Gämperles Bewerbungsspiele

Harald Gämperle ist eine Art Anti-Uli-Forte. Der YB-Interimstrainer strebt am Mittwoch gegen Lugano seinen zweiten Heimsieg an.

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Fabian Ruch

Der Stilbruch könnte nicht heftiger sein. Nach Uli Forte, dem redefreudigen, kumpelhaften Trainer, befehligt nun Harald Gämperle die Young Boys. Der Ostschweizer ist ein ruhiger, korrekter Typ, der nicht mehr sagt, als er sagen muss. Aus Gesprächen und Pressekonferenzen mit Entertainer Forte liefen die Journalisten immer mit mindestens einer schlagzeilenträchtigen Aussage davon, bei Gämperle gehts sachlicher zu und her.

Am Dienstagmittag sitzt er im Stade de Suisse und gibt Auskunft über seine ersten Tage als Interimscheftrainer bei YB. Er habe sich in der neuen Rolle nicht verändern müssen, sagt Gämperle, der Umgang mit den Spielern sei schon vorher von Respekt geprägt gewesen. «Und man kann und muss in kurzer Zeit nicht alles auf den Kopf stellen.»

Der Spielplan meint es gut

Gämperle hält sich lieber auf dem Trainingsplatz auf, als mit den Medien zu sprechen. Er muss gerade die Young Boys aus einer Ergebniskrise führen, der Spielplan meint es gut mit ihm, auf das Heimspiel gegen das müde, schwache Thun (3:1) folgt heute das Heimspiel gegen den naiven, defensiv schwachen Aufsteiger Lugano. «Jedes Spiel ist wichtig», sagt der Coach, «wir können uns keine Ausrutscher mehr leisten.»

Je länger man mit Gämperle spricht, umso stärker fällt seine unprätentiöse Art auf. Seine Antworten sind stets sachbezogen und nüchtern, aber keineswegs immer langweilig. «Jeder Spieler ist ersetzbar», sagt er, als es um die vielen Ausfälle bei YB geht. Gämperle jammert nicht, er gilt als harter, akribischer Arbeiter, der nichts dem Zufall überlässt. «Meine Vorstellung ist, dass wir gut organisiert sind und die kleinen Dinge richtig machen.»

«Es geht um YB»

Siegt Gämperle weiter, nimmt er Druck aus der YB-Trainersuche. Und empfiehlt sich selber als Chef. Der Vertraute von Sportchef Fredy Bickel ist bald im Besitz der Uefa-Pro-Lizenz, es fehlt eine Trainingseinheit, die bewertet wird – Gämperle kann sie praktischerweise mit einem Super-League-Team abhalten.

Geht es um seine Ansprüche, eiert der 47-Jährige herum. «Das entscheide nicht ich», sagt er, und selbst nach wiederholtem Nachfragen bleibt ein klares Bekenntnis zu seinen Ambitionen aus. «Was soll ich sagen?», fragt er zurück, dann meint er: «Es geht um YB. Ich habe kein Problem, wenn ich wieder ins zweite Glied rücken muss.»

Manche behaupten, Harald Gämperle sei der perfekte und ewige Assistenztrainer. Er sieht das anders. Natürlich möchte er bald Chefcoach sein, sonst hätte er ja nicht den höchsten Trainerlehrgang absolviert. «Die sechs Jahre unter Lucien Favre in Zürich und bei Hertha haben mich sehr geprägt, auch von Urs Fischer habe ich viel gelernt», sagt er.

Viele Gespräche geführt

Mit dem bei YB letzte Woche entlassenen Uli Forte war Gämperles Verhältnis zuletzt wenig innig. Gämperle ist vorsichtig genug, um sich in dieser Sache nicht zu positionieren. «Ich wollte immer das Beste für YB», sagt er. Manchmal wirkt er kühl, oft distanziert, die Spieler schätzen den strengen Trainer, weil sie bei ihm wissen, woran sie sind.

Taktisch hat Gämperle wenig verändert, er hat das System von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 umgestellt und will in der Angriffsauslösung keine zwei «Sechser», die sich auf den Füssen rumstehen. Milan Gajic gibt den Ballverteiler, die Innenverteidiger sind in der Spieleröffnung weniger gefordert. An der Seitenlinie verhält sich Gämperle ruhig, weil er findet, es bringe nichts, die Spieler nervös zu machen. «Sie wissen, was sie zu tun haben. Sonst haben wir sie schlecht auf ihre Aufgaben vorbereitet.»

In den letzten Tagen führte Gämperle viele Gespräche mit den Akteuren. Seine früheren Aufgaben wie die Videoanalyse führt er weiter aus, Assistent Erich Hänzi ist ja erst seit knapp einer Woche dabei. Und so geht Gämperle, der mit seiner Innerschweizer Frau und den zwei Söhnen (20 und 10 Jahre) in Rothenburg lebt, unbeirrt seinen Weg. Er will nicht auf Pressekonferenzen überzeugen, sondern als Fussballlehrer.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz berichtet heute ab 19.45 live über das Spiel.

Berner Zeitung

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