Giannis Gefühlswelten im Tessin

Über Umwege ist der frühere YB-Junior Ezgjan ­Alioski doch noch in der Super League angelangt. Mit dem FC ­Lugano erlebt der Linksverteidiger vor dem morgigen Spiel gegen Thun schwere Zeiten, hat sein Glück aber dennoch gefunden.

Ballsicher: Ezgjan Alioski ist Linksverteidiger mit Qualitäten in der Vorwärtsbewegung.

Ballsicher: Ezgjan Alioski ist Linksverteidiger mit Qualitäten in der Vorwärtsbewegung.

(Bild: Andy Mueller/Freshfocus)

Dominic Wuillemin

Die Frage ist simpel, die Antwort nicht. Ezgjan Alioski überlegt kurz, dann sagt er: «Ich habe keine Ahnung, wie ich die letzten Spiele erklären soll.» Siebzehn Gegen­tore hat Lugano in drei Partien gegen Sion, YB und Basel erhalten.

Der 24-jährige Linksverteidiger aus Flamatt wurde dabei jeweils eingewechselt, wenn die Partien längst entschieden waren: zweimal zur Pause, in Bern nach 63 Minuten, beim Stand von 0:5. «Wir sind ein junges Team», sagt Alioski, noch immer auf der Suche nach Antworten. «Wir müssen jetzt Charakter beweisen. Wir können es besser.»

Nach Jahren in der Challenge League beim FC Schaffhausen ist der frühere YB-Junior seit dem Winter im Tessin. Damals lagen die Luganesi noch auf dem achten Platz, einen Punkt hinter Thun, aber vier vor Vaduz. Nun sind sie punktgleich mit den Liechtensteinern Letzter, die Oberländer sind längst enteilt.

Und so erlebt Alioski ein Wechselbad der Gefühle. «Mal abgesehen von den Resultaten, bin ich zufrieden, wie es in Lugano läuft», sagt er am Telefon. Zugeschaltet beim Gespräch ist auch ein Mitarbeiter der Fairplay Agency von Dino Lamberti, dem einflussreichen Schweizer Fussballagenten, der Alioski seit Mitte letzter Saison berät und der ihm den Aufstieg in die Super League doch noch ermöglicht hat.

Der freche Junior

2011 war der blonde Linksfuss, den Familienangehörige und Freunde Gianni nennen, bei YB nahe am Durchbruch gewesen. Unter Trainer Christian Gross hatte er dem Kader angehört, am nötigen Selbstvertrauen, sich bei den Young Boys durchzusetzen, mangelte es Alioski nicht. Eingewechselt zur Pause, spielte er etwa in einer Testpartie gegen den SC Freiburg frech auf und schoss aus dreissig Metern an die Latte.

Trotz vielversprechenden Ansätzen musste er sich bald einmal eingestehen, «dass ich bei YB keine Zukunft haben werde». Alioski liess sich zu Schaffhausen ausleihen, damals noch in der 1. Liga Promotion. Ein halbes Jahr später, als der Aufstieg geschafft war, unterschrieb er in der Nordostschweiz einen Mehrjahresvertrag und wurde bald zum mazedonischen Nationalspieler. «Schaffhausen war für mich ein Neustart», sagt er.

Das Rätsel Zeman

Und nun ist Ezgjan Alioski also in Lugano angelangt. Er ist vorerst bis Ende Saison ausgeliehen, eine Rückkehr in die zweithöchste Liga mag er sich allerdings nicht vorstellen. «Ich bin ehrgeizig. Ich will in der Super League bleiben», sagt er.

Am liebsten in Lugano, wo er sich gut zurechtgefunden hat, auch wenn kaum einer der Teamkollegen deutsch spricht und Trainer Zdenek Zemak die Anweisungen nur in Italienisch gibt. An der Kommunikation jedenfalls soll sein Engagement nicht scheitern, Alioski lernt derzeit die Sprache. «Der Trainer bleibt stets ruhig», sagt der Freiburger. So viel hat er bereits verstanden.

Manchmal, meint Ezgjan Alioski, würde er gerne wissen, was Zdenek Zeman denkt. Dann hätte er vielleicht auch eine Antwort bereit, warum Lugano so tief in die Krise gestürzt ist.

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