Grosses Kader, enorm hohe Ziele

Die Young Boys gastieren am Sonntag bei Leader Basel (16 Uhr, St.-Jakob-Park). FCB-Identifikationsfigur Marco Streller verfolgt in seiner vielleicht letzten Saison enorm hohe Ziele.

Das Tor im Visier: FCB-Captain Marco Streller will in seinem vielleicht letzten Profijahr die gegnerischen Abwehrreihen (hier diejenige des FC Zürich) noch einmal durcheinanderwirbeln.

Das Tor im Visier: FCB-Captain Marco Streller will in seinem vielleicht letzten Profijahr die gegnerischen Abwehrreihen (hier diejenige des FC Zürich) noch einmal durcheinanderwirbeln.

(Bild: Keystone)

Favoriten kann man oft am ehesten im Anfangsstadium eines Events schlagen, wenn die Automatismen noch nicht funktionieren. Verständlich, dass die Super-League-Klubs heuer speziell auf dieses Phänomen hofften. Serienmeister Basel hat einen leichten Umbruch hinter sich, mehr als ein halbes Dutzend neuer Spieler mussten integriert werden, der Verlust der Nationalspieler Yann Sommer und Valentin Stocker verkraftet sowie der Trainerwechsel von Murat Yakin zu Paulo Sousa.

Doch der FCB zeigte keine Schwächen, obwohl die Vorbereitung nicht ideal verlaufen war, da einige Spieler wegen der WM fehlten. «Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell so viel Erfolg haben», sagt Marco Streller. Er lehnt sich zurück an diesem Mittwoch im Medienraum des St.-Jakob-Parks, so als ob er die bisherigen Partien Revue passieren lassen wollte. Dabei hätte er allen Grund zur Zufriedenheit: Der FCB hat fünf von sechs Meisterschaftspartien gewonnen und führt die Tabelle bereits an. Dies, obwohl es laut Streller bisher an Konstanz mangelte: «Phasenweise haben wir sehr gut gespielt, unser Potenzial angedeutet, phasenweise aber auch gar nicht gut. Ich bin aber froh, dass wir praktisch immer zehn Minuten gefunden haben, um zu reagieren.»

Abgänge hochkarätig ersetzt

Die Abgänge von Sommer und Stocker wurden kompensiert, teils mit hochkarätigen Zuzügen. Mit Luca Zuffi kam ein polyvalenter Mittelfeldmann aus Thun, Yoichiro Kakitani ist in Japan ein Popstar, zum Schluss wurde noch die argentinische Legende Walter Samuel verpflichtet, über ein Jahrzehnt lang bei der AS Roma, Real Madrid und Inter Mailand ein unüberwindbares Abwehrbollwerk. «Es erfüllt mich nur schon mit Stolz, mit ihm in der Kabine zu sein. Er ist der erfolgreichste Spieler, der je beim FCB war», sagt Streller ehrfürchtig.

Für ihn fast noch wichtiger war der Transfer von Ligatopskorer Shkelzen Gashi von GC. Streller ist voll des Lobes über seinen neuen Partner: «Er ist ein wunderbarer Mensch und völlig geerdet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit ihm so schnell eine Symbiose finde, wie ich sie mit Vali (Stocker, Red.) hatte.» Der Gewinn der Meisterschaft (und nach Möglichkeit des Cups) ist die Pflicht, die Kür soll international erfolgen. Und da hat die Führung keine Mühen gescheut, optimale Voraussetzungen zu schaffen. 26 Spieler sind im Kader, davon 14 A-Nationalspieler.

YB, der «schlafende Riese»

So viele Spieler mit Ambitionen bergen einerseits Konfliktpotenzial, andererseits ist ein üppiges Kader zwingend, um die Dreifachbelastung gegenüber der europäischen Konkurrenz mit gleich langen Spiessen zu begehen. Streller vertraut Sousa: «Das ist eine Frage der Kommunikation. Ich glaube, dass er seine Entscheide mit seiner Art und seiner Offenheit gut rüberbringt.»

Sousa hat angedeutet, dass er das Rotationsprinzip auf eine neue Ebene bringen könnte. 21 Spieler hat er in der Liga schon eingesetzt, 3 weitere im Cup. Die allermeisten werden weitere Einsatzminuten bekommen, bis Weihnachten stehen 27 Wettbewerbsspiele an, Länderspiele nicht eingerechnet. Dies und die Aussicht, gegen Real Madrid oder Liverpool im Kader zu stehen, dürfte für Ruhe und Motivation sorgen. Streller hatte vor der Auslosung hohe Ziele geäussert: «Mein Traum wäre das Erreichen der Viertelfinals.»

Gerade dem 33-Jährigen dürfte das grosse Kader zupass kommen, er kann seine Einsätze besser dosieren als in der Vorsaison. Wie es im kommenden Sommer weitergehen wird, weiss er noch nicht: «Ich werde im März oder April mit dem Präsidenten, dem Trainer und dem Sportchef gemeinsam entscheiden. Klar ist: Ich werde nur weitermachen, wenn ich dem Team auf dem Platz noch etwas bringe, nicht einfach als Gute-Laune-Bär in der Garderobe.» Unabhängig vom Zukunftsentscheid der Basler Integrationsfigur stehen in dieser Saison noch einige Höhepunkte an, beginnend mit den Partien bei Real Madrid und gegen Liverpool.

So weit voraus denkt Streller aber noch nicht, Konzentration und Respekt gelten dem Spitzenkampf: «YB ist ein schlafender Riese. Ein Titel würde Bern sehr guttun und alles ändern. Der Begriff ‹veryoungboysen› wäre auf einen Schlag vergessen.» Bei allem Goodwill: Support dürfen die Berner von Marco Streller am Sonntag nicht erwarten.

Berner Zeitung

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