Gleiche Mission mit anderen Vorzeichen

Xavier Hochstrasser, ein gestandener Young Boy, und Zuzug Senad Lulic verfolgen aus zwei Perspektiven ein Ziel: Sie wollen eine turbulente Vorrunde versöhnlich abschliessen.

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Er steht bei YB in seiner fünften Saison. Er ist einer der Antreiber im Mittelfeld. Er hat über 130 Spiele für die Berner absolviert und ist bald einer der Dienstältesten im Team. Ein gestandener Profi, könnte man meinen. Doch Xavier Hochstrasser ist erst 22 Jahre alt und gehört bei YB noch immer zu den jungen Spielern. Der Start in diese Saison sei ihm so schwergefallen wie noch nie zuvor, sagt der Genfer. Sein Platzverweis in der «Finalissima» letzten Mai gegen Basel brachte ihm zu Beginn der neuen Spielzeit zwei Sperren ein – «das Zuschauen war nicht einfach». Aus der, für ihn ungewohnten, Perspektive der Ersatzbank beobachtete Hochstrasser das Geschehen auch in einigen der folgenden Meisterschaftsspielen. «Die Konkurrenz bei YB ist in den letzten Jahren stets gewachsen», sagt Hochstrasser, der sich im defensiven Mittelfeld gegen Thierry Doubai und Christoph Spycher behaupten muss.

Nicht nur Druck und Belastung

Doch nicht nur seine persönliche Situation ist diese Saison speziell; nach dem knapp verpassten Meistertitel letzte Saison sind bei YB auch die Erwartungen gestiegen. «Der Druck ist grösser und jetzt stehen wir vor sehr wegweisenden Spielen», sagt Hochstrasser. Mit Erfolgen morgen gegen Sion, sechs Tage später in Basel und in zwei Wochen gegen St.Gallen kann YB den schlechten Start in der Meisterschaft wettmachen und zur nationalen Spitze aufschliessen. Und in der Europa League ist ein Überwintern gut möglich, sofern YB die nötigen Punkte gegen Stuttgart und Getafe noch holt. Dass das Team in dieser Saison nicht konstant eine gute Leistung abrufen konnte, weiss auch Hochstrasser. «Dabei darf man aber die Dreifachbelastung nicht vergessen», erinnert der Romand, «wir haben nun fast doppelt so viele Spiele in den Beinen wie letztes Jahr zu dieser Zeit.» Vor ziemlich genau 12 Monaten hatte YB den Rivalen FCB zwischenzeitlich bis auf 13 Punkte distanziert. Dafür sorgten damals der FC Zürich und Basel auf europäischer Ebene für Furore. «Nun stehen wir auch einmal für längere Zeit auf einer internationalen Bühne», freut sich Hochstrasser, der die Spiele in der Europa League als lehrreich empfindet und «einige schöne Erinnerungen daraus mitnimmt». Druck und Belastung sind für den Mittelfeldpuncher also nicht alles, was die bisherige Saison prägt.

Die Freude am Rhythmus

Ein anderer gilt bei YB noch immer als «Neuer», ist 24-jährig und erlebt in seiner ersten Saison bei den Young Boys sogleich turbulente Zeiten. Senad Lulic hatte keinen leichten Start beim Berner Klub. Bei seinem vorherigen Verein GC verletzte er sich, fiel die ganze Rückrunde aus und kam mit entsprechend wenig Spielpraxis zu seinem neuen Verein. «Es war ein schwieriger Beginn für mich», sagt der Fussballschweizer mit bosnischem Pass. «Die Nachwehen meiner Verletzung haben mich anfangs daran gehindert, 90 Minuten lang vollen Einsatz geben zu können.» Lulic, der bereits bei Bellinzona unter YB-Trainer Vladimir Petkovic spielte, gab aber nicht auf und kämpfte sich mit überzeugenden Trainings und immer besseren Leistungen in die Startformation. Doch eigentlich mag er das weniger, das Trainieren. «Was mir seit meinem Wechsel am besten gefällt, ist der hohe Spielrhythmus, der bei YB in dieser Vorrunde herrscht.» Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt habe, könne man den abwechslungsreichen Spielplan auch geniessen, so Lulic. Als YB vor einem Jahr die Liga dominierte und einen guten Lauf hatte, spielte auch Lulic zweimal mit GC gegen die Berner – und gewann immerhin einmal (2:1 zu Hause). «Da gelingen dir eben auch diese ‹unmöglichen› Tore», beschreibt er das Gefühl, welches er mit YB in der Rückrunde unbedingt erleben will: «Wenn wir die nächsten Spiele gewinnen und somit den Anschluss sicherstellen, dann ist noch viel möglich.» Bevor YB aber im Frühling zum erhofften Lauf ansetzt, wartet morgen das schwierige Spiel gegen Sion.

Berner Zeitung

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