«Ich lasse mich von Ali inspirieren»

Als Knirps hat Roland Hasler mitten in der Nacht die Boxkämpfe von Muhammad Ali verfolgt, heute ist der Trainer des FC Langenthal angetan von Davos-Coach Arno Del Curto. Hasler verrät, weshalb er ein Tagebuch einführte, und formuliert das Ziel für die Rückrunde in der 2.Liga interregional.

Der Mann im Hintergrund: «Wer tief in der Nacht Millionen von Menschen vor den Fernseher lockt, muss etwas ganz Besonderes sein. Das war Ali», sagt Roland Hasler. Der Trainer des FC Langenthal hat sich als Büroschmuck ein gerahmtes Bild von Muhammad Ali an die Wand gehängt.

Der Mann im Hintergrund: «Wer tief in der Nacht Millionen von Menschen vor den Fernseher lockt, muss etwas ganz Besonderes sein. Das war Ali», sagt Roland Hasler. Der Trainer des FC Langenthal hat sich als Büroschmuck ein gerahmtes Bild von Muhammad Ali an die Wand gehängt.

(Bild: Marcel Bieri)

Roland Hasler hat sich als Büroschmuck ein gerahmtes Bild von Muhammad Ali an die Wand gehängt. Unten am Rand steht: «Der Kampf wird weit entfernt von allen Zeugen gewonnen – im Verborgenen, im Gym, draussen auf der Strasse, lange bevor ich im Rampenlicht tanze.»

Das Lebensmotto der Boxlegende scheint den Trainer des FC Langenthal zu inspirieren. Alis Spruch passt auch wunderbar zum Rückrundenstart des Oberaargauer Zweitligaklubs interregional. Am Samstag (16 Uhr, Rankmatte) kann die Mannschaft von Roland Hasler gegen die Reserven des FC Wohlen zeigen, wie gut sie sich vorbereitet hat.

Mögen Sie Muhammad Ali?
Roland Hasler: Ja. Als Knirps stellte ich mitten in der Nacht den Wecker und schlich mich in die Stube. Dort verfolgte ich Alis grosse Kämpfe gegen Sonny Liston, Joe Frazier und George Foreman am Schwarzweissfernseher – ohne Ton, damit meine Eltern nicht aufwachten.

Was hat es mit Alis Spruch auf sich?
Wer tief in der Nacht Millionen von Menschen vor den Fernseher lockt, muss etwas ganz Besonderes sein. Das war Ali. Ihm war klar gewesen, wie er sich in Form bringen musste und mit welcher Taktik er seine Herausforderer besiegen konnte. Deshalb lasse ich mich gern von Ali inspirieren. Ich bemühe mich, im Training die Balance zwischen harten Einheiten und einer Prise Lockerheit zu finden. Wir wissen, dass wir im Ernstkampf die Quittung dafür erhalten, wie wir unter der Woche trainiert haben. Im Match wollen wir unsere gemeinsam erarbeiteten Ideen durchziehen. Wir passen uns nicht dem Gegner an.

Sie haben auch ein Zeitungsinterview mit Davos-Coach Arno Del Curto aufgehängt.
Ja. Mir ist dieser Mann sympathisch. Arno Del Curto verfolgt geradlinig seine Ideen. Er lässt sich nicht beeinflussen, weder von seinen Vorgesetzten noch von seinen Spielern. Er ist unbequem, nicht überall beliebt. Der Erfolg gibt ihm recht. Ich sehe mich in einer ähnlichen Rolle. Legt meine Mannschaft eine Siegesserie hin, ist es meine Aufgabe, keine Genügsamkeit aufkommen zu lassen. Niemand darf abheben. Um der Bequemlichkeit vorzubeugen, habe ich nach der Winterpause ein Trainingstagebuch eingeführt. Es trägt den Titel: «Ich bin da». Damit die Spieler nicht nur physisch präsent sind, sondern auch im Geist.

Eine erzieherische Massnahme?
Das würde ich nicht sagen. Das Trainingstagebuch unterstützt die individuelle Persönlichkeitsentwicklung. Das Buch liegt offen in der Kabine. Die Spieler müssen vor jedem Trainingsbesuch unterschreiben und sich nach jeder Einheit selbst benoten. Die Skala reicht von 1 bis 10. Im nächsten Training sehen die Spieler dann meine Zensuren. Manchmal korrigiere ich mit dem Stabilo-Stift in beide Richtungen (lacht). Auch die Messwerte der Spieler werden in der Garderobe offengelegt. So kann jeder sehen, ob er im roten oder im grünen Bereich trainiert hat.

Der FC Langenthal steht mit Wintermeister FC Bern punktgleich an der Tabellenspitze. Wo steht der FCL am Ende der Saison?
Das werden wir sehen. Wir stehen vor einer spannenden Rückrunde. Gegenwärtig liebäugeln fünf Teams mit dem Aufstieg in die 1.Liga Classic – der FC Bern, Team Aargau U-21, Schöftland, Moutier und der FC Langenthal. Der Aufstieg hat für uns nicht erste Priorität. Als ich im vergangenen Sommer den FCL übernahm, stellten die Verantwortlichen einen Dreijahresplan auf: im ersten Jahr der Neuaufbau, im zweiten Jahr die Konsolidierung, im dritten Jahr der Aufstieg. Wir liegen also besser im Fahrplan als vermutet.

Haben Sie die Mannschaft auf die Rückrunde verstärkt?
Ja. Wir haben zwei interessante Spieler verpflichten können: Stürmer Benny Igiehon vom FC Solothurn (1.Liga Classic, die Red.) und Innenverteidiger Serge Tonye vom FC Kreuzlingen (2.Liga Inter). Igiehon ist Brite, Tonye Franzose. Beide Spieler sind sehr athletisch, über 1,90 Meter gross und jung.

Müssen Sie Abgänge oder Verletzte beklagen?
Ja, leider. Stammverteidiger Thierry Wyss will es eine Liga höher beim SC Zofingen versuchen. Das verstehe ich gut. Christian Mattli fällt mit Hüftproblemen die ganze Saison aus. Auch Marko Mijatovic hat sich an der Hüfte verletzt. In den nächsten zwei Wochen kann ich jedenfalls nicht mit ihm planen.

Sind Sie in ein Trainingslager gereist?
Wir haben darauf verzichtet. Der schneearme Winter und zwei unermüdlich arbeitende Platzwarte erlaubten es uns, in Langenthal ohne Kompromisse zu trainieren. Um den Teamgeist zu fördern, besuchten wir vor zwei Wochen das Bundesliga-Spiel Freiburg gegen Augsburg.

Am Samstag empfängt der FC Langenthal den Letzten FC Wohlen U-23. Ein Sparringspartner zum Aufwärmen?
Nein! Ich warne davor, diesen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Tabelle kann manchmal täuschen. Ich erinnere an das Spiel vor einer Woche zwischen Sion und YB. Der Zweitletzte gewann gegen den Zweiten bekanntlich 3:0.

Berner Zeitung

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