«Ich bin fast mehr Thun als Ändu Gerber»

Die Erfolge des FC Thun sind vor allem mit Andres Gerber verbunden. Der Sportchef äussert sich vor dem Derby vom Sonntag (16 Uhr, Stockhorn-Arena) zur Ausgangslage, zum Finanzdruck und zu seiner Zukunft.

Hat gut lachen: Sportchef Andres Gerber steigt mit dem FC Thun einmal mehr auf Augenhöhe in ein Derby mit YB.

Hat gut lachen: Sportchef Andres Gerber steigt mit dem FC Thun einmal mehr auf Augenhöhe in ein Derby mit YB.

(Bild: Beat Mathys)

Wir sind in den Räumlichkeiten der BZ, also lasse ich Sie gleich mitarbeiten: Welchen Titel würden Sie über die Ausgangslage vor dem Derby setzen?Andres Gerber:Kurz und knapp würde ich sagen: Spannung garantiert.

Das kann man so sagen. Die beiden Berner Klubs treffen sich einmal mehr auf Augenhöhe, und viele sind erstaunt, dass die Stadtberner nicht vor euch liegen. Hätten Sie vor Saisonbeginn für diese Ausgangslage unterschrieben? Ja, das hätte ich. Erstens, weil wir doch einige gewichtige Änderungen hatten, und zweitens natürlich auch, weil man weiss, über welches Potenzial die Young Boys verfügen. Wenn man mir angeboten hätte, in der Tabelle zu diesem Zeitpunkt der Saison bei YB zu sein, hätte ich gesagt, das kann ja nicht schlecht sein.

Wenn man die jüngsten Offensivleistungen von Thun zum Massstab nimmt, darf man nicht mit einem Spektakel vonseiten Ihres Klubs rechnen. Wo liegen die Gründe für das Nachlassen? Die Leichtigkeit des Toreschiessens ist uns zuletzt etwas abhandengekommen. Gerade auch Berat Sadik gelingen nicht mehr so viele Tore wie noch zu Saisonbeginn. Vielleicht denkt er auch etwas zu viel nach, bei einem Stürmer ist das nur zu menschlich. Natürlich kann man aber die Schuld nicht Berat geben, es gibt auch andere Gründe. Man muss auch sehen, dass wir uns am Anfang über die Ausbeute sicher nicht beklagen konnten, jetzt ist es eher umgekehrt.

Die beiden Klubs pflegen ein gutes, man könnte fast sagen ein freundschaftliches Verhältnis. Wie wichtig sind die beiden Vereine füreinander? Sehr wichtig, ich würde sagen, füreinander gleich wichtig. Wir ergänzen uns hervorragend, obwohl das Gesamtpaket völlig unterschiedlich ist. YB ist ein echter Traditionsklub, da ist viel Geld im Spiel, die Erwartungen sind sehr hoch, sie haben ein grosses Stadion. Bei uns ist halt alles viel kleiner. Die Zusammenarbeit macht sehr viel Sinn, das haben die letzten Jahre bewiesen.

Es fehlen noch drei Spiele bis zum Ende eines aus Thuner Sicht sehr guten 2014. Der FCT hat aber auch «Big Games» verloren. Einige unglücklich, einige klar, vor allem Ende letzter Saison. Hat Thun das Optimum herausgeholt, oder wäre noch mehr möglich gewesen? Ehrlich gesagt wäre schon noch mehr möglich gewesen. Wir haben erst jetzt bestätigt bekommen, wie wertvoll ein Zuffi oder ein Sanogo waren. Sie sind national absolut top und waren letzte Saison noch bei uns. Da muss man sagen, dass wir die Europa League hätten erreichen müssen, und wir waren ja eigentlich auch schon drin. Ich würde sagen, in dieser Saison ist es bisher insgesamt okay.

Die finanzielle Seite ist ja ein grosses Problem. Trotz der Erfolge in der letzten Saison haben Sie nur dank eines Kraftakts überlebt. Heuer werden noch die Einnahmen aus dem Cup und vor allem der Europa League fehlen. Wie gehen Sie damit um, dass das Damoklesschwert generell über dem FCT hängt? Eine gute Frage. Es ist vor allem eine Mentalitätsfrage, man kann immer Angst haben. Man kann aber auch überzeugt sein, dass es gut kommt. Und das bin ich, ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Schade ist nur, dass ich trotzdem ein Aber anfügen muss.

Wieso? Ich kann nicht die Augen verschliessen und sagen, es interessiert mich nicht. Ich bin ja direkt betroffen und stehe auch irgendwo in der Verantwortung und weiss, dass es eng ist. Die Leute müssen spüren, dass wir überzeugt sind, dass es gut kommt. Die Zuversicht muss überwiegen, nicht die Angst und die Sorgen.

Die Sympathiewerte des FC Thun hängen auch stark mit Ihnen zusammen. Ihr Vertrag läuft bis 2017. Sind Sie unverkäuflich? Ich sehe mich total in Thun. Aber natürlich sag ich mittlerweile auch: Sag niemals nie. Man weiss ja nie, was alles passieren kann. Ich muss niemandem mehr sagen, was mir der Verein bedeutet. Ich fühle mich als Verein, bin ja fast mehr der FC Thun als Ändu Gerber. Das ist mein Leben, und ich werde auch so wahrgenommen. Meine Identität käme schwer ins Rütteln, wenn ich einmal nicht mehr da wäre. Für mich ist aber extrem wichtig, welche Leute ich um mich herum habe. Im Moment stimmt es, aber das

Berner Zeitung

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