Herrscher und Jäger als Hoffnungsträger

Mit den Verpflichtungen von Miralem Sulejmani und Loris Benito untermauert YB seine Ambitionen. Die Profis standen zuletzt bei Benfica Lissabon im Kader, spielten aber selten.

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Ins Deutsche übersetzt, bedeutet Miralem Herrscher. Und glaubt man Experten, so haben die Young Boys mit Miralem Sulejmani einen Leader mit ausserordentlichen Offensivqualitäten engagiert. Um den Serben zu beurteilen, reicht ein Augenschein im Training nicht aus. Bei seinem ersten Auftritt im Stade de Suisse am Dienstag jedenfalls gab er nicht den Befehlshaber – auf dem Rasen agierte Sulejmani eher zurückhaltend, im Gespräch wirkte er ruhig, hielt sich zunächst bedeckt.

Der 26-Jährige erwähnte den warmen Empfang, welcher ihm die Mitspieler gewährt hätten, die gute Adresse, welche YB sei, die Freude, welche er verspüre. Dinge, die ein Profi erzählen muss. Doch dann erzählte der technisch starke Flügel von seiner ersten Reise nach Bern, «das war vor sechs, sieben Jahren, als das Stadion noch fast neu war». Das serbische Nationalteam weilte in der Schweiz, «wir schauten uns Bern an, seither kenne ich YB». Und Sulejmani gab zu, vor der Übungseinheit «sehr nervös» gewesen zu sein. «Dass mit Milan Vilotic und Loris Benito zwei mir vertraute Gesichter hier sind, erleichtert vieles.»

Verteidiger und Vermittler

Bei Loris Benito handelt es sich um den neusten Zuzug. Am gestrigen Morgen wurde der Transfer vermeldet, kurz darauf stand der 23-jährige Linksverteidiger bereits auf dem Feld. Wie Sulejmani stiess der Aargauer von Benfica Lissabon nach Bern, Fredy Bickel meinte schmunzelnd, er kenne nun einige gute Restaurants in der portugiesischen Hauptstadt.

Benito hatte diverse Juniorenländerspiele absolviert, ist im letzten Herbst einmal ins A-Nationalteam berufen worden. Von 2012 bis 2014 war er beim FC Zürich engagiert; unvergessen bleibt sein Hechtsprung während einer Partie in Thun, mit welchem er einen sich in die Arena verirrten Marder einfing, von diesem gebissen wurde. Das Youtube-Video mit dem Marderjäger in der Hauptrolle ist rund zwei Millionen Mal angeklickt worden. «Seither sind die Marder im Oberland vorsichtiger unterwegs», meinte Benito lächelnd.

Er sei das Zünglein an der Waage beim Sulejmani-Transfer gewesen, sagte Benito nicht ohne Stolz, «ich habe Miralem den Wechsel nach Bern schmackhaft gemacht». Gemein haben die beiden, dass sie in Bern ein neues Kapitel aufschlagen. Bei Benfica konnte sich Benito nicht durchsetzen, kam nur auf 6 Einsätze. «Ich hatte mehr erwartet. Fussballprofi ist einer der schönsten Berufe, die es gibt. Umso bitterer ist es, wenn man diesen Job nicht ausüben darf.»

Das Abenteuer in Lissabon bereut er indes nicht – er wehrt sich vehement gegen das Image des Gescheiterten. «Kürzlich schrieb jemand, ich hätte eine miserable Saison hinter mir. Ein anderer berichtete von einem verlorenen Jahr. Ich frage mich: Kennen die Journalisten die portugiesische Liga überhaupt?» Benfica zähle zu den besten Klubs der Welt, «ich versuchte mit aller Kraft, mir einen Stammplatz zu erkämpfen».

Weihnachten und Neujahr

Nach einigen guten Darbietungen in der Super League wechselte Benito als junger Spieler ins Ausland, «wohl etwas zu früh», wie Fredy Bickel festhielt. Auch Sulejmani war im jungen Alter stark und begehrt; die rund 25 Millionen Franken Ablöse, welche er Ajax Amsterdam wert war, sind in Holland nach wie vor unerreicht. Der Serbe wurde einst höher gehandelt als der heutige Barcelona-Star Luis Suárez – und dennoch war auch er bei Benfica zuletzt nur Ergänzungsspieler.

Der Wechsel in die Schweiz sei ein neuer Karrierestart, sagte Sulejmani, der noch nicht hundertprozentig fit zu sein scheint. Bei YB gilt er als Hoffnungsträger, unter Druck gesetzt fühlt er sich jedoch nicht. «Ich weiss, wer ich bin und was ich kann.» In den letzten sechs Jahren gewann er stets einen Titel, «von meinem Selbstvertrauen will ich den Teamkollegen etwas abgeben». Vom Meistertitel als Ziel sah er jedoch ab. Das M-Wort nahm auch Benito nicht in den Mund, stellte aber klar: «Mit dem olympischen Gedanken kann ich wenig anfangen. YB hat Potenzial, dieses gilt es auszuschöpfen.»

Sulejmani hat für drei, der in der Defensive vielseitig einsetzbare Benito für vier Saisons unterschrieben. YB dürfte in ihren Planspielen dennoch nur Durchgangsstation sein. Wie auch immer, die Berner untermauerten ihre Titelambitionen. Im Zusammenhang mit den jüngsten Transfers erwähnte Trainer Uli Forte Weihnachten und Neujahr – doppelte Bescherung also. Und apropos Herrscher: «Bei uns herrscht nun ein toller Konkurrenzkampf.»

Berner Zeitung

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