä­ischen Fussballverbandes (Uefa) darf ein Investor nicht bei zwei Vereinen, die im Europacup starten, massgeblichen Einfluss nehmen. Als Definition gilt dabei gemäss Financial Fairplay der Uefa ein Anteil von 30 Prozent oder mehr an den Gesamteinnahmen.

Unerwartet früh wird Red Bulls Fussballoffensive mit dieser Problematik konfrontiert. Denn seit letztem Wochenende steht bereits fest, dass der sensationell starke Bundesligaaufsteiger Rasenballsport Leipzig die Saison mindestens auf Rang 4 beenden und damit mit Sicherheit an der Champions-League-Qualifikation teilnehmen wird.

Vermutlich wird der von Red Bull alimentierte Klub in den letzten 5 Runden aber nicht mehr von Platz 2 verdrängt werden – und damit sogar direkt für die Königsklasse qualifiziert sein.

Nervosität bei Red Bull

Und weil Red Bull Salzburg sieben Spieltage vor Saisonende 14 Punkte Vorsprung auf Sturm Graz besitzt, wird Österreichs Primus mal wieder an der Ausscheidung zur Champions League teilnehmen. Qualifiziert hat sich Salzburg noch nie für die Gruppenphase, aber das spielt in dieser Diskussion keine Rolle.

Es geht darum: Dürfen Leipzig und Salzburg an der Champions-League-Kampagne 2017/2018 teilnehmen, obwohl beide Vereine von Red Bull massiv gefördert oder sogar geführt werden?

Hinter den Kulissen werden seit Monaten Gespräche geführt, die Stimmungslage ist hitzig, in den Medien wird darüber spekuliert, ob Leipzig der Zugang zur Champions League verwehrt wird. Denn werden zwei Vereine vom selben Besitzer dirigiert, muss jene Mannschaft zuschauen, die in der nationalen Liga schwächer klassiert war.

Die «Salzburger Nachrichten» berichteten vor ein paar Wochen, bei der Red-Bull-Fussballabteilung herrsche grosse Nervosität. Es gab Gedankenspiele, die Salzburger Fussballfiliale des Energydrink-Riesen vom Europacup zurückzuziehen, was aber nicht erlaubt ­wäre, weil sich Österreichs Serienmeister gemäss Teilnahmebedingung der nationalen Liga dazu verpflichtet hat, das kontinentale Startrecht wahrzunehmen.

Entflechtungsprozess

Die Protagonisten geben sich selbstredend entspannt. RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sieht die Teilnahme seines Klubs am Europacup nicht gefährdet. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir sehen gar keine Probleme auf uns zukommen», sagte Mintzlaff an einer Mitgliederversammlung.

Er ist nicht mehr weltweiter Koordinator aller Red-Bull-Klubs – angeblich nicht wegen möglicher Verstrickungen mit Salzburg.

Mintzlaff sieht nicht einmal eine Schwierigkeit, würden Leipzig und Salzburg in dieselbe Gruppe gelost werden. «Das wäre keine grosse Sache», sagte Mintzlaff, «in den letzten Jahren hat ein Entflechtungsprozess stattgefunden.» So habe Sportdirektor Ralf Rangnick seine Doppelfunktion aufgegeben, er sei nur noch für Leipzig verantwortlich.

Leipzigs Summen für Salzburg

Die Sache hat allen Beteuerungen zum Trotz einen Beigeschmack. Red Bull finanziert beide Klubs, ist aber in Salzburg nur noch als Sponsor aktiv. Dort wurden viele Sonderrechte des Dosenriesen zurückgefahren, es existiert bloss ein normaler Hauptsponsorvertrag. Auf dem Papier.

Die formale Trennung der Vereine wurde durchgeführt, und auch in Salzburg glauben die Entscheidungsträger, alles korrekt abgewickelt zu haben. Sportdirektor Christoph Freund ist überzeugt, dass einer Europacup-Teilnahme nichts im Weg steht: «Wir sind wirtschaftlich fit für die Zukunft.»

Allerdings profitierte Salzburg bei seinen Spielerverkäufen in den letzten Jahren im Volumen von über 100 Millionen Franken Ablöse ausgerechnet vom sehr grosszügigen RB Leipzig, der für rund 35 Millionen Akteure wie Naby Keita, Bernardo und Dayot Upamecano aus Salzburg holte – teilweise weit über damaligem Marktwert. Auch deshalb dürfte der offizielle Sponsoranteil von Red Bull unter 30 Prozent liegen.

Wer zahlt, der befiehlt

Anders sieht es in Leipzig aus, wo Red Bull den Transferrausch finanziert. Vor dieser Saison gab RB über 60 Millionen aus, in diesem Sommer wird die nächste Offensive auf dem Spielermarkt folgen – und damit erneut ein fettes Minus in der Jahresrechnung. Irgendwann wird Leipzig deswegen Probleme mit dem Financial Fairplay der Uefa und damit mit der Europacup-Startberechtigung bekommen.

Wobei diese Regelung, wonach grob erklärt jeder Verein nicht mehr ausgeben als einnehmen darf, höchst umstritten ist. Einige Klubs präsentieren astronomische, teilweise fiktive Sponsorenverträge, um die Rechnung ausgeglichen zu gestalten.

Letztlich gilt auch im Fussball: Wer zahlt, der befiehlt. Und so dürften Red Bull und die Uefa eine Möglichkeit finden, das Gesicht zu wahren. Der Europäische Fussballverband erklärte schon vor langer Zeit, er werde erst am Ende der Saison Stellung zur brisanten Angelegenheit nehmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.04.2017, 09:26 Uhr

Mastermind Rangnicks Strategie mit Talenten

RB Leipzig ist in Deutschland ein sehr umstrittenes Fussballprojekt, Traditionalisten kritisieren das Red-Bull-Konstrukt regelmässig schwer. In dieser Saison wurden Anhänger des Vereins bei Auswärtsspielen sogar attackiert. Zum Beispiel in Dortmund, wo der Traditionsklub Borussia die Massen seit Jahrzehnten bewegt.

Rasenballsport Leipzig dagegen wurde erst 2009 gegründet – und übernahm damals das Startrecht des SSV Markranstädt in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Seit dieser Saison spielt Leipzig in der Bundesliga. Und wie! Mit schwungvollem Offensivfussball steht der Aufsteiger auch nach 29 Runden souverän auf Rang 2, die Teilnahme an der Champions League ist wohl nur noch Formsache.

Baumeister des Aufschwungs ist Ralf Rangnick, ein Mastermind des Fussballs, der einst in ähnlicher Rolle bereits Hoffenheim dank schwerreichem Gönner aus den Niederungen der Drittklassigkeit an die Spitze der Bundesliga geführt hatte. Rangnick ist ein Allesmacher, ein Perfektionist, ein Pedant auch, tüftlerisch, smart, schwierig. Vor ein paar Jahren erkrankte Rangnick schwer an einem Burn-out, weil er kaum loslassen konnte von der Arbeit.

In Leipzig arbeitet der Schwabe ruhiger. Und der 58-Jährige krönt gerade seine faszinierende Karriere als Trainer und Sportdirektor, wobei die Millionen von Red Bull gewiss hilfreich sind. Das Konzept des Vereins sieht vor, vor allem junge, talentierte Kräfte zu verpflichten – wie zuletzt YB-Goalie Yvon Mvogo.

Ralf Rangnick hat ein sehr begabtes Ensemble zusammengestellt, einige Leistungsträger wie Naby Keita, Emil Forsberg oder Timo Werner werden irgendwann weiterziehen – und Leipzig gewaltige ­Einnahmen bescheren. Alle drei Spieler besitzen bereits heute einen Marktwert von über 30 Millionen Franken.

Und auch vor der nächsten Spielzeit wird Rangnick neben Mvogo weitere hochkarätige Jungstars holen. Letztes Jahr investierte Leipzig rund 60 Millionen Franken, diesmal werden es laut Rangnick etwa 40 Millionen sein. «Wir werden noch drei, vier Spieler verpflichten», sagte er nach der Verpflichtung Mvogos kürzlich.

Auf der Kandidatenliste der Leipziger stehen offenbar Nadiem Amiri (20) und Jeremy Toljan (22) von Hoffenheim, Wolfsburgs Maximilian ­Arnold (22), Dortmunds Matthias Ginter (23), Salzburgs Konrad Laimer (19) sowie Herthas Mitchell Weiser (22).

Auch YB-Youngster Denis Zakaria (20) wird von RB seit längerer Zeit intensiv beobachtet. Es sind alles junge, aufstrebende Kicker, die längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt sind. Sie passen perfekt ins Beuteschema Rangnicks.

RB Leipzig wird vermutlich noch jahrelang ziemlich viel Unverständnis – und manchmal sogar Hass – in den Bundesligastadien der etablierten Klubs entgegenschlagen. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Red Bull in Leipzig eine fussballerisch ziemlich tote und auch wirtschaftlich angeschlagene Region wiederbelebt hat.

Ostdeutschland jedenfalls ist endlich wieder prominent auf der Bundesliga-Landkarte vorhanden. Und der Energydrink-Gigant investiert auch viel Geld ins Trainingszentrum sowie generell in die Nachwuchsarbeit.

«Wir wollen in Leipzig», sagte Rangnick mal, «etwas hinstellen, das auch nach Red Bull funktioniert. Und das geht nur mit einem klugen Konzept. Wenn man starke Junioren hat, die man später einmal gewinnbringend verkaufen kann, ist das ein gutes Geschäftsmodell.»

Kluger Kerl: Ralf Rangnick. (Bild: Keystone )

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